Calias geräumt – Flüchtlinge verprügelt

Die „Evakuierung“, so zumindest ist die offizielle Bezeichnung der französischen Polizei und Regierung, des als „Dschungel“ bekannten riesigen Hüttendorfs und Zeltlagers Calais soll so schnell wie möglich abgeschlossen werden. Der Abriss der von den Flüchtlingen notdürftig zusammengezimmerten Unterkünfte hat bereits begonnen. In 60 Bussen wurden die ersten rund 3.000 Flüchtlinge in alle Landesteile verschoben. Vielerorts wurden sie von „besorgten Bürgern“ der faschistischen Front National empfangen, beschimpft und an der Anreise verhindert. Die restlichen knapp 4000 verbliebenen Flüchtlinge sollen in den kommenden Wochen verteilt werden. Proteste sind bereits angekündigt. Ein Teil der Flüchtlinge versuchte, sich gegen den Polizeieinsatz mit Steinen zu wehren.

Die Räumung verlief ganz und gar nicht friedlich und deeskalierend wirkte die französische Polizei erst recht nicht. Das Mutterland der Demokratie ist in einer aggressiven Euphorie gespalten. So oder ähnlich sieht es auch in anderen süd- und osteuropäischen Ländern aus. Staatliche Behörden, Militär und Polizei versuchen, Flüchtlinge um jeden Preis zu verjagen und an den Außengrenzen treiben sie es soweit, dass Flüchtlinge europäischen Boden erst gar nicht erreichen sollen, notfalls durch Ertrinken im offenen Meer!

So oder so: Es sind aber bereits Millionen in Europa, Hunderttausende in Deutschland und verdienen eine Anhörung und haben das Recht, einen Asylantrag zu stellen. Sie haben das Recht, menschenwürdig aufgenommen, untergebracht und versorgt zu werden, bis entschieden ist, was mit ihnen passieren soll. Die kalten Wintermonate nahen und das große Problem der Flüchtlingsunterkünfte ist immer noch nicht gelöst. Weiterhin leben Menschen in kleinen Turnhallen oder Containerstädten zusammengepfercht und warten. Psychische und physische Belastungen und Traumata können so erst recht nicht einfach überwunden werden. Und förderlich sind die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und Flüchtlinge sicherlich auch nicht. Rassistische Proteste gegen Flüchtlinge wie in Südfrankreich, Ungarn oder Bautzen sind alltäglich geworden und werden immer aggressiver. Das zu unterbinden, sollte die Aufgabe Europas sein, nicht das Abwehren von Flüchtlingen.