Friede, Freude, Eierkuchen bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat seit dem 2. November eine neue Werbekampagne gestartet. Hurra! Mit Alpenpanorama, blauem Himmel und grünen Wäldern. Und jeder Menge Frauen. Da hat eine Kreativ-Agentur mal wieder richtig schön in den rosaroten Farbtopf gegriffen. Die graue Realität bleibt bei „Mach, was wirklich zählt“ aber leider außen vor. Denn Waffen gibt es in der neuen Kampagne kaum zu sehen. Auch fällt kein einziger Schuss. Der Soldatenberuf soll attraktiver werden, damit die Truppe bei der Anwerbung von Fachkräften im Wettbewerb mit Wirtschaftsunternehmen besser bestehen kann. Da haben der Einsatz von Waffen, Auslandseinsätze, bei dem auch durchaus mal das ein oder andere Menschenleben auf der Strecke bleibt, einfach keinen Platz in dieser auf Harmonie bedachten Kampagne. Kein Wunder, denn jeder vierte Freiwillige bricht seinen Wehrdienst vorzeitig ab. Der raue Ton auf dem Kasernenhof und der Drill machen es vielen schwer, ihre Grundausbildung zu Ende zu bringen. Vom geforderten Gehorsam, den manche als Schikane erleben und den strengen Hierarchien, die immer wieder auch als Machtmissbrauch erlebt werden, ganz zu schweigen.

In den Videos ist zwar mal die Rede von „Munition“, dies aber in Form von „Altlasten“ aus vergangenen Weltkriegen, die geborgen werden. Oder von „Luftkampf“ und „Auslandseinsatz“. Wie dieser aussehen könnte, bleibt außen vor. Dafür hat man aber im Job „definitiv viel Spaß“. Und freut sich daran, dass man „fast jeden Tag die Sonne sieht“. Schöne heile Welt der Bundeswehr. Und damit das Diktat unseres Verteidigungsministers auch umgesetzt wird (zeigen, dass die Bundeswehr ein attraktiver Arbeitgeber ist und man dort Kind und Waffe, äh Karriere, miteinander vereinbaren kann), kommen auch ganz viele Soldatinnen zu Wort. Nur mal so am Rande: 55% der Frauen bei der Bundeswehr berichten von sexueller Belästigung.

Vermutlich wissen die meisten Bewerber, dass es bei der Bundeswehr hart zur Sache geht. Fraglich ist aber, ob sie die Schönfärberei einer manipulierten Arbeitgebermarkenkreation hinterfragen. Vermutlich nicht. Sie glauben, was sie in der Werbung sehen und wundern sich dann am Schluss, dass die Berge gar nicht so hoch, der Himmel nicht so blau, die Wälder so grün sind, wenn sich über all das der blutige Schleier des Krieges legt.

Mit verschiedenen mehr oder weniger provokanten Sprüchen, wie „Wahre Stärke findest du nicht zwischen zwei Hanteln“, „Grünzeug ist auch gesund für deine Karriere“, „Bei uns geht es ums Weiterkommen. Nicht nur ums stillstehen.“ und „Krisenherde löst du nicht durch Abwarten und Teetrinken“ wirbt die Bundeswehr mit 30.000 Plakatwänden, 5 Millionen Postkarten und elf Riesen-Postern in elf deutschen Städten. Man ist so überzeugt von dieser Kampagne, dass es sogar kostenlose T-Shirts gab. In einer Auflage von 10.000 Stück wurden diese an den Mann bzw. die Frau gebracht. Alles auf Kosten des Steuerzahlers wohlgemerkt. Seit Mitte November werden wir zusätzlich mit Videos und Plakaten beglückt, die uns über die Berufsbilder „und die vielfältige Welt der Truppe“ informieren. Für diese Werbemaßnahmen greift die Bundesregierung tief in den Geldbeutel: Das Werbe-Etat für diese neue Image-Kampagne beträgt stolze 11 Millionen Euro (zum Vergleich: 2008 waren das noch 3,78 Millionen Euro). Auf wessen Schultern werden diese Kosten getragen: natürlich auf unseren. Und wenn es um Kürzungen und Streichungen in den sozialen Bereichen geht und die Kitas beispielsweise tagelang geschlossen bleiben müssen, weil die Erzieherinnen wegen Unterbezahlung streiken, ist dann wieder von Sparmaßnahmen die Rede, weil ja der Bund kein Geld dafür aufbringen kann.