Mit Verboten ein Schritt zur Integration?

Erneut sorgt die Bedeckung der muslimischen Frau für Diskussionen darüber, ob diese in Deutschland verboten werden sollte oder nicht.

Seit einigen Jahren gilt das Verbot von Tragen der Burka sowohl in Frankreich als auch in Belgien und in den Niederlanden seit letztem Jahr. Die Innenminister der Union aus Bund und Ländern möchten es nun nachmachen und plädieren für ein Teil-Burkaverbot. Demnach sollen Frauen keine Burka im öffentlichen Dienst, auf Demonstrationen, in der Schule oder im Straßenverkehr tragen dürfen, wird dagegen verstoßen, soll dies als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Laut einer Umfrage spricht sich ein großer Teil für einen (Teil-)verbot der Vollverschleierung aus. Die Hälfte ist sogar für ein generelles Verbot vom Tragen der Burka und des Nikab. Lediglich 15 Prozent sind gegen ein Verbot. Auch ist die Badebekleidung Burkini ein umstrittenes Thema.

Frankreich, Eckpfeiler der modernen Demokratie, sorgte weltweit für großes Aufsehen, als dessen Polizei von badenden Frauen verlangte, ihre Burkinis auszuziehen mit der Begründung, die Bekleidung störe die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Dabei wurde dieses Kleidungsstück mit dem Ziel entworfen, Frauen Freiheit zu schenken. Allerdings begrüßte ein Großteil dieses Vorgehen, das mittlerweile gerichtlich eingestellt wurde.

Worum geht es eigentlich bei diesem Verbot? Sicherlich nicht um diejenigen, die davon betroffen sind, in dem Fall die Frauen muslimischen Glaubens, wie stets suggeriert wird. Die Argumente klingen bekannt. Man spricht hierbei von Frauenrechtsverletzungen, von der Unterdrückung der Frau. Zugegeben, das Thema Burka an sich ist ein sehr heikles Thema im Kontext der Frauenrechte. Doch ist man besser gestellt, wenn man die eigene freie Entscheidung vieler Frauen muslimischer Glaubens, nämlich die des Tragens der Burka unter Strafe stellt? Welche Stellung man zur Burka bezieht, sollte in dem Zusammenhang primär nicht von Bedeutung sein, wenn die Frau erneut als Objekt gesehen wird und man über ihre Art und Weise, wie sie sich kleidet, diskutiert und über ihren Kopf hinweg entscheiden will.

Im Fokus steht zudem vielmehr die Angst der westlichen Welt. Angst vor Veränderungen und Angst vor dem Fremden, das Stimmungsmache gegen Menschen muslimischen Glaubens zur Folge hat.

In dem Kontext fällt oft das Wort Integration. Die Vollverschleierung passe nicht zum weltoffenen Deutschland, so Innenminister de Maizière. Versteht man also unter weltoffen, wenn eine Diskussion über ein Verbot von Lebensweisen bestimmter Menschen, die nächste jagt?

Ständig geführte Debatten über Verbote, die die Lebensweise von Menschen deutlich einschränken, führen zu Ausgrenzung und zu einem Gefühl der Nichtakzeptanz und befördern Rückzugstendenzen bei Migranten. Wie soll eine gewünschte Integration funktionieren, wenn man in dem Fall aus religiösen Gründen bedeckte Frauen das Teilhaben am gesellschaftlichen Leben verwehrt? Einerseits ein überkommenes Rollenbild und eine durch die Religion vorgeschriebene Kleiderordnung, die den Körper der Frau bedeckt. Andererseits das „unter Strafe stellen“ der Frau als Gegenantwort auf religiöse Symbole. Immer im Mittelpunkt: Die Frau und ihr Körper. Scheinbar ist man sich nicht über die Konsequenzen im Klaren, die ein solches Verbot mit sich zieht: Frauen, die zuhause bleiben und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchten und können. Es kann also nicht im Interesse de Maizières sein, der von einer weltoffenen Gesellschaft spricht.

Dabei ist es doch ein wesentlicher Bestandteil einer offenen Gesellschaft, die Art und Weise seines Gegenübers zu akzeptieren.