Zucker, Fett, Fleisch und Soße- das ist Schulessen

Seval Mengi

Pizza, Pasta und Schnitzel mit Soße, mit anderen Worten: Zucker, Fett, Fleisch und Geschmacksverstärker. Das sind die Bestandteile von Menüs, die den Kindern im Kindergarten, in der Grundschule oder den weiterführenden Ganztagsschulen angeboten werden. Da fragt man sich, wo das Gemüse und die Bestandteile, die wenigstens an „gesunde, ausgewogene Ernährung“ erinnern, geblieben sind.

Die aktuelle Studie im Auftrag des Ernährungsministeriums zu der Schulverpflegung an Ganztagsschulen, deckt erneut erschreckende Fakten auf. Dem Bericht zu Folge enthalten die Gerichte oft viel zu wenig Gemüse und zu viel Fleisch. Dabei machte Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) darauf aufmerksam, dass es ihm wichtig sei, für gesunde und maßvolle Ernährung zu werben. Die Ergebnisse der Studie zur Schulverpflegung in Schulen sind aber deutlich von diesen Aussagen entfernt. Genauso distanziert ist seine Aussage „Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder Qualität auf den Teller bekommen.“ Stattdessen bekommen die Schüler teure und ungesunde Gerichte angeboten, die sie in den erheblich zu kurzen Pausen verzehren müssen.

Die Studie zur Schulverpflegung stellt eine Aussage über die erheblichen Defizite in der Ernährung an Schulen dar. Es sind zwar 53,5 % der befragten Grundschüler mit ihren Menüs sehr zufrieden, wobei in diesem Alter der Geschmack und die  fettige Soße das Bewusstsein über eine gesunde und ausgewogene Ernährung nahezu verdecken, dagegen sehen die Zahlen in weiterführenden Schulen unterschiedlich aus. Hierbei sind nur 8,7 % der Schüler mit den Menüs sehr zufrieden. Wenn man bedenkt, dass für die Studie bundesweit 760 Speisepläne mit dem Ergebnis, dass jeder zweite nicht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entspricht, ausgewertet wurde, ist die Unzufriedenheit der Schüler zurecht.

Der Anteil der Ganztagsschulen in Deutschland ist im Anstieg, was die  Bedeutung der Schulverpflegung erneut vor Augen führt. In Sachsen ist der Anteil an Ganztagsschulen sogar bereits bei 78%. Inwiefern der Verpflegung von Schülern eine wichtige Bedeutung mit Auswirkungen zusteht, lässt sich bei der näheren Betrachtung von statistischen Werten ganz einfach erklären. 15 Prozent aller Drei- bis 17-Jährigen sind übergewichtig; jeder zweite bis dritte davon ist sogar stark übergewichtig bis fettleibig. Die Ergebnisse, die sich aus der Studie ergeben haben, lenken keineswegs dagegen. Im Gegenteil, sie verstärken sogar die potentiellen Auswirkungen wie Übergewicht und sogar damit verbundene Krankheiten. Statt ausgewogene Speisepläne mit Gemüse und Fisch, werden Zutaten wie Fett, Zucker und Geschmacksverstärker eingesetzt, um auch an Kosten zu sparen.

Das Stichwort „Kosten“ ist im Zusammenhang der Schulverpflegung ein wichtiges Problemfeld. Die teuren Speisen in Schulkantinen sind nicht ohne Bedenken für alle Schüler zugänglich, sind nicht sättigend und dazu ungesund. Die Lösung dazu ist nicht kompliziert- die Befreiung von Schulessen von der 19%-igen Mehrwertsteuer. So lautet eine Forderung zum Thema Schulessen in Deutschland. Neben der besseren Qualität fordert z.B. Karin Binder, ernährungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, jede Speise solle aus 5 Euro pro Kind am Tag zubereitet werden. Nicht ohne Grund, denn der Zugriff der aktuellen Speisen auf Zucker und Fett sind Hinweise dafür, dass Kosten ohne die Berücksichtigung der Gesundheit der Schüler eingespart werden. Diese Kosten sollen aber nicht den Eltern abgewälzt werden, sondern von der Politik finanziert werden.

Die frühen Jahre prägen Essgewohnheiten für das ganze Leben, daher ist zwingend notwendig, dass rasant eine Änderung bezüglich der Schulverpflegung vorgenommen werden muss. Die leistungssteigernde Auswirkung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung muss jedem einzelnen Schüler bezahlbar zugänglich gemacht werden. Und wer jetzt mit der „und wer soll das Bezahlen?“-Keule kommt, dem eine Gegenfrage: „Wer bezahlt die Kosten für gesundheitliche Folgeprobleme von ungesunder Ernährung und Übergewicht?“