Türkei 2014: Rekord bei Arbeitsunfällen mit tödlicher Folge

 

301 Tote im Bergwerk in Soma, 10 Tote auf der Baustelle des Torun Center, 18 Arbeiter, die nach einem Unfall im Bergwerk Ermenek weiterhin vermisst werden…
Die Türkei erlebt dieses Jahr eine Katastrophe nach der anderen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 sind bereits 1.414 Arbeiter gestorben. Das Jahr 2014 ist Anwärter für das Jahr mit den meisten Arbeitsunfällen mit Todesfolge.

Täglich sterben 5 Arbeiter

In der Türkei sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres 1.414 Arbeiter gestorben. Allein im September dieses Jahres sind 143 Arbeiter, davon 11 Frauen und 5 Minderjährige, nach einem Unfall am Arbeitsplatz gestorben. Die Türkei ist im Vergleich zu anderen Ländern an oberster Stelle im Ranking Arbeitsunfälle mit Todesfolge. Die Todesstatistiken brachten bisher aber kein Umdenken und keine Sicherheitsmaßnahmen mit sich. Nachdem in Soma 301 Menschen gestorben waren, starben seitdem weitere 575 Menschen bei anderen Unfällen am Arbeitsplatz. Die meisten Unfälle passieren im Bergwerk, auf Baustellen und in der Energiebranche. Im Durchschnitt sterben 5 Arbeiter pro Tag in der Türkei.

Die wichtigste Ursache: fehlende Sicherheitskontrollen

Fehlende Sicherheitskontrollen sind die wichtigste Ursache für Arbeitsunfälle. Während die Unfälle mit Todesfolge in den letzten Jahren anstiegen, sank die Kontrolle von Sicherheitsbedingungen in den letzten 10 Jahren um 70%. 2005 wurden 27.000 Kontrollen der Sicherheitsbedingungen am Arbeitsplatz durchgeführt. 2013 betrugen die Zahl der Kontrollen nur noch 8.000. Während die Kontrollen sinken, steigen jedoch die Zahlen von unversicherter Beschäftigung und Beschäftigung im Leiharbeitsbereich. Dies führt zwangsläufig dazu, dass die Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz sinken und Unfallzahlen steigen. Verglichen mit den Zahlen in europäischen Ländern, ist die Zahl der Unfälle mit Todesfolge in der Türkei um das sieben bis achtfache höher.

Die Todeszahlen steigen, die Kontrollzahlen sinken
Die Bilanz der Kontrollgänge in den letzten Jahren sind wie folgt: 2005 fanden 27.000 Kontrollgänge statt, 2009 waren es noch 19.000 Kontrollen, dies sank 2011 auf 15.000, 2012 waren es noch 11.000 und in 2013 nur noch 8.000 durchgeführte Kontrollen. Im selben Zeitraum stieg die Anzahl der Firmen von 850.000 auf 1.600.000. Die Anzahl der Beschäftigten verdoppelte sich und stieg auf 12 Mio. Die Kombination – Reduktion der Kontrollen und Verdopplung der Beschäftigtenzahlen – führte zu mehr Unfällen mit Todesfolge am Arbeitsplatz. Auch die Zahl der Beamten, die Kontrollen durchführen können, ist zu gering. Es gibt im ganzen Land nur 266 Beamte, die Sicherheitskontrollen durchführen können. Diese Beamten haben weitere 315 Assistenten. Aufgrund der geringen Zahl von Kontrollbeamten, die nicht genug Kontrollen durchführen können, hat die Regierung diese Aufgabe an Experten der Arbeitsgesundheit und Arbeitssicherheit übertragen. Diesem Gesetz nach, müssen Arbeitgeber je nach Gefährdungseinstufung, einen Sicherheitsexperten einstellen. Diese Sicherheitsexperten sollen dem Arbeitgeber Mängel deutlich machen. Werden diese Mängel nicht behoben, soll der Sicherheitsbeauftragte den Arbeitgeber dem Arbeitsministerium melden. Diese rechtlichen Vorgaben werden jedoch in der Praxis nicht eingehalten. Denn der Sicherheitskontrolleur bekommt sein Gehalt von dem Arbeitgeber, den er zu kontrollieren hat. Er kann sich den Luxus nicht leisten, seinen eigenen Arbeitgeber dem Ministerium zu melden. Was auf Papier und im Gesetz existiert, ist in der Praxis nicht vorhanden: Gesundheits- und Sicherheitskontrollen am Arbeitsplatz.