Was sind Erdogans Pläne in Syrien und Irak?

Offiziell wurde das Mandat um den Einmarsch türkischer Soldaten in den Irak und Syrien um 12 weitere Monate verlängert. Seit geraumer Zeit verhandelt Erdogan mit Obama darüber, Soldaten nach Rakka und Mosul zu schicken. „Falls wir einen Schritt zurück machen sollten, werden Terrororganisationen wie der IS, die PKK, PYD oder YPG diese Positionen einnehmen. Gleiches gilt auch für den Irak“, so Erdogans Begründung.

Es ist Erdogan enorm wichtig, die PYD bei der Befreiung von Rakka, als strategische Zentrale des sogenannten IS, mit allen Mitteln, nicht an der Operation teilhaben zu lassen. Darum geht es in den Verhandlungen zwischen den USA und Erdogan. „Lasst die Kurden aus dem Spiel und dafür uns unsere Soldaten dahin schicken“ ist das was Erdogan sagt. Vom Einmarsch in Dscharabulus, bis hin zur Ausweitung der Pufferzone bis nach al-Bab, aber auch das Interesse daran Soldaten nach Rakka zu schicken, obwohl diese Stadt nicht annähernd an den Grenzen der Türkei liegt, ist bedingt durch die Tatsache, dass die Türkei die Kurden in Syrien als eine Gefahr für sich betrachtet. Diese „Gefahr“, erschwert nämlich auf erhebliche Weise die AKP-Regierung daran, ihre Politik im Umgang mit der Kurdenfrage weiter fortzusetzen. Allerdings muss man sich eine wichtige Tatsache vor Augen führen. Falls die Türkei sich in die Rakka-Operation einmischen sollte, womit sie die Al-Kaida aber auch die freie syrische Armee zu einer wirksamen Kraft heranwachsen lassen würde, würde sie sich damit nicht nur in den direkten Konflikt mit den Kurden begeben. Dies würde auch eine offene Gegenüberstellung der Türkei mit Russland, dem Syrien-Regime aber auch Iran mit sich bringen.

Was den bevorstehenden Angriff auf Mosul betrifft, ist es offensichtlich, daß es der türkischen Regierung nicht um die „nationale Sicherheit“ geht, sondern um die Energieressourcen in der Region. Erdogans Politik, und seine geplanten Schritte, lassen erkennen, wie allgegenwärtig immer noch der Traum einer imperialistischen Macht ist. Dieser Versuch der Expansionspolitik, zeigt sich an der Bestrebung daran, ein Teil der Operation in Mosul bei der Befreiung vom sogenannten IS sein zu wollen, um im Nachhinein ein Mitspracherecht an der Zukunft dieses Gebietes haben zu können. Falls es nämlich zu einer Befreiung von Mosul durch schiitische und kurdische Kräfte kommen sollte, würde dies das Aus des Mosul-Traums für Erdogan bedeuten.
Somit ist die verfolgte Neo-osmanische Politik nicht nur einfach Hirngespinst eines Gelehrten. Was mit einer Politik unter dem Namen „Freunde machen“ begann, wurde durch das türkische Kapital und Erdogan als Vertreter gezwungenermaßen zu einer blutigen, realen Politik. Eines steht fest. Es gibt nichts Positives, was der Krieg in Rakka und Mosul für die in der Türkei lebenden Völker bringen könnte. Im Gegenteil würden diese Kriege die Türkei noch weiter ins Chaos stürzen.