Türkei: Ihr habt verloren

Das reaktionäre und faschistische Lager schreit im Chor: „Ihr werdet in den Straßengräben begraben.“ Staatsvertreter auf höchster Ebene zeigen das Ziel: „Wenn es sein muss, werden wir Haus für Haus säubern!“ Die Opposition bietet Unterstützung an: „Wir stützen den Kampf des Staates gegen den Terror.“ Die Medien der Kapitalgruppen erscheinen mit derselben Deadline: „Große Säuberung – die PKK wird weggefegt.“ Die Menschen, die vor Repression, Staatsterror und Massakern fliehen, werden in ihren Sendungen zu „Opfern, die vor der PKK fliehen“.

Welchen Grund hat all das und gegen wen ist es gerichtet? Der Grund ist offensichtlich: Die Kurden wollen nicht so wie bisher leben. Wenn die Bevölkerung einer Region eine Partei als ihre Vertreterin mit 60-80% Stimmenanteil ins Parlament entsenden, wenn an den Trauerfeiern der getöteten Jugendlichen Hunderttausende teilnehmen, ist das ein starker Beleg dafür, dass sie nicht mehr so weiterleben wollen, wie bisher. Und die Razzien, Operationen und Angriffe sind gegen dieses Volk gerichtet.

Und hat diese reaktionäre, faschistische Politik Aussicht auf Erfolg? Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, muss man sich die jüngere Geschichte vor Augen führen. Die Guerillakämpfer waren früher in den Bergen. Siedlungen und Dörfer wurden mit der Begründung entvölkert und niedergebrannt, sie würden die Terrororganisation unterstützen. Tausende kurdische Patrioten wurden Opfer so genannter „extralegaler Hinrichtungen“. Heute werden ganze Städte belagert und entvölkert. Die Befürworter dieser politischen Linie sehen sich mit den schweren Lasten ihrer Niederlage konfrontiert. Jedes Haus, das sie säubern wollten, ist inzwischen zu einem Zentrum des Widerstands geworden.

Werden sie denn mit dem Niederbomben der Häuser, mit dem Zuschütten der Straßengräben tatsächlich einen Sieg erlangen? Werden sie damit das Recht der Kurden auf Muttersprache, der Wunsch nach Selbstverwaltung als Ausdruck ihres Selbstbestimmungsrechts auslöschen können? Nein, das zu glauben, wäre illusorisch. Diese Politik der Unterdrückung, der Leugnung und des Terrors wird scheitern. Wer darauf beharrt, wird in naher Zukunft einem breiteren Widerstand begegnen. Hunderttausende und Millionen von Kurden werden die Stadtzentren füllen.

Das ist unausweichlich. Denn wir haben es hier nicht mit einem „Terrorproblem“ zu tun. Hier geht es um den Freiheitskampf einer unterdrückten Nation. Ihr wird das Recht auf Bildung in ihrer Muttersprache verwehrt. Die Kurden widersetzen sich den Herrschenden, die auf Repression, Leugnung und Gewalt setzen. Ein Volk, das erwacht und sich in den Kampf begibt, widersetzt sich dieser Politik der Vernichtung.

Wir sehen, wie diese Politik der Unterdrückung bereits jetzt scheitert. Die Kurden werden sich der bisherigen Unterdrückungspolitik und dem ihnen aufgezwungenen Leben fügen. Sie kämpfen weiter. Sie fordern die Menschen im Westen des Landes auf, sie bei ihrem Kampf zu unterstützen. Wenn man sich zukünftig ein Zusammenleben wünscht, das auf der Grundlage einer freiwilligen Einheit beruht, so muss man sich dem türkischen Nationalismus und dem Staatsterror widersetzen. Anderenfalls ist das Gerede von „Brüderlichkeit und Zusammenleben“ nichts anderes als leere Phrasen.

Ahmet YAŞAROĞLU