Reicher Mann und armer Mann…

Ein „Flüchtling“, ein „besorgter Bürger“ und ein „Panama-Paperier“ sitzen zusammen. Vor ihnen ist ein Picknickkorb mit viel Essen und edlen Getränken. Der Panama-Paper krallt sich den Korb, schreit als erster „Meiner!“, nimmt sich eine Hähnchenkeule, an der er knabbert. Knochenreste mit ein bisschen Fleisch sowie ein Stück vom Graubrot schmeißt er auf den Tisch, kippt ein zwei Schlucke vom edlen Wein drauf und sagt: „Das ist für euch!“.

Wie ging die Geschichte nochmal weiter? Das Ende fällt mir irgendwie nicht wieder ein… Ich komme drauf zurück, wenn es mir wieder einfällt. Auf jeden Fall fielen die Begriffe „Sozialschmarotzer“ und „Islamisierung des Abendlandes“ in dieser Geschichte. Aber wie war nochmal der Zusammenhang? Man man man! Diese Vergesslichkeit, diese Begriffsstutzigkeit, diese Blindheit!

Das Ende der Geschichte ist so deutlich vor meinen Augen und auf der Zungenspitze aber… Ne, sorry. Ich weiß nur noch, dass der Flüchtling irgendwohin geschickt wird, weil man die Region dort für sicher erklärt und ein Deal mit dem Pascha des Ortes schließt und die Knochenreste jemandem im Halse steckenbleiben. Einzig und allein Zufrieden ist der dicke „Panama-Paperier“

Aber wäre das Ende nicht viel schöner, wenn dem „Panama-Paperier“ das Picknickkörbchen aus der Hand gerissen und dieser zum Teufel gejagt würde? Wenn die wahren Fluchtursachen beleuchtet würden? Wenn der Geflüchtete keinen Anlass hätte, zu fliehen. Man muss hier anmerken, dass der Panama-Paperier Aktien einer Rüstungsfirma hält, die Waffen in die Region verkauft, aus der der „Flüchtling“ fliehen musste. Ebenfalls ist er Eigentümer von Medien, die immer wieder erzählen, dass der vermeintliche Flüchtling nur auf die Knochenreste des „besorgten Bürgers“ aus ist. Dabei stehen sie doch eindeutig diesem Bürger zu! Unverschämtheit, dem darf man sich nicht beugen!

Und so geht die Geschichte Tag ein Tag aus weiter. Die einen sind die Opfer, die nichts wollen außer das Recht, Rechte haben zu dürfen, die anderen sind die Gierigen, die noch mehr haben wollen, als dass sie jemals gebrauchen könnten und die Letzten sind diejenigen, die die Spirale aufbrechen und die Wahrheit erkennen könnten, aber den Weg des geringsten Widerstandes wählen und sich dem Spiel beugen.

Dabei wäre es eine Leichtigkeit, mal über den Tellerrand hinauszuschauen und den Fehler in der Anfangsgeschichte zu erkennen!

„…standen da und sah’n sich an, und der Arme sagte bleich: ‘Wär ich nicht arm wärst du nicht reich.’“