„Gib Anti-Streik-Hetze keine Chance!“

Erst die Lokführer und Piloten, dann die Pflegeberufe und Lehrer jetzt die Erzieher und Briefzusteller. Eine Welle der Streiks geht um in Deutschland. Und viele plaudern nach, was Bild und Konsorten an Hirnschmalz drucken und prangern an, was verfassungsrechtlich erkämpftes Menschenrecht ist. Aber ist es den Real auch wirklich mehr geworden, was Streiks betrifft?
2010 fielen 25.000 Arbeitstage durch Streiks aus, 2014 waren es bereits 155.000, für 2015 wird mehr erwartet, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Dabei sind wir in Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin zu Streik-faul. Nach Schätzung des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes (WSI) fallen hierzulande im Schnitt rechnerisch 16 Arbeitstage je 1000 Beschäftigte im Jahr aus. In anderen Ländern sind es deutlich mehr. In Frankreich sind es 139 Tage, in Dänemark 135 und in Irland 28. Weniger gestreikt wird nur in Österreich, Polen und in der Schweiz.
Die Hochzeit der Streiks liegt aber in den 70`er bis 90`er Jahren, als Millionen Arbeitstage ausfielen. Also sehen wir: Streiks haben nicht zugenommen, ihre Schwerpunkte haben sich nur verlagert und sind spürbar geworden: Fast 90 Prozent aller Arbeitskämpfe im vergangenen Jahr sind laut WSI dem Dienstleistungssektor zuzuordnen. Während die großen Streiks vergangener Jahrzehnte oft die Metallindustrie und ihre interne Betriebsabläufe betrafen, von denen Verbraucher wenig mitbekommen, treffen jetzt schon kleine Streiks die Bevölkerung hart. Wenn ein paar hundert Lokführer ausfallen, kommen Zehntausende zu spät zur Arbeit oder Eltern müssen kreativ werden, um ihre Kinder irgendwo unterzubringen, wenn Kindergärten oder Schulen die Türen nicht öffnen.
Mögen die bürgerlichen Medien und ihre Arbeitgeberparteien Wasser predigen, den Wein behalten sie für sich. Und wenn sich organisierte Arbeiter wehren, werden sie zu Buhmännern deklariert. Während kein Geld für diejenigen da sein soll, die die ganze Arbeit erledigen und die Gesellschaft am Laufen halten, sind die Einkommen derer, die in den Vorständen, Aufsichtsräten, obersten Führungsebenen oder Parlamenten sitzen, ins Unermessliche gestiegen und dies mit nicht einmal mehr mit einem Hauch von Mühe einer ernsthaften Begründung! Die Zugeständnisse der Arbeiter und Angestellten in den letzten Jahren haben lediglich dazu geführt, dass real immer weniger Geld in den Taschen der Werktätigen ist. Es müssen immer weniger Leute mehr Aufgaben erledigen, während Unternehmensgewinne und Einkünfte aus Kapital immer steiler nach oben gehen, auch bei der Bahn, Lufthansa oder in den Bundeskassen. Finanzspekulanten verdienen Jahr und Jahr mehr, die Kluft zwischen Arm und Reich steigt ins Unermessliche und da ist Streik lediglich nur noch Notwehr. Im gleichen Boot sitzt hier die Bevölkerung: die Erzieherin, der Krankenpfleger, die Angestellte, der Lokführer und der Schlosser, aber in diesem Boot sitzen mit Sicherheit nicht ein Herr Weber oder Herr Böhle!