Pegida und AfD als Folge der NSU

Die Hochschulgruppe der DIDF Jugend Marburg organisierte gemeinsam mit dem Antifa- und Antirassismus-Referat des AStA ihre erste Veranstaltung zum Thema NSU und Rassismus. Die Podiumsdiskussion behandelte das Thema „Die Akte NSU – Wohin führt der Prozess?“ und war mit 140 Gästen und Zuhörern sehr gut besucht. Vor allem Studierende der Hochschule waren dem Aufruf gefolgt und verfolgten die Diskussionsbeiträge aufmerksam mit. Die Moderation der Veranstaltung machte Tugba Bakirci (Studentin der Sozialwissenschaften und Mitglied der DIDF Jugend). Gäste waren der Rechtsanwalt Stephan Kuhn (Nebenkläger im NSU-Prozess) und Aziz Aslan (DIDF Bundesvorstand und Redaktion Yeni Hayat – Neues Leben). Zu Beginn der Veranstaltung wurde eine Schweigeminute für alle Opfer rechter Gewalt eingelegt. Anschließend erläuterte Bakirci den Ablauf des Abends und betonte, dass sie mit den Referenten einen genaueren Blick auf den Prozess werfen wolle. Im Anschluss an die Vorträge der Referenten wurde das Podium für Fragen und Anmerkungen für alle Teilnehmer geöffnet.

Der Rechtsanwalt Stephan Kuhn, der seit 2008 in Frankfurt arbeitet, ist Nebenkläger im NSU Prozess und verteidigt eines der Opferfamilien des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße. In seinem Vortrag fasste er den Verlauf der NSU-Prozesse bis zum heutigen Datum einmal kurz zusammen. Mit der Gewissheit darüber, dass diese entscheidende Frage die meisten Teilnehmer brennend interessiert, lautete sein Resümee: „Meiner Meinung nach sind die wichtigsten Erkenntnisse das dort eine vollständige Aufklärung nicht erreicht werden kann und das auch gar nicht gewollt ist“.

Als weiterer Podiumsteilnehmer gewährte Aziz Aslan den Zuhörern einen Einblick über den Ablauf des Prozesses. So teilte er Informationen wie: „Die Prozesse sind öffentlich. Somit kann jeder die Prozesse besuchen. Eben leider auch bekannte Nazis, welche immer wieder versuchen, an der Eingangstür des Oberlandesgerichts in München zu stehen, um noch einen Platz als Beobachter im Gerichtssaal zu kriegen. Mit ihrem provokanten und unverschämten Auftreten durch das Tragen von rechten Symbolen an ihrer Kleidung, versuchen diese die Angeklagten rechtsextremen auch noch zu unterstützen. Dies wissen die Antifaschisten aus München und Umgebung allerdings sehr gut zu verhindern, indem sie, wenn es sein muss, bereits Stunden vor Beginn des Prozesses alle Plätze für sich einnehmen“. Ebenso ging Aslan in den heutigen Alltag ein und betonte, dass rechter Terror nicht nur die NSU sei, sondern mittlerweile fast täglich vorkommt. „Wir brauchen nicht unbedingt die NSU, wir haben das alles auch in Form von Pegida, AfD oder NPD Tag für Tag auf unseren Straßen, mit ihrer menschenverachtenden Ideologie. Immer öfter werden Unterkünfte von Geflüchteten in Brand gesteckt. Diese Vorfälle sind von gleicher Natur wie der rechtsextreme Terror des NSU.“ Aslan fuhr fort: „Es darf nicht sein, dass man sich erst der Thematik des Rassismus und Faschismus annimmt, wenn es etwas wie die NSU-Morde gibt. Der Kampf gegen Rassismus muss ein gemeinsamer Kampf in allen Bereichen unseres Alltags sein. Und zwar in dem man die wahren Ursachen und Gründe der sozialen Missstände aufdeckt und sich nicht dem rassistischen Gedankengut hingibt oder diesem Raum überlässt, welche lediglich Sündenböcke suchen.

Mit einem informativen Austausch zwischen den Teilnehmenden auf dem Podium und den Gästen fand eine erfolgreiche Veranstaltung, welche wichtige Fakten über die NSU Prozesse darlegte, ihr Ende. So bleiben wir gespannt auf den zweiten Teil der Veranstaltungsreihe „NSU- KEIN VERGESSEN Aufklären. Entgegentreten.“ mit Dr. Kemal Bozay unter der Überschrift „Rechtsextremismus und NSU“ am 2. Juni an der Marburger Universität.

Eren Gültekin