„Die großen – gierigen und grausamen 7“

g7

Schloß Elmau, der Gesprächsort der letzten Wochen schlechthin. Die „großen“ der Welt haben sich am 07. Juni und 08. Juni in Elmau getroffen. Hunderte Millionen Euro wurden ausgegeben, die ganze Region um Elmau wurde regelrecht zur einer undurchdringliche Festung gemacht. Doch, trotz allem haben Tausende Menschen gegen dieses Treffen demonstriert. In München wurde am 03. Juni und 04. Juni ein Gegengipfel organisiert, der kompetente und renommierte Gäste eingeladen hatte. Bei diesem Gipfel haben wir die Gelegenheit gehabt, die Meinungen von Diethard Möller und Jean Ziegler einzuholen.


 

„Die Regierung macht, was sie will“

Diethard Möller *

Deutschland spielt eine sehr bedeutende Rolle innerhalb des G7 Gipfels. Deutschland ist innerhalb der EU Führungsmacht, die stärkste imperialistische Macht und sie betreibt eine Großmachtpolitik. Allerdings haben wir beim G7-Gipfel gesehen, dass Deutschland sich innerhalb der führenden imperialistischen Mächte wiederum den USA als derzeit dem größten imperialistischen Land unterordnen muss. Trotzdem versucht Deutschland immer wieder über die EU auch eigene Politik zu betreiben, zum Beispiel gegenüber der Türkei, wo sie seit langem ein kritisch positives Verhältnis zu Erdogan hat, ihn unterstützt und immer wieder etwas kritisiert aber letztlich doch unterstützt und versucht, ihn aufzubauen, damit er die Türkei stärker an Europa heranführt.

Die Widersprüche und Machtverhältnisse zwischen den großen imperialistischen Ländern haben sich seit dem Umbruch in den osteuropäischen Staaten Stück für Stück verschärft. Russland war zunächst in der Defensive, weil sich das ganze Lager aufgelöst hat. Inzwischen hat Putin Russland wieder als kapitalistisches Land gestärkt, hat wieder eine starke Armee aufgebaut. Zugleich ist aber die EU und die NATO immer weiter nach Osten vorgerückt, obwohl bei der Wiedervereinigung der deutsche Außenminister Genscher versprochen hatte, dass sich die EU und die Nato nicht nach Osten ausdehnen werden. Das heißt, man hat dort bewusst einen Prozess angestoßen, den eigenen Machtbereich zu vergrößern, Russland immer mehr in die Enge zu drängen und so ist dieser Konflikt immer heißer geworden und birgt natürlich auch die Gefahr eines Krieges in sich. Die deutsche Regierung trägt dabei große Verantwortung, weil sie all ihre Versprechungen gebrochen hat.

Die Bürger in Deutschland werden gar nicht gefragt, aber die Stimmung in der Bevölkerung ist sicherlich nicht für diese Großmachtpolitik. Man kann das ja auch an vielen anderen Stellen sehen, zum Beispiel sind kontinuierlich seit vielen Jahrzehnten immer 70% der Deutschen bei Umfragen gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr, die Regierung macht es trotzdem. 70% waren gegen die Ukrainepolitik der Bundesregierung, die Regierung machte es trotzdem. Man sieht ja auch, welchen Aufwand die Regierung treibt: 360 Millionen Euro werden für diesen Gipfel ausgegeben und zum angeblichen Schutz des Gipfels massenweise Polizei herangezogen, Autobahnen wurden gesperrt und ganze Regionen zum Sperrgebiet erklärt. Das zeigt, wie viel Angst die Regierung hat, wenn sie solche Leute hier zusammenholt.

In den letzten Jahren haben die Proteste massiv zugenommen. In Deutschland noch nicht so stark aber in anderen Ländern Spanien, Italien, Griechenland und von dort aus kommen ja auch Menschen hierher, wie zum Beispiel auch vor ein paar Wochen bei der Eröffnung der europäischen Zentralbank in Frankfurt. Und diese Menschen bringen viel Wut und Verzweiflung und Hass auf dieses System mit, weil heutzutage mit Sicherheit niemand ein Jugendlicher in Spanien oder Griechenland sein möchte, weil man dort keine Perspektive bekommt. Die Jugendlichen dort denken: „Ich werde ein Leben als Arbeitsloser führen müssen, ohne jemals eine Chance haben normal leben zu können, eine Familie zu gründen und so weiter“.

Faktisch ist die Demokratie auf dem Papier, in manchen Staaten wie Griechenland wurden Regierungen eingesetzt, die jetzige gewählte Regierung wird erpresst und gedrückt, und das ist auf der ganzen Welt so, dass die großen kapitalistischen Staaten versuchen ,die ganze Entwicklung unter ihrer Kontrolle zu halten. Dem muss man Einhalt gebieten.

*Arbeit und Zukunft

 

Hunger ist Mord!“

jean_ziegler

Jean Ziegler *

Die Welt wie sie heute ist, wird beherrscht von 500 Konzernen, von den größten Konzernen. Die 500 Größten haben letztes Jahr mehr als die Hälfte des Weltbruttosozialproduktes kontrolliert. Eine unglaubliche Ballung von finanzieller Macht, von ökonomischer, politischer, militärischer und ideologischer Macht. Die Konzerne üben eine Weltdiktatur aus, jenseits der Staaten und über den Staaten. Die G7 Staaten sind nur Erfüllungsgehilfen dieser Weltdiktatur des Finanzkapitals und auf der anderen Seite steigen die Leichenberge in der dritten Welt. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. Und der selbe World Food Import, der solche Zahlen gibt , sagt, dass die Weltlandwirtschaft problemlos, normal 12 Milliarden Menschen, also fast das doppelte der jetzigen Weltbevölkerung, ernähren könnte. Wie man sieht, gibt es heute keinen objektiven Mangel mehr. Ein Kind, dass an Hunger stirbt, wird ermordet! Das Massaker des Hungers ist der große Skandal unserer Zeit. Das betrifft fast eine Milliarde Menschen von den 7,3 Milliarden, die wir sind. Die großen Industrieländer könnten ohne Probleme, demokratisch und gesetzlich, ohne jegliche großen Konflikte diese mörderischen Mechanismen, die jeden Tag dieses Massaker verursachen, brechen. Z.B. durch das Verbot der Börsenspekulation auf Grundnahrungsmittel wie Mais, Getreide, Reis, Gesetzesrevisionen, die Totalentschuldung der ärmsten Länder, damit diese Länder endlich ein wenig Kapital hätten zum investieren in ihre Landwirtschaft, in Schulen, in Spitäler usw.

*Jean Ziegler ist ein schweizer Soziologe und Autor. Er gilt als einer der bekanntesten Globalisierungskritiker. Von 2000 bis 2008 war er UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Er hat zahlreiche Sachbücher geschrieben, die sich mit dem Thema Hunger und Reichtumsverteilung beschäftigen.