Das Recht auf Nahrung –  ist keine Utopie

Basak Yildirim

Die Ernährung ist für die Entwicklung und die Geschichte der Menschheit entscheidend wichtig, denn sie prägt das Leben der Menschen – ihre Arbeit, ihr Wohlbefinden, aber auch ihr Leid. Für weite Teile der Bevölkerung gilt stets: Werden Lebensmitteln knapp, sind sie von Hunger, Krankheit und Verarmung bedroht. Insbesondere für die ärmsten Bevölkerungsschichten bedeutete jede Missernte zwangsläufig eine Hungersnot. Einige Zahlen und Fakten zum Thema Ernährung sind wie folgt:

  1. 805 Millionen Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen. Die Zahl der Hungernden ist seit 1990 zwar um 290 Millionen zurückgegangen, aber einer von neun Menschen weltweit muss jeden Abend hungrig schlafen gehen.
  2. Hunger ist das größte Gesundheitsrisiko weltweit. Mehr Menschen sterben jährlich an Hunger, als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen.
  3. Die große Mehrheit der Hungernden (98 Prozent) lebt in Entwicklungsländern, ca. 525 Millionen in Asien.
  4. 1,3 Milliarden Menschen sind in der Landwirtschaft tätig und ca. 35 Prozent der globalen Getreideernte wird an Nutztiere verfüttert.
  5. Unterernährung trägt jährlich zum Tod von 2,9 Millionen Kindern unter fünf Jahren bei – mehr als 45 Prozent aller Sterbefälle von Kindern weltweit.
  6. 162 Millionen Kleinkinder in Entwicklungsländern sind chronisch unterernährt. Jedes siebte Kind unter fünf Jahren ist weltweit untergewichtig.
  7. Jedes vierte Kind weltweit ist von “stunting” beeinträchtigt, einer zu geringen Körpergröße im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen.
  8. In Entwicklungsländern gehen 66 Millionen Vorschulkinder hungrig in die Schule, allein in Afrika sind es 23 Millionen.
  9. Es kostet nur 20 Cent am Tag, einem Kind alle wichtigen Vitamine und Nährstoffe zu geben, die es braucht um gesund aufzuwachsen.

In den ärmsten Ländern der Welt liegen die durchschnittlichen Ausgaben für Nahrungsmittel bei  60 bis 80 Prozent des verfügbaren Einkommens. In den meisten Industrieländern machen sie 10 bis 20 Prozent des Einkommens aus. Somit sind Entwicklungsländer bei Preisschwankungen besonders stark betroffen.  Nahrungsmittelpreise haben sich nach einer Studie der Weltbank von 2005 bis 2008 um 83 Prozent verteuert. 2010 stiegen die Preise für Weizen, Reis und Mais erneut drastisch. Ein Grund dafür sind unter anderem auch Preisspekulationen.

Noch weiter verbreitet als Unterernährung sind aber Fehl- und Überernährung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden knapp zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung aufgrund von Vitamin- und Mineralstoffmangel. Und mehr als eine Milliarde Menschen sind von Übergewicht betroffen, mit entsprechenden Problemen für die Gesundheit, die Gesundheitssysteme und die Wirtschaft! Zwar sind in ärmeren Ländern prozentual bisher meist weniger Menschen von diesem Überschussproblem betroffen, aber aufgrund der großen Bevölkerungszahl leben zwei von drei übergewichtigen Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern.