Akademiker für Frieden!

In der Türkei haben als Erstunterzeichner 1128 Akademiker eine Unterschriftenkampagne unter dem Titel „Wir werden nicht Teil dieses Verbrechens sein!” gestartet. In den kommenden Tagen stieg die Zahl auf 2000. In Anlehnung an diese Aktion haben auch Journalisten, Schriftsteller und Dichter eine Unterschriftenkampagne “gegen den Krieg” begonnen. Unterdessen werden die, die sich an der Kampagne beteiligten, nach mittelalterlicher „Hexenjagd“-Methode gejagt, angegriffen und ausgegrenzt. Vielen Dozenten soll jetzt ein Prozess wegen „Unterstützung des Terrors“ gemacht werden. Auch ihre Lehrstühle sollen sie verlieren. Aus diesem Grund veröffentlichen wir die Kampagne in unserer Zeitung und rufen alle auf, diese Solidarität und Menschlichkeit seitens der Akademiker, Journalisten und Schriftsteller zu unterstützen und den Anhängern des Mittelalters zu zeigen, dass diejenigen, die für Menschlichkeit eintreten, nicht alleine sind. Ebenfalls unterstützen. Als zweite Erklärung veröffentlichen wir eine Solidaritätserklärung von deutschen Wissenschaftlern, die von Prof. Dr. Christine Huth-Hildebrandt und Prof. Dr. Gazi Çağlar initiiert wurde und bereits uber 1100 Unterstützer zählt.

https://www.change.org/p/hochschulangeh%C3%B6rige-an-deutschen-hochschulen-keine-repression-f%C3%BCr-die-akademiker-des-friedensaufrufes-in-der-t%C3%BCrkei?recruiter=32641539&utm_source=share_petition&utm_medium=twitter&utm_campaign=share_twitter_responsive


Wir, die Akademiker/innen und Wissenschaftler/innen dieses Landes werden nicht Teil dieses Verbrechens sein!

Der Türkische Staat verurteilt seine Bürger/innen in Sur, Silvan, Nusaybin, Cizre und in vielen weiteren Orten mit wochenlangen Ausgangssperren zum Verhungern und Verdursten. Unter kriegsartigen Zuständen werden ganze Viertel und Stadtteile mit schweren Waffen angegriffen. Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, auf Freiheit und Sicherheit vor Übergriffen, insbesondere das Verbot von Folter und Misshandlung, praktisch alle Freiheitsrechte, die durch die Verfassung und durch die Türkei unterzeichnete internationale Abkommen unter Schutz stehen, werden verletzt und außer Kraft gesetzt.

Diese gezielt und systematisch umgesetzte gewaltsame Vorgehensweise entbehrt jeglicher rechtlicher Grundlage. Sie ist nicht nur ein schwerwiegender Eingriff in die Rechtsordnung, sondern verletzt internationale Rechtsnormen wie das Völkerrecht, an die die Türkei gebunden ist.

Wir fordern den Staat auf, diese Vernichtungs- und Vertreibungspolitik gegenüber der gesamten Bevölkerung der Region, die jedoch hauptsächlich gegen die kurdische Bevölkerung gerichtet ist, sofort einzustellen. Alle Ausgangssperren müssen sofort aufgehoben werden. Die Täter und die Verantwortlichen der Menschenrechtsverletzungen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die materiellen und immateriellen Schäden, die von der Bevölkerung zu beklagen sind, müssen dokumentiert und wiedergutgemacht werden. Zu diesem Zweck verlangen wir, dass nationale und internationale unabhängige Beobachter freien Zugang zu den zerstörten Gebieten erhalten, um die Situation vor Ort einzuschätzen und zu dokumentieren.

