Get up – Stand up

Am 9. Dezember gingen in Hamburg die Studierenden für eine Demokratisierung und die Ausfinanzierung der Hochschulen auf die Strasse. Aus zwei Richtungen setzten sich die Züge der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH), Hafen-City-Universität (HCU), Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW), Hochschule für Musik und Theater (HfMT), Hochschule für Bildende Kunst (HfBK) und der Universität Hamburg (UHH) in Bewegung. Bis zu 5000 Demonstranten kamen so schließlich sternenförmig am Hauptbahnhof zusammen, um ihren Marsch gemeinsam durch die Innenstadt fortzusetzen.
Die Studierenden sprachen sich offen gegen das „Strategiepapier“ des Senats aus, der ihnen damit gegen den eigenen Willen eine einseitige Auslegung der Universitäten auf Wirtschaftscluster auferlegen will. Zudem hatte der Senat den Hochschulen die dringend geforderte Demokratisierung trotz neuem Hochschulgesetz verweigert. Und auch die ab 2015 eingesparten BAföG-Millionen sollen zu keinem Cent an die Hochschulen gehen. „Dieser aktuellen Politik des Kürzungswahns dürfen wir uns nicht widerstandslos hingeben“ spricht Franziska Hildebrandt, AStA-Referentin der UHH durch die verstärkte Anlage des gut organisierten Demowagens. „Sie schadet unserer Bildung und der Wissenschaft und damit der Aufgabe der Hochschulen zur positiven Weiterentwicklung der Gesellschaft beizutragen“.
Denn durch den zunehmenden Privatisierungstrend erhalten immer mehr private statt öffentlicher Interessen Einzug in die Bildung. Z.B. versuchen Unternehmen immer stärker ihre eigenen Lehrmittel in die Schulen einzubringen oder werden gar direkt finanziell an den Bildungseinrichtungen tätig. Diese geraten dadurch in einen Konkurrenzkampf um finanzielle Mittel, mit denen sie versuchen, ihre Probleme wie überfüllte Hörsäle und schlechte Materialien auszugleichen und genau hier nutzen die Unternehmen die Abhängigkeit der Einrichtungen von ihnen zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen. Dort also, wo der Staat sich weigert, Geld auszugeben, überlässt er die Bildungseinrichtungen ganz offensichtlich dem freien Markt und somit den übermächtigen Konzernen und Banken. Unter dieser Entwicklung leidet auch die politische Mitbestimmung und Interessensvertretung wie z.B. des allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Sein Einflussbereich wird vom Markt weitestgehend zurückgedrängt, was nichts anderes bedeutet, als dass wichtige Entscheidungen getroffen werden ohne Stimmen aus den eigenen Reihen und vor allem ohne Rücksicht auf diese.
Doch die Studierenden wirken hoffnungsfroh. Mit den Forderungen nach Autonomie, Demokratisierung und Ausfinanzierung tanzen sie gemeinschaftlich zu berühmten Sounds von Bob Marley (Get up stand up, stand up for your right) und anderen und marschieren trotz eisiger Kälte noch bis zur Dunkelheit weiter, um ihren Widerstand Ausdruck zu verleihen.

Dilan Baran