Nobelpreisempfänger 2014 stehen fest

Der Nobelpreis dürfte ohne Zweifel die höchste Ehrung sein, die einem Wissenschaftler zuteil kommen kann. Er wurde vom schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896) gestiftet. In seinem Testament legte er die Gründung einer Stiftung fest, deren Zinsen „als Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. Das Geld sollte zu fünf gleichen Teilen auf die Gebiete Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Friedensbemühungen verteilt werden. Seit 1901 wird der Nobelpreis alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, verliehen. Für 2014 wurde bereits veröffentlicht, wer dieses Preise bekommen soll.

Drei Nobelpreisträger stechen jedoch besonders hervor; zum einen Kailash Satyarthi und Malala Yousafzay für den Friedensnobelpreis und zum anderen Patrick Modiano als zukünftiger Nobelpreisträger.

Kailash Satyarthi kämpft seit Jahren gegen Kinderarbeit in Indien. Das Komitee begründet die Entscheidung damit, dass er gegen die Ausbeutung von Kindern für wirtschaftliche Ziele protestiert und somit auch zur Ausarbeitung internationaler Kinderrechte beigetragen habe. Satyarthi begann seinen unermüdlichen Einsatz bereits 1980. Er gründete die Organisation „Bachpan Bachao Andolan“, die „Bewegung zur Rettung der Kindheit“, mit der er Häuser und Fabriken stürmte, um die dort schuftenden Kinder zu befreien. 1998 organisierte der Inder einen 80.000 Kilometer langen Sternmarsch durch Asien, Afrika, Amerika, Australien und Europa, um die Welt wachzurütteln. „Wir wollen bis zur Jahrtausendwende die Welt frei von Kinderarbeit machen“, sagte der heute 60-Jährige damals.

Bemerkenswert ist auch der Einsatz von Malala Yousafzai aus Pakistan. Mit gerade siebzehn Jahren ist sie die jüngste Nobelpreisträgerin überhaupt und die sechzehnte Frau, die den Nobelpreis erhält. Sie setzt sich seit ihrem elften Lebensjahr in Pakistan für das Recht von Mädchen auf Bildung ein. Im Oktober 2012 wurde Yousufzai im Schulbus von Taliban-Kämpfern in den Kopf geschossen, weil sie in deren Augen für areligiöse Werte eintrat. Sie überlebte schwer verletzt. Trotz des Attentats setzt sich Yousufzai mit Hilfe ihres Vaters weiter für das Recht auf Bildung ein. Dafür rief sie eine eigene Stiftung ins Leben, die „Malala Education Foundation“. Das Komitee begründet ihre Entscheidung mit „Für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen und für das Recht aller Kinder auf Bildung.“ Dadurch, dass der Preis an einen Hindu und eine Muslimin, an Bürger der verfeindeten Länder Indien und Pakistan, geht, möchte das Nobelkomitee ein Zeichen setzen.

Mit Patrick Modiano gewinnt ein neunundsechzig Jahre alter Schriftsteller den Literaturnobelpreis, den die Geister der Vergangenheit nicht ruhen lassen. Damit würdigt das Nobelpreis-Komitee das Werk des 69-jährigen Autoren, das sich um die Themen Erinnern, Vergessen, Schuld und Identität drehe. Modiano wurde am 30. Juli 1945 in Boulogne-Billancourt bei Paris als Sohn eines jüdischen Kaufmanns und einer flämischen Schauspielerin geboren. Beide hatten sich während der deutschen Besatzungszeit kennengelernt. Modiano wuchs zunächst bei den Großeltern auf und verbrachte dann seine Jugend im Internat. Der Tod seines zehnjährigen Bruders war ein Schock für ihn. Modianos Arbeiten von 1967 bis 1982 sind ihm gewidmet. Oft spielen die Bücher an der Côte d’Azur, oft in Paris, manchmal in der Vorstadt, und immer wieder geht es um die Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich. Er steht in Frankreich für jenen Teil der Intellektuellen, die mit ihren Büchern unermüdlich gegen die Verharmlosung des Vichy-Regimes protestiert haben. Die „Pflicht zur Erinnerung“ sei es, die ihn antreibt. Die Jury verlieh ihm die Auszeichnung „für die Kunst der Erinnerung, mit der er die ungreifbarsten menschlichen Schicksale und die Lebenswelt der Besetzung hervorgerufen hat“.

 

Basak Yildirim