„Mein Kampf“ – eine Hetzschrift wieder im Regal

Sinan Cokdegerli
Adolf Hitler, Faschist, Diktator und Vorbild von so manchem modernen Diktator, ist bereits seit 70 Jahren tot. Seine krankhafte Naziideologie, die Menschenfeindlichkeit und der Hass, die diese mit sich bringt sind jedoch nicht mit ihm gestorben. Jetzt wird nun in Deutschland nach 70 Jahren wieder legal Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“, als kommentierte Ausgabe, vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ) herausgegeben.

„Mein Kampf“ – Autobiografie eines Diktators und Programm des Rassismus
Die erste Auflage der zweiteiligen Hetzschrift, welche Hitler bereits in seiner Haftzeit anfing zu schreiben, erschien bereits in den 20er Jahren. Die Schrift selbst ist vom Antikommunismus und vom Rassismus beherrscht, wobei der zweite Teil sich eher mit den Fragen der programmatischen Ausrichtung der NSDAP beschäftigt.
Zu Beginn war das Buch noch bis in die 30er Jahre in zwei Teile gegliedert, deren Ausgaben insgesamt um die 280.000 mal verkauft wurden. Daraufhin wurden die Bänder zusammengelegt und als sog. „Volksausgabe“ in Massenauflagen verkauft. Mit einer Auflage von etwa 10 Millionen Exemplaren zählt es immer noch zu einem der meist verkauften deutschen Bücher.
Vor allem im zweiten Teil werden jedoch die Forderungen des späteren Diktators deutlich. Vom offenen Antibolschewismus der Schrift bis hin zu einer ausgeprägten Erläuterung der antisemitischen Ansichten Hitlers, seinen Wahnvorstellungen von einem Deutschland, das unter dem Angriff einer jüdischen Weltverschwörung stehe, hin zu Plänen wie das Vereinte Deutsch – Österreichische Reich seine Macht auszubauen hat.

Nach der Niederlage des Hitler-Faschismus 1945
In vielen Ländern wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Buch weiterhin vertrieben und gelesen. Allein in der Türkei wurden hunderttausende Exemplare verkauft, wo es sich viele Jahre in den Liste der meistverkauften Bücher vieler Verlage wiederfand.
Nach Ende des Krieges beschlagnahmte die damalige US – Militärregierung in Bayern seinen Besitz, worunter auch die Urheberrechte auf sein Werk zählen. Die Urheberrechte an der deutschen Ausgabe wurden daraufhin der neuen Regierung des Freistaats Bayern übergeben und das Finanzministerium regelte bis Anfang diesen Jahres Anklagen wegen Urheberrechtsverletzungen, wobei zum Beispiel die englische Ausgabe, dessen Urheberrechte noch in den 30ern verkauft wurden, in England und den USA noch weiter vertrieben werden.
Praktisch hatte sich jedoch nach der Herrschaft des Faschismus in Deutschland wenig geändert. Die sogenannte Entnazifizierung wurde von Seiten der westlichen Alliierten nur sporadisch durchgeführt, ehemalige Nazifunktionäre verblieben in ihren Ämtern oder bekamen neue Positionen in der SPD, wie Karl Schiller, politischer Leiter der NSDAP Ortsgruppe Kiel und späterer Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzminister oder in der CDU, wie Kurt Georg Kiesinger, Mitglied der NSDAP seit 1933, stellvertretender Leiter der Rundfunkabteilung des Auswärtigen Amtes ab 1940 und späterer dritter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Entsprechend der versagten Entnazifizierung waren nach dem Ende des Krieges noch genug Exemplare in Umlauf und wurden vergraben und versteckt. Auch in vielen anderen Ländern war das Buch noch auf Umwegen oder sogar direkt zu kaufen. Seit Beginn der fortschreitenden digitalen Zeit wurden auch viele Ausgaben im Internet legal über eBay oder illegal in digitaler Form unkommentiert vertrieben und verbreitet.

