Organspende

Alev Bahadir

Die Organspende- kaum ein Thema wird in Deutschland so intensiv und mit einer gewissen Regelmäßigkeit diskutiert. Eigentlich scheint es ganz einfach zu sein. Man füllt einen Organspenderausweis aus und spendet seine Organe, nach dem Tod, an unterschiedliche Menschen, die diese Organe zum Überleben brauchen. Außerdem gibt es da noch die sogenannte „Lebendspende“. Dabei kann ein Spender, der noch am Leben ist, ein Organ, das paarweise vorhanden ist, wie die Niere, oder Teile eines Organs, das quasi wieder „nachwächst“, wie die Leber, spenden. Lebendspenden werden vor allem von Angehörigen des Empfängers getätigt. Doch so einfach ist das Thema nicht. Organspende ist vor allem mit einem verbunden- der Angst. Angst davor, was nach dem Tod mit dem Körper geschieht, Angst vor einer mangelhaften medizinischen Betreuung seitens der Ersthelfer und Ärzte, sobald diese den Spenderausweis sehen, Angst davor, dass der Hirntot, der für die Organspende zwingend ist, zu früh und zu leichtfertig erklärt wird. Die meisten dieser Ängste sind wohl auf Ammenmärchen zurückzuführen, die innerhalb der Bevölkerung erzählt werden. Dennoch ist die Angst davor, Organspender zu sein, ist immer noch groß. Laut der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantationen) warten zurzeit 11 000 Menschen in Deutschland auf ein lebensrettendes Organ. Gleichzeitig kann man aber beobachten, dass die Zahl der „post mortem Spenden“ (Spenden nach dem Tod) zurückgeht. So spendeten im Jahr 2008 noch 1198 Menschen in Deutschland, nach ihrem Tod ihre Organe. Im Jahr 2014 lag diese Zahl dann nur noch bei 864 Organspendern. Das liegt u.a. auch daran, dass viele Menschen sich noch keine Gedanken über Organspende und ob sie überhaupt ein Spender sein möchten, gemacht haben. Bis vor einigen Jahren galt in Deutschland die Regelung, dass man, durch einen Organspenderausweis oder die klare Anweisung bei Angehörigen, der Spende zugestimmt haben musste. Daran ändert sich auch nichts. Seit 2012 sind die Krankenversicherungen jedoch verpflichtet, im Rahmen einer Reform der Organspenderegelung, die sogenannte „Entscheidungsregelung“ umzusetzen. Das bedeutet, dass die Krankenversicherungen, alle zwei Jahre, alle Versicherten ab 16 Jahren anfragen müssen, ob diese sich bereits Gedanken zur Organspende nach dem Tod gemacht haben. Damit könnte auch der Organhandel eingedämmt werden. Oft führt Verzweiflung, sowohl auf Seiten des Empfängers, als auch auf Seiten des „Spenders“ dazu. Meist sind es die Ärmsten der Armen auf Kontinenten, wie Südamerika, Afrika oder Asien, die, um ihre Familie ernähren zu können, ihre Organe an mafiöse Strukturen verkaufen. Auch schrecken Organhändler vor Entführung und Mord nicht zurück, um mit dem Leben der Menschen Geld zu machen. Vor kurzem kamen auch Berichte auf, nach denen der IS im Irak mehreren Leichen die Organe entnommen habe, um ihr Blutbad im Nahen Osten zu finanzieren. Die Organspende ist sicherlich eine sehr private Angelegenheit und niemand sollte sich dazu gezwungen werden, doch sollten wir uns vielleicht erneut ein Beispiel an Tugce Albayrak nehmen. Nachdem die 22-Jährige in einem Akt von Zivilcourage im November 2014 in Offenbach am Main getötet wurde, bewies sie auch nach ihrem Tod einmal mehr ihren Mut. Wie ihre Eltern vor einigen Tagen bekannt gaben, rettete Tugces Organspende drei Menschen das Leben. Zwei weitere Personen erhielten ihre Organe und können nun fast wieder ein normales Leben führen.