Google gibt Daten von Islamkritikern an radikale Islamisten weiter

Wer heute im Internet surft, wundert sich nicht mehr großartig über eine Unmenge von Pop-Up-Fenstern oder Dauerwerbeanzeigen. Vor kurzem hat man noch auf Google Preise verglichen und schon landen Werbebanner des Produkts auf jeder weiteren Homepage, die man hinterher aufruft. Daran hat sich der surfende Durchschnittsverbraucher längst gewöhnt. Dass das Surfverhalten systematisch erfasst und zu Werbezwecken weiterverarbeitet wird, nimmt man dann in Kauf.   Immerhin geht es nicht mehr ohne Google. Datenerhebung und -verarbeitung durch Google, Facebook und co. ist heutzutage ein offenes Geheimnis und erregt daher nicht mehr allzu viel Aufsehen. Der Gedanke, dass irgendwo die gesammelten Daten zu einem individuell angelegten Profil zusammengebastelt werden, um das künftige Kaufverhalten des Users vorherzusehen, scheint die Massen nicht weiter zu stören – abgesehen von den etlichen Datenschutzrechtlern natürlich.

 

Doch das Neueste aus dem Hause Google hat das Potential, die Datenschutz-Debatte erneut entfachen zu lassen. Laut einem  Artikel der Welt haben nämlich vermeintliche islamische Fanaktiker es dank Google fertig gebracht, persönliche Daten einer islamkritischen Gruppe zu erhalten.

 

Die ganze Story beginnt mit einer einfachen Beschwerde an Google-Tochter Youtube wegen Urheberrechtsverletzung und endet mit einer Morddrohung.

Bei den Islamkritikern handelt es sich um einen YouTube-Kanal namens Al Hayat TV. Auf diesem Kanal finden sich islamkritische Videos wie „Mohammeds Psyche: Narzissmus und Paranoia“,  „Wie der Islam gegen uns hetzt“ oder „Islam und die Abtrennung von Gliedmaßen“.

Moderiert von Ex-Muslimen entwickelte sich der Onlinesender zur bekannten Zielscheibe verärgerter Muslime und radikale Islamisten.

Eine Urheberrechts-Beschwerde eines ominösen Absenders namens „ChristFirstCopyright“ trifft bei den Machern von Al Hayat TV ein und befleckt das Image von Google auf eine andere Art und Weise.

Zunächst einmal schrieb der Kölner Morris B., einer der Betreiber des Senders, eine Antwort an YouTube, in welcher er erklärte, dass die Inhalte aus eigener Produktion stammen. Die Beschwerde sei damit offensichtlich unberechtigt und bei „ChristFirstCopyright“ handele es sich ohne Frage um einen Betrüger, der damit die Löschung des Kanals oder die Offenlegung der Betreiber beabsichtige. Aus Sorge um seine persönlichen Daten fügte er hinzu, einen offiziellen Widerspruch vermeiden zu wollen. Nähere Angaben zu den Beteiligten von Al Hayat TV könnte möglicherweise eine Gefahr für sie darstellen. Und so sollte es kommen:

 

Al Hayat TV wurde in der Zwischenzeit endgültig gesperrt und YouTubes automatisierte Antwort hierzu ließ Morris B. zur Entsperrung nur noch eine sogenannte „Gegendarstellung“ als letzte Möglichkeit. Dieses langwierige Verfahren und ein immenser Druck seitens Google veranlassten die Betreiber dazu, die Gegendarstellung schließlich auszufüllen, die von ihnen wiederum eine Angabe der persönlichen Anschrift und Telefonnummer erforderte.

Lange Geschichte – kurzes Ende: Die Angaben gelangten umgehend an die „ChristFirstCopyright“. Und das, obwohl der Betreiber Morris B. ganz ausdrücklich darum bat, genau das zu unterlassen.

Seine Erklärungen hätte er sich auch sparen können, da das ganze Beschwerdeverfahren durch Google automatisiert ist und keine genauere Überprüfung in dieser Hinsicht existiert.

 

Die Folge dieses Schlamassels äußerte sich in folgender Morddrohung:

„Danke für deine persönlichen Daten. Diese werden wir mit einem Bild deines Senders Al Hayat TV auf den Webseiten von al-Qaida und anderen europäischen Dschihadisten posten. (…) Pass auf Deinen Kopf auf und sorge jetzt schon dafür, dass dein Haus unter Polizeischutz gestellt wird.“

Unterdessen weigert sich Google vehement, zu dem Al Hayat TV-Fall Stellung zu beziehen. Nicht einmal ein von Morris B. Beauftragter Medienanwalt konnte von Google eine Antwort zu der Frage in Erfahrung bringen, wie es dazu kommen konnte, dass höchst private Daten an „offensichtlich gewaltbereite radikal-islamische Gruppen“ weitergegeben wurde.

Dass man keinen persönlichen Customerservice von Google bekommt, war vielleicht abzusehen. Doch wie gefährlich das rein automatisierte Verfahren sein kann, hat dieser Fall bewiesen. Wettervorhersage für Google: riesiger Shitstorm in Sicht.