Keine Bildung, keine Integration?

Pinar Aki

Das Statistische Bundesamt hat einen umfassenden Datenreport zum Thema Integration veröffentlicht. Das Ergebnis: Zuwanderer sind häufiger arbeitslos und sind geringer gebildet. Politiker fordern Bildung stärker in den Fokus der Integrationspolitik zu rücken.

Zuwanderer in Deutschland sind häufiger arbeitslos, geringer gebildet und eher von Armut bedroht als Menschen ohne Migrationshintergrund, denn je höher die Bildung, desto besser sind die Chancen am Arbeitsmarkt, so lautet die Devise. Herausgeber des Datenreports sind das Statistische Bundesamt, die Bundeszentrale für

politische Bildung, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Man muss viele Teile des 482 Seiten starken Statistik-Reports als Mahnung an die Politik verstehen. Über notwendige Maßnahmen wird diskutiert, an der Wurzel gepackt wird nichts. 

Es wird Zeit, dass die Politik endlich mal zur Tat schreitet und allen schönen Ankündigungen und Bekenntnissen eine Menge Geld hinterherschickt. Aus dem Bericht geht die Forderung hervor, leichtere Zugänge und Strukturen für Bildungsangebote zu schaffen. Denn je besser qualifiziert die Menschen seien, umso seltener wären sie erwerbslos.

Für eine entsprechende Bildungsreform plädiert auch der sogenannte Aktionsrat Bildung. In ihrem neuen Jahresgutachten plädieren die Experten für „theorieentlastete zweijährige Ausbildungsberufe“ und Teilqualifizierungen, um jungen Flüchtlingen den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Außerdem fordern die Wissenschaftler eine Berufsschulpflicht vom 16. bis zum 21. Lebensjahr.

Die zentrale Aussage der Forscher ist: Ohne Bildung keine erfolgreiche Integration. Diese These erstellen sie auf Grundlage der vorliegenden Zahlen. 2014 waren 65 Prozent der 15- bis 64-Jährigen mit Migrationshintergrund erwerbstätig. In der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund waren es 76 Prozent. Besonders groß sind die Unterschiede bei den Frauen: 37 Prozent aller Frauen mit Migrationshintergrund standen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Bei den Frauen ohne Migrationshintergrund waren es 24 Prozent. Die Bedeutung von Bildung und Ausbildung spiegelt sich letztlich beim Einkommen wieder: 2014 verdienten Zuwanderer mit niedrigem Bildungsabschluss 272 Euro weniger als jene mit mittlerem Abschluss, diese wiederum 683 Euro weniger als solche mit hohem Abschluss. Bei Menschen ohne Migrationshintergrund betrugen die Unterschiede 311 Euro und 963 Euro.

Vergleichsweise hoch ist laut dem Report die Armutsquote unter älteren Gastarbeitern mit mindestens 50 Jahren. Von diesen aus Anwerbeländern stammenden Menschen hätten fast zwei Drittel keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Nur die Hälfte gehe noch einer Beschäftigung nach. Mehr als ein Viertel beziehe bereits eine Rente, meist aufgrund von Erwerbsunfähigkeit. Armutsgefährdet sind demnach knapp ein Viertel der 50- bis 64-Jährigen und gut ein Drittel der über 65-Jährigen.

Fragt man Migranten jedoch nach ihrer Zufriedenheit mit ihrem Leben im Allgemeinen, sind sie nicht überdurchschnittlich unzufrieden. Im Gegenteil: Sie sind sogar etwas zufriedener als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und blicken optimistischer in die Zukunft. Ihre Lebenszufriedenheit in fünf Jahren schätzen sie sogar deutlich besser ein als Menschen ohne Migrationshintergrund.