Echte Dialoge statt nur Show

AfD und der Zentralrat der Muslime Deutschland (ZMD) trafen sich, um „das Bild der Moslems innerhalb der AfD“ zu besprechen. Im Mittelpunkt stand nach Darstellung beider Seiten der Wunsch des Zentralrats, dass die AfD ihre Forderungen etwa nach einem Minarett-Verbot zurücknimmt. Im Grundsatzprogramm der AfD heißt es, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Mazyek, Vertreter des ZMD, warf der AfD vor, die im Grundgesetz geschützte Religionsfreiheit zu missachten. Zum Abbruch des Gesprächs kam es laut Petry jedoch deswegen, weil Mazyek seinen Vergleich zwischen AfD und NSDAP nicht zurücknehmen wollte. Dieser hatte gesagt, das Programm der AfD erinnere „an die dunkelste Zeit“ in der deutschen Geschichte. Mazyek betonte, dass man mit Mitgliedern der AfD, die das Grundgesetz achten, im Gespräch bleiben wolle. Petry empörte sich: „Man hat von uns verlangt, ein demokratisch beschlossenes Parteiprogramm zurückzunehmen“. Beide Parteien erklärten sich zu Siegern und zu Beschützern der hiesigen Verfassung. Schuld an dem Abbruch trug in beiden Fällen wie erwartet die Gegenseite.

Also nur Schlammschlachten und gegenseitige Schuldzuweisungen… Wer geglaubt hatte, die beiden Gruppen wollten überhaupt irgendetwas erreichen, Vorurteile abbauen oder gesellschaftlich produktiv sein, hat sich von Anfang an geirrt. Ziel für beide war es, die mediale Aufmerksamkeit zu genießen und die inszenierte Show für eigene Zwecke auszunutzen.

Nun scheint Mazyek aber endgültig begriffen zu haben, dass die AfD eine rechtspopulistische und rassistische Partei ist. Ob er wirklich so naiv war, zu glauben, dass Petry nach einem „Dialog“ erklärt hätte: „Ach, Moslems scheinen doch nett zu sein und gehören doch zu uns!“?

Doch wie soll die Gesellschaft nun mit dieser rassistischen, arbeiterfeindlichen und populistischen Gefahr, die von der AfD ausstrahlt, umgehen? Sachliche Diskussionen mit der Führungsebene bringen wenig, denn diese profitiert von der rassistischen Stimmung und wird bestimmt nicht den Ast absägen, auf dem man zur Zeit sehr erfolgreich sitzt.

Die Lösung muss eine gesamtgesellschaftliche sein. Man darf gesellschaftliche Probleme nicht verschweigen, Unterschiede in Kultur und Religion können zu Reibereien zwischen Menschen führen. Aber die eigentliche Gefahr, auf die wir uns zubewegen, ist nicht unser muslimischer oder christlicher Nachbar, sondern die soziale Gerechtigkeitslosigkeit dieses Systems. Vorurteile wird man nicht in Hotellobbys abschaffen, sondern in echten Dialogen mit dem „Anderen“. Und so hätten Petrys und Islamisten beide keine Existenzgrundlage mehr!