Kommentiert gleich außer Kraft gesetzt?
Seit nun vielen Jahren bemühte sich das Institut für Zeitgeschichte darum, eine Genehmigung zu bekommen mit der sie „Mein Kampf“ kommentiert herausgeben dürfen. Eine Genehmigung gab es seitens der Bayerischen Staatsregierung zwar nicht aber 2012 fing sie an ein Projekt mit 500.000€ zu fördern bei dem das Institut dabei unterstützt werden sollte, eine kommentierte Ausgabe zu erstellen. Das Projekt wurde zwar später eingestellt, das hinderte das IfZ jedoch nicht daran, weiterhin an einer kommentierten Ausgabe zu arbeiten.
Das Vorhaben der IfZ, durch eine kommentierte Neuausgabe das Buch zu entkräften und dadurch seiner Anziehungskraft zu berauben, wurde von vielen unterstützt, darunter auch Historiker, der Hitler – Biograph I. Kershaw oder Stephan Kramer, ehemaliger Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland und dem neuen Präsidenten des Amtes für Verfassungsschutz in Thüringen. Der Deutsche Lehrerverband und unter anderem die SPD sprachen sich im Dezember für eine Einbeziehung der kommentierten Ausgabe im Schulunterricht aus.
Ob die kommentierte Ausgabe Programmpunkte von Hitler dementieren wird oder ob das Buch mystifiziert oder entmystifiziert wird, scheint nun Mittelpunkt der Debatte zu sein. Fakt ist, dass die Schwachsinnigkeit der Naziideologie einer arischen Herrenrasse, die angeblich dazu bestimmt sei, die Menschheit zu führen und über sie zu herrschen, bereits 100 – und 1000 – fach bewiesen wurde.
Trotz des eindeutigen Fehlens einer Logik in allem, was nun auch von neuen Vertretern dieser Ideologie verteidigt wird, scheint sie sich dennoch zu halten. Wie jeder Nationalismus und Rassismus beruht sie schließlich auch auf einer einfachen Formel, bestehend aus Hass auf alles, was anders ist, Gewalt und einem Weltherrschaftswahn. So auch zu sehen bei Rassisten unserer Zeit wie dem sogenannten Islamischen Staat und beispielsweise türkischen Nationalisten egal welchen Lagers.
Betrachtet man auch die rassistischen Bewegungen in nahe zu jedem Land, sowie die Wahlergebnisse in Ländern wie Polen, Frankreich, Österreich und vielen weiteren Ländern, stoßen Argumente, so fundiert sie auch sein mögen, auf Wände im Denken der Menschen, bestehend aus Verschwörungstheorien oder blanker Ignoranz.

Wie man stattdessen mit der Naziideologie umgehen kann
Viele Organisationen in Deutschland und anderen Teilen der Welt fordern ein Verbot von faschistischen und rassistischen Organisationen und Parteien, statt diesen Ideologien neue Plattformen zu bieten. Rassistische Propaganda darf kein Recht, sondern muss ein Verbrechen darstellen.
Eine Aufklärung über Rassismus, Faschismus und Hetze muss bereits in der Schule geschehen und die Vergangenheit Deutschlands im Geschichtsunterricht aufgearbeitet werden. Genauso müsste der fehlende Bezug von den westlichen Mächten und führenden Konzernen zu Hitlers Machtergreifung, dessen Unterstützung sowie die gescheiterte Entnazifizierung stärker aufgearbeitet werden und ein Teil des Unterrichts sein.
Jedoch werden diese Maßnahmen kaum zur Aufhebung rassistischer Ideologien dienen, solange nicht auch die Lebensbedingungen, welche ein Nährboden für diese sind von der Welt geschafft sind. Solange noch Ausbeutung und Armut ein Bestandteil unserer Gesellschaft sind und die Spaltung der Menschen in Rassen, Nationen, Geschlechter und Religionen dazu genutzt wird, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht zu erhalten oder aufrecht zu halten.