Burkina Faso

Aydin Cubukcu

Auf der ganzen Welt und auch in der Türkei ist das Hauptaugenmerk fast ausschließlich auf den Nahen Osten und insbesondere auf Kobani gerichtet. Unter diesen Bedingungen widmete unsere Zeitung vor wenigen Tagen eine halbe Seite den Entwicklungen in Burkina Faso. Für unsere erfahrenen Leser, die das breite Spektrum unserer Zeitung kennen, ist das sicherlich nichts Überraschendes. Die Zeitung der Arbeiter war hier lediglich erneut ihrer Pflicht nachgekommen, ihre Leser über eine weitere gesellschaftliche Bewegung zu informieren, wo sie sich auch immer auf der Welt abzeichnet.

Wie viele Menschen in Ihrem Umfeld kennen Burkina Faso. Ist es eine Limonadenmarke, oder der Name eines Restaurants, das berühmt für seine exotischen Gerichte ist? Oder vielleicht ein indischer Autor, oder doch ein Land?

Die Leser, die diesen Bericht und die dazugehörigen Hintergrundinformationen gelesen haben, konnten erfahren, dass es sich dabei um ein Land handelt. Danach hatte es in dem drittärmsten Land der Welt einen Militärputsch gekommen. Die Leser erfuhren auch von dem Kampf der demokratischen Kräfte gegen den Putsch.

Der abgesetzte Diktator hatte sich 1987 an die Macht geputscht. Dabei hatte er den damaligen jungen Revolutionsführer Sankara ermordet und eine neue Herrschaft installiert, die auf den Traditionen der ehemaligen Kolonialherren aufbaute. Als er eine Verfassungsänderung durchsetzen wollte, um seine 27 Jahre dauernde Herrschaft zu festigen, kam es im Land zu Auseinandersetzungen. Daraufhin putschte die Armee und der Diktator verschwand von der Bildfläche.

Heute sprechen sich alle gegen den Putsch aus, auch und vor allem der frühere Kolonialherr Frankreich. Auch die Bevölkerung wendet sich dagegen, dass es auf diesem Wege zu einem Wechsel an der Machtspitze kam. Der putschende General Zida versucht die Massen zu besänftigen und verspricht die baldige Einführung der Demokratie.

Und was geht uns der Putsch in einem Land an, das wir nicht kennen und das wir auf der Weltkarte nicht finden können?

In dieser Kolumne wurde in zahlreichen Beiträgen darauf hingewiesen, dass Afrika in naher Zukunft Schauplatz von verschärften Konflikten sein wird. Sowohl die ehemaligen Kolonialherren und neue Imperialisten, als auch andere kleinere und größere Länder auf der Suche nach Expansionsmöglichkeit versuchen in Afrika irgendwie mitzumischen. Millionen Menschen, die in diesem alten Kontinent unter der Armutsgrenze leben, sehen ihre Rettung in der Flucht und begeben sich auf den Weg in ferne Länder. Als „illegale Flüchtlinge“ stigmatisiert versuchen sie auf ihren überfüllten Booten die Strände Europas oder auf abenteuerlichen Wegen den amerikanischen Kontinent zu erreichen. Andererseits beziehen bewaffnete islamistische Organisationen wie überall auf der Welt auch in Afrika Stellungen oder werden unter dem Deckmantel von „Hilfsorganisationen“ aktiv.

Die aktuellen Ereignisse in Burkina Faso sind kleine Vorboten dessen, was noch in größeren Dimensionen kommen wird. Der Imperialismus, der auf der ganzen Welt Kriege anzettelt, um seine tiefen internen Konflikte zu lösen, sieht die Chancen für eine Verlängerung seines Lebens in diesem Kontinent.

Wir müssen Afrika aus nächster Nähe betrachten, damit wir uns ein Bild von unserer Zukunft machen können. Es ist jetzt an der Zeit, uns Afrika zuzuwenden.