Negativtrend: Zu viele Jugendliche ohne Schulabschluss

Zilan Yavuz

Fachkräftemangel ist ein großes Thema auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Aus dem Ausland werden Fachkräfte nach Deutschland angeworben, aber im eigenen Land steigt die Anzahl der gering qualifizierten Arbeitsuchenden stetig. Hierbei werden immer wieder die Kosten gegeneinander addiert. Das mag vielleicht daran liegen, dass man so Kosten für die eigene qualifizierte Ausbildung spart, jedoch werden dadurch längerfristig mehr Kosten entstehen, weil man mehr Sozialausgaben und Transferleitungen haben wird. Somit werden und bleiben Jugendliche stets orientierungs- und perspektivlos.
Im Jahr 2025 wird es 1,3 Millionen mehr gering Qualifizierte geben, als die Wirtschaft einsetzten kann, so die Prognosen von Wirtschaftsinstituten. Die einfache Muskelarbeit, wie es sie früher einmal gab, wird immer weniger, stattdessen wird einfache Arbeit auch immer komplexer und fordert nicht nur körperliche Stärke, sondern auch andere Kompetenzen. Heutzutage ist es so, dass ca. 75% der Niedriglöhner eine berufliche oder sogar eine akademische Ausbildung haben.
Das Bildungssystem kommt der steigenden Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften nicht nach. Immer noch gibt es zu viele Schulabbrecher. Auch ist es heutzutage schwer, mit einer Berufsschulreife einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Für die meisten Ausbildungen braucht man mindestens die Mittlere Reife, wenn nicht sogar das Abitur. Da es aber an attraktiven Ausbildungsplätzen mangelt, wird somit die Chance für Nicht-Abiturienten, einen Ausbildungsplatz oder zumindest einen vernünftigen zukunftssichernden Job zu bekommen, noch schwerer. Diejenigen, die keine berufliche Qualifikation haben, erwartet ein Leben in prekären Verhältnissen.

Heute sind über eine Millionen junge Menschen zwischen 25 und 35 ohne Berufsausbildung, bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind es etwa 40%.

Auch die Politiker haben dieses Problem erkannt. Bei dem Bildungsgipfel in Dresden 2008 hatten sie sich als Ziel gesetzt, bis 2015 die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung von ca. 17% zu halbieren. 2015 sind aber noch ca. 13,8% der jungen Menschen im Alter von 20 bis 29 ohne eine Berufsausbildung.

Das Problem lässt sich aber nicht von „oben“ lösen. Solange das Schulsystem auf Selektion beruht, solange es nicht genug Ausbildungs- und Studienplätze gibt, solange Jugendliche aufgrund ihrer sozialen Schicht oder ethnischen Herkunft benachteiligt werden, wird das Problem der Jugendlichen ohne Berufsausbildung langfristig nicht gelöst werden.