„Hübsche Männer sollen lieber sterben“

Pinar Aki

Bitte keine jungen, kräftigen, muslimischen, geflüchteten Männer nach Deutschland

  • „Eine Immigranteninvasion schwappt über Deutschland“
  • „es ist ungemein schwer, diese von den Leuten zu unterscheiden, die […] kriminellen Motiven in unser Land kommen“
  • „Es ist nur ganz natürlich, dass diese jungen, oft auch ungebildeten Männer ein Bedürfnis nach Sexualität haben“
  • „es gibt viele Mütter heranwachsender Töchter, die nahezu ungehemmten Einwanderungsströme mit sehr vielen Sorgen betrachten“
  • „Schon jetzt hört man aus vielen Orten in Gesprächen mit Bekannten, das es zu sexuellen Belästigungen im täglichen Leben, v.a. in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten, kommt“
  • „Wie können wir unsere jungen Mädchen im Alter ab 12 Jahren so aufklären, dass sie sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen?“
  • „Ja, wir brauchen Einwanderung, aber die richtige und gezielte Einwanderung“
  • „Es kann nicht sein, dass muslimische Familien verlangen, dass in deutschen Schulen ihre Wertevorstellungen ausgelebt werden können“
  • „Hinzu kommt noch, dass in sozialen Brennpunktschulen mit extrem hohen nichtdeutschen Schüleranteil Lehrer beschimpft und sogar gedemütigt werden“
  • „Wir müssen unmissverständlich klarmachen, dass diejenigen, die zu uns kommen, sich unseren Grundwerten anzupassen haben und nicht umgekehrt“
  • „`Ausländerviertel` mit oft ungebildeter Arbeitnehmerschaft, deren Bewohner keine oder kaum Bereitschaft zeigt, sich wirklich ernsthaft integrieren zu wollen“

Nein diese rassistische Hetze stammt wirklich nicht von Lutz Bachmann, Melanie Dittmer oder einer NPD-Broschüre. Diese erschreckenden und haarsträubenden Zitate sind die eines Direktors eines traditionsreichen Gymnasiums in Sachsen-Anhalt. Dr. Jürgen Mannke ist nicht nur Schulleiter und Deutschlehrer am Goethegymnasium Weißenfels, er ist zugleich Vorsitzender des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Co-Autorin und seiner Stellvertreterin Iris Seltmann-Kuke schrieb er den Leitartikel zur Flüchtlingsdebatte für die Mitgliederzeitschrift des Verbandes. Was Mannke vermutlich nicht erwartet hat, ist die heftige Kritik und die öffentliche Debatte als Reaktion auf seinen Artikel. So wies er gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung die Kritik zurück: „Ich bediene keine rassistischen Ressentiments“. Er betonte lediglich: „Wir machen uns Sorgen.“ Was in dem Artikel stehe, sei die Wahrheit. „Ich habe mir vor 1989 nicht den Mund verbieten lassen und tue das jetzt auch nicht“, sagte Mannke. Seine Rechtfertigung klingt doch nun wirklich nicht wie eine Entschuldigung oder eine Verbesserung der „falsch gewählten“ Worte. Ganz im Gegenteil legitimiert er diese noch obendrein. Es ist ganz offensichtlich und vor allem bewusst eine rassistische Hetze. Man kann sich fragen, ob Mannke und Seltmann-Kuke oberflächliche sexuelle Abenteuer 12-jähriger Mädchen mit attraktiven christlichen Jungen bislang gut fanden oder auch in Zukunft gutheißen werden? Ob Sexualaufklärung nicht schon immer Aufgabe der Schule war? Oder ob die obersten Lehrerfunktionäre eines Bundeslandes, in dem Flüchtlinge auf der Straße mit Baseballschlägern verprügelt werden, mit völlig unbelegten, verallgemeinerten Vorwürfen Stimmung gegen Flüchtlinge machen dürfen?

Mütter heranwachsender Mädchen haben eher den Anlass, sich vor solchen Lehrkräften, die sich sexuelle Kontakte ihrer Schülerinnen ausmalen, zu fürchten und sich um ihre Töchter zu sorgen. Genau so sollte sich die Gesellschaft nicht um attraktive Asylbewerber, die ja sicherlich auch keine anderen Sorgen haben, als sich an „unseren“ Mädchen zu vergreifen, bangen sondern eher um Lehrer, die ihre Kinder täglich mit solchem rassistischen Gedankengut unterrichten und somit eben potentielle Neonazis züchten.