Proteste „Krieg ist kein Funsport“

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Vom 28. bis 30. November kehrte die Jugendmesse YOU in die Dortmunder Westfalenhallen zurück. Mit der Bundeswehr zählte ein sehr umstrittener Aussteller zu den Gästen der Veranstalter.

Das Bündnis „Krieg ist kein Funsport“, dem sich zahlreiche Jugendverbände und Organisationen angeschlossen haben, lehnte die Teilnahme von Militär auf einer Jugendmesse grundsätzlich ab.

In der Tat lag die Kernzielgruppe der YOU bei 14-16 Jahren. Ein Alter, in dem viele Jugendliche noch sehr leicht zu beeinflussen sind. Von Tod und vom Töten, von Verletzungen, Traumata und anderen negativen Auswirkungen, die der Beruf als Soldat mit sich bringen kann, wird seitens der Jugendoffiziere auf der Messe natürlich nichts erzählt. Stattdessen wird für Abenteuer, Kameradschaft und Karrierechancen geworben. Hochglanzbroschüren sollen die Minderjährigen ebenso für den Dienst an der Waffe begeistern, wie Flugsimulatoren. Auch Panzer wurden von der Bundeswehr bereits zu solchen Anlässen zur Schau gestellt, als sei Kriegsgerät das Normalste auf der Welt.

Einen solchen Auftritt wollte das Bündnis nicht unkommentiert lassen und hat sich deshalb seit mehreren Wochen auf die Jugendmesse vorbereitet. Mit zahlreichen Protestaktionen haben sie auf ihren Standpunkt aufmerksam machen.

Die Proteste auf der Jugendmesse YOU gegen den dortigen Auftritt der Bundeswehr wurden vom Bündnis „Krieg ist kein Funsport“ als guter Erfolg ausgewertet. An allen drei Messetagen haben Jugendliche und junge Erwachsene ihre Ablehnung gegen das „Werben für`s Sterben“ zum Ausdruck gebracht.

Zur Messeeröffnung am Freitag erreichten sie mit einer Verteilung von „Aktionstüten“ 1.000 Besucher der YOU, wobei knapp 200 von ihnen an einem bunten Seifenblasen Flashmob vor dem Panzer in Halle 5 teilnahmen.

Bei bestem Wetter und lauter Musik empfingen am Samstag Vormittag gute 50 Kriegsgegner die anreisenden Messebesucher direkt am Ausgang der U-Bahn mit einer Kundgebung und informierten auf Flugblättern über ihre Kritik, dass Militär auf einer Jugendmesse nichts verloren habe.

An den folgenden beiden Nachmittagen führten verschiedene Gruppen des Bündnisses mehrere Performance- und Theateraktionen vor dem Stand der Bundeswehr durch. Während beispielsweise Mütter ein Transparent mit dem Text „Unsere Kinder KRIEGt ihr NICHT!“ entrollten, legten sich ein Dutzend mit Kunstblut und geschminkten Verletzungen versehene Jugendliche wie tot vor den Werbestand des Militärs. In einer weiteren Aktion führte eine andere Gruppe eine „Antimilitaristische Spurensicherung“ durch. Dazu wurde die Fläche der Bundeswehr als „Tatort“ markiert und symbolisch mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Die Jugendlichen untersuchten den Panzer auf Spuren, machten Durchsagen per Megafon und baten die Soldaten um die Abgabe von Fingerabdrücken.

 

Friedlich, bunt und kreativ die Ziele erreicht

„Ziel unseres Bündnisses war es, eine gesellschaftliche Diskussion um das Thema anzustoßen und die Jugendlichen zu sensibilisieren.“, erklärt Sprecher Jan Tacke von der Naturfreundejugend. Und ergänzt zufrieden: „Das ist uns sichtlich gelungen.“

Durch die breite Berichterstattung wurde bereits im Vorfeld deutlich, dass der Auftritt der Bundeswehr auf einer Jugendmesse nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt, sondern kontrovers diskutiert und von vielen Menschen abgelehnt wird.

Erfreut zeigt sich Jan Tacke auch darüber, dass alle Absprachen eingehalten worden sind. „Die Gruppen und Teilnehmenden haben sich ausnahmslos an unseren Aktionskonsens gehalten. Der lautete „friedlich, bunt und kreativ“ und so ist es auch an allen drei Protesttagen gewesen.“ Überhaupt war es das erste Mal, dass während einer YOU-Messe drei Tage in Folge gegen das Militär protestiert worden ist.

