#nichtschön

Mittlerweile gibt es unendlich viele Menschen, die ihr Können, manchmal aber auch ihr Nichtkönnen, in verschiedenen Internetportalen mittels Videoaufnahme teilen. Die wohl bekannteste Seite dafür ist YouTube. So genannte YouTuber oder Blogger nehmen regelmäßig zu bestimmten Themen Videos auf und verbreiten diese. Diese haben dann teilweise mehr als 300 000 Aufrufe, innerhalb kürzester Zeit. Unter ihnen gibt es auch viele Frauen, die diese Videobotschaften für sich entdeckt haben. In den Videos der Frauen geht es von A-Z um die verschiedensten Themen. Die häufigsten Kommentarbeiträge zu den Posts handeln aber über das Aussehen der Bloggerinnen selbst. Dabei geht es in dem Video inhaltlich eigentlich um etwas anderes. Das ist der Bloggerin Marie Meimberg aufgefallen, woraufhin sie, gemeinsam mit 29 weiteren Bloggerinnen, das #nichtschön Video aufgenommen hat.

Mehr als nur schön!

Egal, was man macht, als Frau hat man dabei auch noch schön auszusehen. Das gehört sich so. So wird es zumindest 24 Stunden am Tag von allen Medien vermittelt. Die 30 Bloggerinnen zeigen mit dem #nichtschön Video, dass sie mehr sind, als das. Und auch, wenn einige von ihnen zu Beautythemen Videos drehen, wollen sie nicht darauf reduziert werden. Sie sind lustig, fröhlich, ehrlich, mutig, sozial (…) awesome, aber nicht schön!

Das Video kam sehr gut im Internet an und wurde innerhalb einer Woche mehr als 80 000-mal angeklickt. Das haben wohl auch die Herausgeber verschiedener „Frauenzeitschriften“ gemerkt und mit diesem Video das Ende der Oberflächlichkeit gefordert. Gerade die Zeitschriften, wie Brigitte, die Frauen immer wieder mit ihren Diättipps zeigen, dass sie zu dick sind, die Frauen immer wieder einreden, dass sie nicht ins Schönheitsideal der Gesellschaft passen und irgendetwas an sich ändern müssen, um dann doch schön zu sein. Eben solche Zeitschriften sind es zumeist, die Frauen zu Selbstzweifeln führen und deprimieren. Darum ist es auch kein Wunder, dass Frauen und auch Männer mit ihren Kommentaren die Bloggerinnen nur auf ihr Aussehen reduzieren.

#nichtschön sein für Gleichberechtigung

Dass Frauen in unserer ach so weit entwickelten Gesellschaft noch immer nicht gleichberechtigt sind, zeigt die Tatsache, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt werden. Auch in Deutschland werden Frauen unterdrückt, geschlagen und vergewaltigt. In Europa wurde jede dritte Frau schon einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt. JA es muss Schluss sein mit der Oberflächlichkeit, aber das reicht uns nicht. Frauen dürfen nicht mehr nur auf ihren Körper reduziert werden und müssen das Recht auf Gleichberechtigung und Selbstbestimmung über ihr Leben und ihren Körper erlangen. Deshalb fordert der Bundesverband der Migrantinnen, dass das patriarchale Rollenmuster spätestens in den Schulen hinterfragt werden muss. Gesellschaftliche Strukturen, Gesetze und Arbeitsbedingungen usw., die patriarchale Rollen und Machtstrukturen festigen, müssen konsequent bekämpft werden.

Bahar Güngör