„Nach oben kuschen – nach unten treten“

Die AfD-Vorsitzende, Frauke Petry und kurz darauf ihre Stellvertreterin Beatrix von Storch provozierten, zur Aufgabe eines Grenzpolizisten gehöre es, den illegalen Grenzübertritt zu verhindern, notfalls auch -gegen Kinder- von der Schusswaffe Gebrauch machen. So stehe es im Gesetz.

Die Grenze wollen sie mit Zäunen und Stacheldraht schützen. Das sind die Wunschträume der AfD. Petry und Storch enthüllen damit wiederholt die menschenfeindliche Gesinnung ihrer Partei: Zaun, Stacheldraht und Schießbefehl. Kritik hagelte dagegen von allen Seiten: Von DDR-Manier oder Verfassungsbruch sprechen Medien und Parteien. Manch einer schreit nach dem Verfassungsschutz.

Jedoch: Wo bleiben die „Wir müssen die Sorgen der >Bürger< ernst nehmen“ oder „Das darf man doch sagen dürfen!“ Rhetoriker der letzten Jahre? Schließlich wurde bewusst genau diese Stimmung von allen gemeinsam erschaffen, diese Angst vor den Asylsuchenden geschürt. Diverse Forderungen von Rechtspopulisten, Rassisten und Faschisten wurden weit und breit diskutiert und als gesellschaftsfähig befunden. Manche Forderungen fanden sogar den Weg in Gesetze, beschlossen genau von denen, die jetzt auf einmal an der Verfassungskonformität der AfD zweifeln! Ähnliche Verfassungsbrüche begingen sie, als sie z.B. den Familiennachzug für zwei Jahre verboten oder internationale Abkommen außer Kraft setzten. Mal abgesehen davon, dass die etablierten Parteien alle d`accord sind mit der Forderung „Wir müssen Europas grenzen schützen“, was nichts anderes bedeutet, als „Sollen die Türken/Spanier/Griechen das Erschießen oder Ertränken übernehmen“! Ein „Schießbefehl“, um die Rechte der deutschen „Leistungsträger“ gegen die fremden „Nutznießer“ zu verteidigen, ist lediglich die logische Konsequenz der Stimmung, die nicht zuletzt seit der Silvesternacht in Köln kippte und von Medien und Politik getragen wurde.

In diesem Trubel ging die essentielle Aussage der letzten Tage leider ganz unter: Die reichsten 62 Personen der Welt besitzen mehr als 3,5 Milliarden Menschen. In US-Dollar entspricht das 1,76 Billionen. Die Frage, die sich stellt, ist wie viel ein Mensch angeblich „leisten“ muss, um diese Ungerechtigkeit zu rechtfertigen? Das wiederum wirft die Legende der „Leistungsträger“ gänzlich über Bord, denn der Reichtum, der durch die Ausbeutung der Arbeitskraft von über 7 Mrd. Menschen (99% der Weltbevölkerung) in die Taschen einiger Weniger gestopft wird, zeigt, dass diese nicht die „Leistungsträger“ sondern die wahren „Nutznießer“ dieser Welt sind.

In einer aggressiven kapitalistischen Klassengesellschaft, in der wir leben, arbeiten alle Räder für diese Minderheit und weder Politik noch Gesellschaft sind gewillt, diese Verhältnisse zu ändern. Man müsste die Rechnung aufstellen, was 1,76 Billionen US-Doller in der gesamten Welt ausrichten könnten! Gebe es noch Hunger oder Durst auf der Welt? Wie wäre es mit der Klimakatastrophe? Kriege? Flüchtlingswellen? Sämtliche Probleme der modernen Menschheit wären über Nacht weg. Ungleichheiten, die auf Grund von Herkunft, Ethnie, Religion oder Geschlecht resultieren, würden minimiert, gar aus der Welt geschaffen werden. Und genau das wollen Hetzer und Spalter verhindern. Dem darf man nicht auf den Leim gehen!