Tausende ertrinken und die Welt schaut zu

Aylin Melis Ayyildiz

In den Nachrichten wird nahezu täglich davon berichtet: „Mehr als 30 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken“, „Etwa 40 Flüchtlinge in der Ägäis ertrunken“. Eine tragische Meldung jagt die nächste, während sich immer noch tausende Menschen in überfüllten Booten in die gefährlichen Gewässer wagen, in der Hoffnung, dem Krieg in ihrem Heimatsland zu entkommen und Zuflucht in Europa zu finden.

Ein trauriges Symbol für die Gefahren der Flucht ist letzten September ein dreijähriger Junge aus Syrien geworden, als man seinen leblosen Körper am Strand von Bodrum fand. Aylan Kurdi0’s Foto ging durch die ganze Welt. Nicht nur der dreijährige Aylan, sondern auch sein fünf Jahre alter Bruder Galip und seine Mutter Rehan kamen in den Fluten ums Leben. Allein der Vater Abdullah Kurdi überlebte aus der Familie.

So sehr das Bild des kleinen Aylan für Erschütterung und Trauer sorgte, so wenig bewegte es die Länder Europas, ihre Flüchtlingspolitik zum menschlichen zu ändern. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es immer noch keine Seenotrettungspläne der EU bezüglich der ertrinkenden Flüchtlinge.

Zwei Frankfurter Künstler haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, Aylan Kurdi nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dank Oguz Sen und Justus Becker ziert ein Riesen-Graffiti des kleinen Aylan die Molemauer im Frankfurter Osthafen, in unmittelbarer Nähe der Europäischen Zentralbank. Das Graffiti ist für die Künstler ein Sinnbild der gescheiterten Flüchtlingspolitik.

„Der Junge wurde vor die EZB gespült“, sagt Streetart-Künstler Oguz Sen. Er verurteilt ferner das Untätigbleiben der Banken wie die EZB, die „nur mit den Geldern spielen, anstatt zu einer Verbesserung der Welt beizutragen“. Sen und Becker wollen mit dem Bild provozieren. Die riesige Abbildung könne man nicht so einfach wegklicken oder ignorieren.