Wir fordern die Regierung auf, die Bedingungen für eine friedliche Beilegung des Konflikts zu schaffen. Hierfür soll die Regierung eine Roadmap vorlegen, die Verhandlungen ermöglicht und die Forderungen der politischen Vertretung der kurdischen Bewegung berücksichtigt. Um die breite Öffentlichkeit in diesen Prozess einzubinden, müssen unabhängige Beobachter aus der Bevölkerung zu den Verhandlungen zugelassen werden. Wir bekunden hiermit unsere Bereitschaft, freiwillig an dem Friedensprozess teilzunehmen. Wir stellen uns gegen alle repressiven Maßnahmen, die auf die Unterdrückung der gesellschaftlichen Opposition gerichtet sind.

Wir fordern die sofortige Einstellung der staatlichen Repressionen gegen die Bürger/innen. Als Akademiker/innen und Wissenschaftler/innen dieses Landes bekunden wir hiermit, dass wir nicht Teil dieser Verbrechen sein werden und in den politischen Parteien, im Parlament und in der internationalen Öffentlichkeit, Initiative ergreifen werden, bis unser Anliegen Gehör findet.

Für internationale Unterstützung, senden Sie bitte ihre Unterschrift mit relevanter Information an die E-Mail Adresse: info@barisicinakademisyenler.net


Keine Repression für die Akademiker des Friedensaufrufes in der Türkei

Für eine friedliche Lösung des kurdischen Konflikts – keine Repression für die Akademikerinnen und Akademiker des Friedensaufrufs in der Türkei

Wir, Akademikerinnen und Akademiker an deutschen Universitäten und Hochschulen, sind erschrocken über die Entwicklungen in der Türkei, die bereits zahlreichen Zivilisten das Leben gekostet hat und kurdische Städte ähnlich wie in Syrien verwüstet.

Wir unterstützen den Aufruf „Akademiker für den Frieden“ unserer Kolleginnen und Kollegen, in dem diese die türkische Regierung auffordern, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren und eine friedliche Lösung des Konflikts anzustreben.

Gleichzeitig erklären wir uns solidarisch mit den 1.128 Unterzeichnern von „Akademiker für den Frieden“, dem sich bereits weltbekannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Judith Butler und Noam Chomsky angeschlossen haben. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in der Türkei wurden von Präsident Erdoğan zu „Vaterlandsverrätern“ erklärt und vom dortigen Hochschulrat (YÖK) zum Rücktritt aufgefordert. Die Justizbehörden haben bereits strafrechtliche Verfolgung aufgenommen, und die ersten Kolleginnen und Kollegen wurden entlassen.

Auch Sedat Peker – der über ein breites nationalistisches und kriminelles Netzwerk verfügt und wegen unterschiedlicher Delikte und der Bildung einer kriminellen Vereinigung bereits vor Jahren in der Türkei verurteilt wurde – ist heute wieder hoffähig. Er kann unbeschadet und folgenlos in der Öffentlichkeit drohen, dass er „ihr Blut literweise fliessen“ lassen werde, um „darin zu baden“. Dass die türkischen Behörden gegen solche Einschüchterungen und Drohungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht vorgehen, ist unfassbar.

Es ist die Aufgabe von Wissenschaft, sich für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen und Friedenslösungen aufzuzeigen. Wissenschaft dient auch zur Völkerverständigung. Solange der Krieg gegen das kurdische Volk anhält, die Opposition dagegen mundtot gemacht wird, die Medien eingeschüchtert und die Repressionen gegenüber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhalten, wird uns – die wir auf die Freiheit von Forschung und Lehre verpflichtet sind – eine Zusammenarbeit mit den Universitäten in der Türkei unmöglich gemacht.

Wir fordern insbesondere auch die Vertreter der Bundesregierung und der Europäischen Union auf, sich bei jeder Gelegenheit für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts einzusetzen, sich gegen Repressionen klar zu positionieren und für die Freiheit des wissenschaftlichen Denkens und der politischen Opposition einzusetzen, wenn sie sich auch weiterhin der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der Europäischen Menschenrechtskonvention verpflichtet sehen.

Unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen in der Türkei! Helfen Sie durch Ihre Unterschrift, den Aufruf mit zu verbreiten!