Am Bündnis haben sich insgesamt 16 Organisationen sowie diverse Einzelpersonen beteiligt. Getragen wurde es vor allem von Jugendverbänden. Neben der Naturfreundejugend waren auch DGB-Jugend, Falken, LISA, DIDF-Jugend, SDAJ und die Grüne Jugend an der Vorbereitung beteiligt. Weitere Unterstützung bekam das Bündnis vom Landesjugendring sowie verschiedenen Parteien.

Inhaltliche Klammer der Verbände sind die Grundprinzipien der UN- Kinderrechtskonvention, welche Werbung für den Dienst an der Waffe verbiete. Was für afrikanische Länder gelte, wo Kinder oft als Soldaten missbraucht werden, müsse in einer westeuropäischen Demokratie erst recht gelten, so der Tenor im Bündnis.

 

 

Bundeswehrwerbung: „Alles bloß eine große Adventure-Veranstaltung“

 

Wir hatten die Möglichkeit, Jan Tacke von der Naturfreundejugend und Sprecher des Bündnisses “Krieg ist kein Funsport“ zu der Anti-Bundeswehr-Aktion auf der YOU-Messe zu befragen.

 

 

Seit wann gibt es das Bündnis gegen die Bundeswehr auf der Jugendmesse YOU in Dortmund?

Das Bündnis “Krieg ist kein Funsport“ haben wir im Mai auf Initiative der Naturfreundejugend NRW gegründet. Seitdem haben wir an Strategien, Ideen und Konzepten für Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet.

 

Warum ist/ war es für euch wichtig gegen die Bundeswehr zu agieren?

Naja, Militär hat eben auf einer Jugendmesse nichts verloren. Die UN-Kinderrechtskonvention verbietet Werbung für den Dienst an der Waffe. Das hat die Bundesregierung unterzeichnet. Wieso darf dann bitte die Bundeswehr auf einer Lifestyle-Messe, deren Zielgruppe 14-16jährige sind, Propaganda für den Kriegsdienst machen? Und dann tun sie auch noch so, als sei das alles bloß eine große Spaß- und Adventure-Veranstaltung. Vom Tod und vom Töten, von Traumata, Verletzungen, kaputten Familien und so weiter, erzählen sie den Kids jedenfalls nicht. Auch wenn sie das immer behaupten. Wir haben nur Panzer, Tanklaster, Motorräder und Hochglanzbroschüren gesehen, die in schillernden Farben Karrierechancen beschreiben. Für Jugendliche mit wenig Perspektive auf dem zivilen Ausbildungsmarkt ein großer Reiz. Wir befürchten, dass sich viele davon blenden lassen und die reale Gefahr dahinter verkennen.

 

 

Wie kamen eure Aktionen bei den Jugendlichen an?

Der Seifenblasen Flashmob war eine schöne Sache. Unser Bündnis hat morgens vor der Messehalle 1.000 „Aktionstüten“ an die Jugendlichen verteilt, die mit ihren Schulklassen kamen. Darin enthalten waren neben den Seifenblasen auch Lollies, Aufkleber und Flyer mit unseren Zielen. Die wurden gern genommen. Am Flashmob selbst nahmen dann knapp 200 Jugendliche teil. Banner wurden hochgehalten und jede Menge Seifenblasen gepustet. Es war eine fröhliche Atmosphäre. Viel Medien und Presse war vor Ort und hat darüber berichtet. Messeleitung und Polizei waren ein bisschen nervös, schritten aber nicht ein. Unser Aktionskonsens lautete „friedlich, bunt und kreativ“ und an den haben sich auch alle gehalten. Es gab also keinen Grund und eigentlich auch keine geeignete Möglichkeit, unseren Protest zu kriminalisieren.

 

Was steht bei euch für die Zukunft an?

Die YOU hat gerade bekannt gegeben, dass sie vom 27.-29. November 2015 auch wieder in die Dortmunder Westfalenhallen kommt. Wir werden weiter versuchen, Druck zu machen, dass die Bundeswehr erst gar nicht eingeladen wird. Die Chancen sehen wir allerdings als eher gering an, denn die Messe arbeitet schließlich gewinnorientiert -und da ist es mit der Moral oft nicht so weit her… Also bereiten wir uns darauf vor, dass wir auch kommendes Jahr den Bundeswehr-Auftritt auf der YOU wieder mit vielen lustigen, bunten und kreativen Aktionen begleiten werden.