„Import-Imame“? Nein, danke!

Suphi Sert

Der Koranunterricht in der Moschee wird kontrovers diskutiert. Hierbei stellt sich die Frage, ob dieser Unterricht für die Kinder, die den Unterricht besuchen müssen, eine falsche Pädagogik zur Sozialisation darstellt. Immerhin werden die Kinder, so lautet die Kritik, zu Unterwürfigkeit und blindem Gehorsam erzogen. Nun wurde in Medienberichten dargelegt, dass es auch illegale Koranschulen in Privathäusern gebe, die sich jeglicher staatlicher Kontrolle entziehen würden, da der Staat nicht wisse, was hier wirklich den Kindern unterrichtet werde und ob sie nicht vielleicht zu Radikalen erzogen würden. Aber: Wissen wir überhaupt, was den Kindern und Jugendlichen in den Koranschulen beigebracht wird und was dort abläuft?

Für viele Familien scheint die rituelle Bildung ihrer Kinder wichtig zu sein und religiöse Gemeinden nutzen dies für ihre Ziele. In einer pluralistischen Gesellschaftsform – zumindest wird uns vermittelt, dass wir in einer leben- bedeutet dies nichts anderes, als dass alles für jeden möglich sei. Bezogen auf die Religionen und vor allem den Islam bedeutet dies nur, dass dieser sich natürlicherweise dem alltäglichen Leben anpassen muss. Der Mensch tut dies eigentlich automatisch. So sind viele muslimische Jugendliche immer wieder auf der Identitätssuche, da ihre Lebenswahrheit im hier und jetzt oft nicht mit Gebräuchen und Glauben von vor vielen Jahrhunderten vereinbar ist. Daher passen sie ihren Glauben verständlicherweise ihrem realen Leben an, da sie ein Teil dieser Gesellschaft sind. Interpretationen von Ritualen und Gebräuchen werden individuell ausgelegt. Genau hier fühlen sich viele muslimische Eltern in ihrem Glauben verunsichert. Dies liegt aber auch an den ihnen immer wieder vermittelten Werten und Ängsten seitens der Religionsgemeinden und den Politikern und Medien ihrer Herkunftsländer. Daher schicken viele ihre Kinder in die Moscheen, um die religiöse Erziehung ihrer Kinder, durch die „Import-Imame“ zu sichern. Jedoch wissen Eltern kaum, wie diese religiöse Sozialisation und Bildung in den Moscheen oder gar in den illegalen Bildungseinrichtungen in Privathäusern in Wirklichkeit aussieht. Welche Inhalte vermittelt werden oder welcher Religions- bzw. Rechtsschule der „Koranlehrer“ angehört, ist oft nicht eindeutig erkennbar. Beispielsweise lehren die „Import-Imame“ aus der Türkei viel mehr, als nur Religion, da die Imame unter staatlicher Aufsicht stehen und als türkische Beamte gelten. Erdogans Innen- und Außenpolitik und die der AKP-Regierung kommt hier also nicht unbedingt zu kurz. Neben arabischer und türkischer Schrift und Sprache, kurzen Suren und den fünf Säulen des Islams wird den Kinder vor allem beigebracht, nichts zu hinterfragen, erst recht den Lehrstoff nicht. Ob es zu unserer Zeit passt oder nicht, mit unserem Leben kollidiert, passt oder vereinbar ist, spielt dabei keine Rolle. Der Imam, also Lehrer gilt als Verkünder der absoluten Wahrheit, obwohl es diese aus philosophischer Sicht nicht geben kann. Die Schüler werden also möglichst zu nicht reflexionsfähigen Individuen erzogen, die alles auswendig lernen sollen, was ihnen vorgesprochen wird.

 


Ein Imam ist kein Pädagoge

Die meisten „Import-Imame“ können kein Deutsch, haben keine didaktische oder pädagogische Ausbildung und ihnen werden 5-jährige Kinder anvertraut. Ihre Methoden bestehen daraus, dass die Schüler ohne Widerworte ihre aus der Heimat mitgebrachte Wahrheiten auswendig lernen sollen. Diese müssen ohne Begründung akzeptiert werden, es ist auch nicht vorgesehen, dass die Kinder zu kritischen mündigen Menschen mit einem vernünftigen Bewusstsein heranreifen. Diese Kinder werden zumeist in ihrer schöpferischen Selbstentfaltung gehemmt. Es soll mit aller Kraft verhindert werden, die historische Bedeutung und Einordnung der Religion zu verstehen oder sie zu interpretieren. Somit soll eine Reformation des Islams in den westlichen Ländern entgegen gewirkt werden, obwohl diese sich im wahren Leben längst vollzogen hat. Das erklärte Ziel, hat Erdogan, damals noch als Ministerpräsident der Türkei, schon damals definiert: „Lasst euch nicht assimilieren, bleibt unter euch und eurer Religion treu“.