COP 22 – Alles nur Schein?

Tugba Bakirci

Im November fand die 22. Weltklimakonferenz in Marokko statt. An der zweiwöchigen Konferenz nahmen rund 15 000 Teilnehmer – Wissenschaftler, Politiker, Vertreter von Unternehmen und Organisationen- aus mehr als 190 Staaten teil und diskutierten über die Umsetzung des im letzten Jahr in Paris beschlossenen Klimaabkommens. In seiner Eröffnungsrede betonte der marokkanische Außenminister Salaheddine Mezouar, dass er besonderes die afrikanischen Länder und Inselstaaten zu Wort kommen lassen wolle. Länder, die jetzt schon enorm unter den Folgen der Klimakatastrophe wie Dürre, Tsunamis und Überschwemmungen leiden.

Im Dezember 2015, auf der 21. Weltklimakonferenz, wurde beschlossen, die Erderwärmung um zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Stand zu begrenzen; es dürfen keine Kohlekraftwerke mehr gebaut werden und ab 2020 sollen die Industriestaaten fünf Jahre lang Milliarden Dollar für die Entwicklungsländer bereitstellen. Dieses Abkommen war für viele und vor allem für Klimaforscher ernüchternd. Man kann vieles beschließen. Eine tatsächliche Veränderung der Verhältnisse wird aber erst dann eintreten, wenn man sich an den Beschlüssen orientiert und diese einhält. Zumal das angestrebte Ziel von zwei Grad Celsius weniger nicht unbedingt „das Gelbe vom Ei“ ist, sondern das Minimum, welches man für den Schutz der Umwelt leisten sollte. Viele sehen es daher eher als ein Schauspiel einzelner Staaten an, statt wahre Änderungsambitionen, denn die Natur wird schon viel zu lange für die Profitgier der Konzerne und der Industriestaaten ausgebeutet und vernichtet.

Vom Klimawandel sind mit 60% am meisten die Länder in Afrika betroffen, doch dieser Kontinent ist nur für vier Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. In diesen Ländern werden Urwälder ausgerottet, Afrika hat in den letzten 30 Jahren zwei Drittel seiner Urwälder verloren. Anstelle der Urwälder wird Platz geschaffen für Ackerland, die Umwelt wird auf Kosten von Mensch und Umwelt vernichtet, Rohstoffe ins Unermessliche ausgebeutet, um die produzierten Nahrungsmittel und erbeuteten Edelmetalle dann nach China, Europa und besonders als Endprodukte nach Deutschland zu importieren. Die afrikanischen Länder und Inselstaaten leider dann unter diesen Bedingungen. Doch auch innerhalb der afrikanischen Länder steigen die Konflikte. Trotz der Bekräftigung der Solidarität mit dem Süden, die Region, die am meisten vom Klimawandel betroffen ist, stellen sich die Industrieländer gegen eine gerechte Klimafinanzierung. Dies führt dazu, dass die 100 Milliarden US-Dollar ab 2020 vor allem in neue Windkraft und Solaranlagen investiert werden sollen. Diese Investierung aber nutzt dann der Privatwirtschaft im reichen Norden und nicht den Opfern von Fluten und Dürren vor Ort. Doch bis jetzt stellen sich die Industrieländer blind und schweigen darüber.

Die Profiteure dieses Abkommen sind die Großkonzerne und die Industriestaaten. Auch am Beispiel des Stellenabbaus des VW-Konzerns wird deutlich, dass nicht der Klimaschutz Arbeitsplätze vernichtet, sondern die kapitalistische Einstellung der Konzerne, die immer mehr Profit wollen und dafür Abgaswerte manipulieren. Wir brauchen eine Gesellschaft, die sich verändert und Klimagase reduziert. Mit echter Verantwortung der Industriestaaten. Das Schauspiel muss ein Ende haben und Staaten wie Deutschland müssen ihre Ziele einhalten. Mehr an die Umwelt denken, statt im Interesse der Konzerne handeln wäre die Schlussfolgerung, die man aus dem Klimagipfel ziehen sollte!