Esther Bejarano & Microphone Mafia 89-jährige rappt antifaschistische Lieder

Am 27.9. fuhren wir nach Schorndorf in die Manufaktur. Wir hatten schon einiges über Esther Bejarano gehört, aber noch nie einen Auftritt von ihr selbst miterlebt. Wir waren daher sehr gespannt, was uns da erwartete. Eine rappende 89-jährige? Was sollte das sein?
Als wir ankamen, war der Saal noch leer, sodass wir erst einmal erschraken. Es tröpfelte an Zuschauern. Doch bis zum Beginn war der kleine Saal voll.
Nach einer kurzen Begrüßung durch die VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten, deren Ehrenvorsitzende Esther Bejarano ist) kam Esther Bejarano auf die Bühne. Ihr Sohn Yoram, sowie Kutlu Yurtseven und Rosario Bennino von Microphone Mafia begleiteten sie. Da stand dann eine kleine, bescheidene und auf den ersten Blick unscheinbare, vom Alter und ihrem Leben gezeichnete Frau auf der Bühne und rappte. Sie rappte aber keine inhaltsleeren Sprüche, sondern Lieder gegen Rassismus und Faschismus. Wir waren platt, wie viel Leben und Schwung Esther mit ihren 89 Jahren auf die Bühne brachte.
Zum Repertoire gehörten Lieder aus dem jüdischen Widerstand gegen die Nazis wie „Zog nit keynmol, az du geyst dem letstn veg“, „Zu Ejns, Zwej, Draj“ aber auch internationale revolutionäre Lieder wie „Avanti populo“ oder „Bella Ciao“. Eindrucksvoll war der Song „Deserteur“ den Boris Vian während des französischen Algerien-Krieges als Antikriegslied schrieb und veröffentlichte. Etwas Besonderes war das eigene Werk „Insanlar – Menschen leiden, doch du bist still“ in deutsch und türkisch, dass die zahllosen faschistischen Gewalttaten in Deutschland aufgreift.
Gern hätten wir an dem Abend noch mehr gehört, so erfrischend und lebendig war alles. Nebenher erzählten die Künstler, wie ihre Gruppe entstand. Als die Nazis in ganz Deutschland auf den Schulhöfen Hass-CDs verteilten, entstand in NRW ein Projekt, eine antifaschistische CD kostenlos an Schüler zu verteilen. Doch sollte diese die Jugend ansprechen. So kam man auf die Idee, Altes und Neues zu verbinden. Esther Bejarano, eine Überlebende des KZ Auschwitz, die dort als Musikerin im Mädchenorchester spielen musste, wurde angesprochen und machte spontan mit. So entstand die interessante Mischung aus traditionellen Liedern und Rap. Da die Gruppe ständig Auftritte hat, findet man sicher mal eine Gelegenheit, eines ihrer Konzerte zu besuchen. Man kann sie auch für Jugendgruppen, Schulen, Jugendhäuser usw. einladen. Und wer gar keine Zeit hat, der kann sich auch ganze Konzerte bei youtube anhören oder eine ihrer CDs kaufen.