Unzufriedenheit mit Arbeit wegen unzureichender Bildung?

Sezen Dinc

Immer weniger Schüler und Studierende seien der Auffassung, dass das Bildungssystem sie auf die Arbeitswelt vorbereite. Bei einer Umfrage der „Spezialisten-Jobbörse“ Absolventa unter Berufseinsteigern kam man zu dem Ergebnis, dass das Studium keine besonders gute Vorbereitung für das spätere Arbeitsleben sei. 20 Prozent der 470 befragten Studierenden und Berufsstarter sind dementsprechend der Meinung, dass ihr Studium sie nicht auf das Berufsleben vorbereite. Nur 13 Prozent fühlen sich dagegen durch die Lehrinhalte gut aufgestellt für ihren ersten Job.

Dieses Meinungsbild ist in den letzten zwei Jahren stabil geblieben. Denn laut einer kürzlich veröffentlichten europaweiten Jugendstudie, die der Bayerische Rundfunk (BR), das ZDF und der Südwestrundfunk (SWR) beauftragten, empfindet die Mehrheit der jungen Deutschen das Bildungssystem als praxisfremd und ungerecht.

Demnach glaubt nur ein Prozent der Befragten 18 bis 34-jährigen, dass das Bildungssystem sie gut auf die Arbeitswelt vorbereitet. Rund 26 Prozent stimmen dem zu und 45 Prozent fühlen sich eher nicht auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. 26 Prozent sind sogar der Auffassung, dass dies überhaupt nicht der Fall ist. Zudem sind 60 Prozent der Ansicht, dass es im Bildungssystem wenig gerecht zugeht. Lediglich fünf Prozent glauben uneingeschränkt, dass das Bildungssystem allen die gleichen Chancen bietet. 22 Prozent stimmen dieser Aussage überhaupt nicht zu.

Ebenfalls besagt die Untersuchung, dass die Motivation der jungen Arbeiter in Deutschland in erster Linie im Geldverdienen liege. Lediglich 38 Prozent der 18 bis 34-jährigen sehen in ihrem Job eine Chance zur Selbstverwirklichung. Dabei geht es bei 60 Prozent der Befragten vor allem ums Geld.

Diese Annahme beeinflusst auch die Haltung zu der Wichtigkeit ihrer Tätigkeit. Weniger als die Hälfte, 43 Prozent der Berufstätigen empfinden ihre Arbeit der Studie zufolge als wirklich wichtig oder sogar sehr wichtig. 16 Prozent sind dagegen der Meinung, dass ihnen ihre Arbeit nicht wichtig ist. Die restlichen 41 Prozent bewegen sich zwischen diesen Polen.

Fakt ist, dass eine langanhaltende Unzufriedenheit sowohl in Bezug auf das momentan bestehende Bildungssystem, als auch in dem damit verbundenen Arbeitsleben der jungen Schüler, Studierenden und Arbeiter besteht.

Die Studie vergleicht leider nur den Aspekt des Lohns mit der Zufriedenheit der Tätigkeit. Die Arbeitsbelastung wird außen vor gelassen. Jedoch ist durch Studien und Umfragen, zum Beispiel der Krankenkassen, belegt, dass fast neun von zehn Beschäftigten sich im Job gestresst fühlen. Jährlich werden rund 1,8 Milliarden Überstunden geleistet. Die Zahl von Arbeitsausfällen aufgrund von psychischen Erkrankungen nimmt dramatisch zu. Burnout ist zu einer Volkskrankheit geworden. Und dabei liegen die Ursachen auf der Hand: In allen Arbeitsbereichen setzen Unternehmer darauf, dass immer weniger Beschäftigte einen immer größeren Output erzielen. Das nimmt einen natürlich stark mit. Eine Studie in diese Richtung würde sehr viel Aufschluss darüber geben und stark beleuchten, dass das Problem, ob man sich auf den Job vorbereitet fühlt, nicht nur aufgrund der gelehrten Inhalte verneint wird, sondern an der Tatsache, dass die Arbeitsbelastung und -Verdichtung stark zunimmt.