„Wir sind Gewerkschaft“ – als Grundverständnis wieder stärken

05Neues Leben/Stuttgart

Rund 40 Arbeiter aus der Metall- und Elektroindustrie (MuE) in Stuttgart und Umgebung kamen auf Einladung der DIDF Stuttgart zu einem Treffen zusammen. Unter der Leitung von Hüseyin Öncü, Betriebsratsmitglied bei WMF (Geislingen) diskutierten die Arbeiter über die aktuelle Tarifrunde in der MuE, über Leiharbeit, Werkverträge und Möglichkeiten der gewerkschaftlichen und betrieblichen Aktion. Auf Seiten der IG Metall waren André Kaufmann, der u.a. die KollegInnen bei Daimler Zentrale und Untertürkheim betreut, sowie Ergün Sert, der u.a. für die Erschließung nicht-tarifgebundener Betriebe und für die Betreuung von Werkverträglern verantwortlich ist. Als Vertreter der betrieblichen Vertretung war Gürhan Ag, BR-Vorsitzender bei BOSCH Waiblingen anwesend. In Baden-Württemberg sind über 420.000 Kolleginnen und Kollegen in der IG Metall organisiert.

Andre Kaufmann, Gewerkschaftssekretär IG Metall

Wir sind Gewerkschaft“ – dies muss wieder als Grundverständnis verstärkt und verankert werden. Denn dieses Verständnis ist bei den KollegInnen verschüttet worden, vergleichbar mit einer ADAC-Mentalität. Das ist sehr problematisch. Das nicht genug, die Arbeitgeber will in an den Produktionsbänden mehr Leiharbeiter sehen. Die IG Metall ist in der Breite nicht gut aufgestellt. Zweifellos ist Daimler der größte und einflussreichste Betrieb in den gewerkschaftlichen Gliederungen, die KollegInnen tragen betriebliche/gewerkschaftliche Diskussionen und Aktionen. Dies macht sich auch in der jetzigen Warnstreikwelle bemerkbar. In Baden-Württemberg haben wir 3.500 – 4.000 tarifgebundene Betriebe. Doch nur 40% von ihnen beteiligen sich an den Warnstreiks. Das muss mehr sein! Daher fordern wir mehr Beteiligung! Innerhalb der Metall- und Elektroindustrie (MuE) gibt es unterschiedlicher Standards bei der Arbeitszeit und beim Lohn. Daher fordern wir gleiches Geld für gleichwertige Arbeit! Eine andere Aufgabe sehen wir in der Einbeziehung von nicht tarifgebundenen Betrieben. Weil in der Folge dieser Zustand den Lohndruck zwischen den Betrieben verschärft. In der laufenden Tarifrunde und dem daran knüpfenden Arbeitskampf haben wir mit dem Beschluss des Gewerkschaftstags ein neues Instrument. Vor der Urabstimmung haben wir nun die Möglichkeit einen ganztägigen, bezahlten Warnstreik zu organisieren.

Ergün Sert, Gewerkschaftssekretär IG Metall

Die Aufteilung des Betriebs (Outsourcing) hat einige Teilbereiche völlig aus der Tarifbindung verdrängt, die Belegschaft geteilt und in der Folge so einen Entsolidarisierungsprozess und die Entstehung einer Drei-Klassengesellschaft ausgelöst haben. In einigen Betrieben ist das Betreten der Kantine für die Werkverträgler verboten. Einigerorts dürfen sie sich nur in den mit Linien markierten Bereichen bewegen. Doch warum setzen immer mehr Firmen auf Werkverträge? Weil sie u.a. die Personalkosten senkt und die Mitbestimmung der örtlichen Betriebsräte vernichtet. Werkverträge sind ein Instrument innerhalb der Kostensenkungsstrategie des Arbeitgebers. Lohnabrechnungen werden falsch erstellt, KollegInnen werden falsch eingruppiert, es wird bei Arbeitsmitteln gespart und befristete Arbeitsverträge mit bis zu 10 Jahren Laufdauer abgeschlossen. Gerade bei den Werkverträglern erleben wir eine enorme Arbeitszeitverdichtung. Wenige KollegInnen müssen immer mehr Arbeit leisten. Innerhalb der IG Metall versuchen wir nun gerade in den outgesourcten Betrieben Betriebsräte zu gründen.

Gürhan Ag, BR-Vorsitzender Fa. Bosch, Waiblingen

Werkverträge und Leiharbeit sind Formen moderner Sklavenarbeit. Gewerkschaftliche Organisierung ist eine wichtige Kraft, um dagegen vorzugehen. Doch das ist nicht einfach, denn innerhalb der Belegschaft fehlt häufig das politische Bewusstsein, sich ein Teil des „Wir“ und von Veränderung zu verstehen und zu begreifen. Gerade in der betrieblichen Ebene sehen wir, dass wir einen langen Atem benötigen. Jeder kleine Schritt, der dazu beiträgt, die Entsolidarisierung und die Spaltung der KollegInnen zu brechen, ist wichtig! Dies haben wir konkret an unserem Kampf gegen Leiharbeit bei BOSCH in Waiblingen erfahren. Wir brauchen für unsere Ideen und Überzeugungen Verbündete! Denn ohne sind wir alleine – Menschen, mit einer guten Idee – aber auch nicht mehr und nicht weniger. Dabei gilt es doch, dass unsere Ideen, also Forderungen, im Leben verwirklicht werden – und das geht nur gemeinsam.