Der letzte Flug des Falken

Memed_mein_FalkeCigdem Ronaesin

Wer über Yasar Kemal schreibt, kommt nicht drum rum, auch sein berühmtestes Buch „Memed mein Falke“ zu erwähnen. Ein Werk, das viele Generationen geprägt hat. Heute noch erzählen Großeltern, dass sie früher auf dem Dorf zu einer bestimmten Uhrzeit zusammenkamen, um Memed mein Falke als Radio-Hörspiel zu hören. Von klein bis groß konnte die Geschichte jeden begeistern.

Die Geschichte handelt von den Menschen, die am Fuß des Taurusgebirges leben und ihr Brot durch die Arbeit auf den Feldern verdienen. Abdi Aga ist neben Memed die wichtigste Figur – zumindest im ersten Buch. Denn ihm gehört das meiste des Landes und er lässt die Bauern unter den schlimmsten Bedingungen arbeiten und behandelt jeden Menschen wie sein Eigentum. Der Halbwaise Memed, der mit seiner Mutter in Armut lebt, ist der erste, der sich gegen den Großgrundbesitzer auflehnt. Der Grund ist seine Geliebte, die Abdi Aga für seinen Neffen vorgesehen hat. Memed entführt zunächst seine Geliebte und beginnt somit den Krieg gegen den mächtigsten Mann in der Gegend. Jetzt bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein Volk auf seine Seite zu kriegen. Da das Volk jedoch seit Jahrzehnten unter der Tyrannei leidet, überzeugen die Ideen Memeds die Menschen und diese helfen ihm, sich zu verstecken und es mit dem Aga aufzunehmen. Voller Wut schickt der Aga seine Männer in die Berge, wo Memed sich mit seiner Frau und seinem neugeborenen Kind versteckt. Seine Frau wird umgebracht und somit hat Memed nichts mehr zu verlieren. Am Ende des ersten Romans tötet Memed Abdi Aga und wird zum Mythos der Gegend. Doch in den nächsten Büchern stellt er fest, dass Abdi Aga nur eine kleine Puppe eines gesamten Systems war und er führt seinen Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der feudalistischen Welt nun gegen andere Agas. Die Umstände machen aus dem ängstlichen, armen Memed einen Freiheitskämpfer. Seine Geschichten und Kämpfe gehen in den Büchern „Die Disteln brennen“, „Das Reich der vierzig Augen“ und „Der letzte Flug des Falken“ weiter.

Der Roman wurde nicht nur weltweit verbreitet, sondern auch in Kaffeehäusern vorgelesen oder von wandernden Sängern nacherzählt. Denn jeder entdeckt sich in dem Buch ein Stück wieder. Man kann sich in die Geschichten sehr gut hineinversetzen, weil Yasar Kemal eine sehr einfache und schöne Sprache benutzt. Der Roman bekam mehrere Preise. Unter anderem zählt er in dem Buch 1000 Bücher vom Harenberg-Verlag zu den tausend kulturgeschichtlich bedeutsamsten Büchern der Weltliteratur. „Memed mein Falke“ ist nicht nur ein grandioses literarisches Werk, sondern hat über Generationen hinweg das politische Bewusstsein in der türkischen Gesellschaft verändert.“, so Ayhan Bakirdögen, Die literarische Welt, Berlin. In der Tat: Kemal hat mit seiner Romanreihe das politische Bewusstsein einiger Generationen verändert. Auch wenn er heute nicht mehr lebt, werden seine Bücher nicht so schnell von den Regalen der Büchereien verschwinden.