Studenten bauen eine neue Stadt mit Auto Tabu!

Ein Traum wurde wahr: eine traumhafte Stadt erwartet rund 100.000 neue Einwohner.

 

Seit Oktober ist Österreich um eine Stadt reicher geworden, welche derzeit die 6. größte Stadt Österreichs ist. Die neue Stadt wurde von Studenten erbaut und bietet Platz für 102.000 Einwohner. Sie verfügt bereits über eine komplette Infrastruktur. Zwar gibt es Straßen, doch die Stadt ist so konzipiert, dass alle Wege bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können. Als öffentliche Verkehrsmittel stehen den Bewohnern zwei Tramlinien und zwei Flussbusse zur Verfügung. Die Erdgeschosszonen sollen multifunktional sein. Dort gibt es unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten, etwa Geschäfte, Lokale oder nichtkommerzielle Räume. Daneben sind Bildungseinrichtungen, ein Spital, ein großer Bahnhof, einige Industriegebäude und zahlreiche Freizeiteinrichtungen vorgesehen. Für die Energieversorgung stehen ein Flusskraftwerk, eine Biogasanlage, Windräder, Sonnenkollektoren und andere erneuerbare Energieträger zur Verfügung.

Große Grünschneisen reichen weit bis ins Zentrum. Kurz: Diese Stadt ist lebenswert und traumhaft.

 

Hypotopia

Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Traum, denn diese Stadt ist nicht real, sondern ein Modell im Maßstab 1:100, das derzeit am zentralen Wiener Karlsplatz steht und den Namen Hypotopia trägt. Die Erbauung der fiktiven virtuellen Stadt würde komplett mit Planungs- und Bauaufwendungen, Grundstücksablösen und Infrastruktur ganze 19 Milliarden Euro kosten und mit seiner 12 km² Fläche Platz für 102.574 potentielle Bewohner bieten. Mit genau der gleichen Summe könnte man aber auch die Rettung der Krisenbank Hypo Alpe Adria, ehemals eines der größten Finanzinstitute der Alpenrepublik, finanzieren. Die Notverstaatlichung der ehemaligen Bayern Landesbank-Tochter geführt hinterlässt Steuerzahlern nun Altlasten in Milliardenhöhe. Sie sollen für den Hypo-Schuldenschnitt aufkommen. Der Ärger über dieses Ereignis brachte die Österreicher auf eine Lautstarke Idee: Eine Mitte Februar gegründete Facebook-Gruppe namens „Hupe gegen die Hypo“ rief Autofahrer dazu auf, laut zu hupen, wenn sie an der Hypo-Zentrale in Klagenfurt vorbeifahren. „Wir wollen das Debakel nicht zahlen und werden uns Gehör verschaffen“, heißt es auf der Protestseite.

38 Studenten der Technischen Universität Wien, sowie zwei externe Helfer waren an dem Bauprojekt beteiligt. Sie wollten damit zeigen, was solch ein Betrag bedeutet und was damit finanziert werden könnte. Denn das Problem bei solch hohen Beträgen ist, dass sich diese niemand mehr wirklich vorstellen kann. Für viele klingt 19 Milliarden nicht nach viel Geld. Doch umgerechnet sind das rund 6.000 Euro für jede Familie in Österreich. Lukas Zeilbauer, einer der Initiatoren des Projekts und das ganze Team wollen Debatten anstoßen. Sie wollen Diskussionen auslösen. Er sagt, dass es an Protestkultur fehlt. „Veränderung kann nur von unten kommen, denn die Hypo ist ein Symptom des Kapitalismus. Das ist ein System, das zerstört und wo die Gier regiert“, so Zeilbauer.

 

Pinar Aki