Klasse Bildung statt Klassenbildung: Mit einer Liste die Hochschulpolitik neu aufrollen

Für fünf Tage hieß es für Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (kurz: HAW), Wahlkampf zu betreiben und die verstaubte Hochschulpolitik wieder mit anregenden Inhalten zu füllen. Knapp 17.000 Studierende der HAW hatten die Möglichkeit, ihre direkten Vertreter, die sich für ihre Belange einsetzen sollen, ins Studierendenparlament (StuPa) zu wählen. Eine Gruppe von Studierenden verschiedener Studiengänge gründeten gemeinsam „Studium Zukunft“, eine Hochschulgruppe mit dem Ziel, Studierende für relevante Themen wie Auskommen, Wohnen und ein gerechtes Studium zu organisieren.

Das StuPa ist das höchste studentische Gremium und hat wichtige Aufgaben wie die Regulierung des Hochschulhaushaltes und die Wahl und Kontrolle des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Trotz der Wichtigkeit dieser Institution, ist den meisten Studierenden das StuPa kein Begriff und sie halten sich aus der Gestaltung der Hochschulpolitik fern. Besonders die HAW ist von dieser politischen Verdrossenheit betroffen. Das spiegelte sich beispielsweise im letzten Jahr in einer Wahlbeteiligung von gerade mal 4 % wieder.

Die Arbeit von „Studium Zukunft“ begann dementsprechend bereits zwei Monate vor der Wahl. Es wurde über Inhalte diskutiert und recherchiert.

Eines der wichtigsten Themen war die massive Unterfinanzierung der Hochschulen, die der Kern vieler weiterer Missstände ist. Die Gebäude an der HAW sind dringend sanierungsbedürftig. Statt in Sanierungen wollen Bund und Länder aber ab 2018 jährlich mehr als 530 Millionen Euro in die Spitzenforschung fließen lassen. Eine sogenannte Exzellenzinitiative wird als Antwort auf den Geldmangel der Hochschulen dargestellt, die sie aber nicht ist.

„Studium Zukunft“ nahm sich diesem Thema an. Soziale Themen wie BAföG und Wohnungsbau wurden aber ebenfalls aufgegriffen. Genauso das Thema der Prüfungsbedingungen. Viele Studierende beklagen sich über eine einzige Prüfungsphase, sodass es nur alle sechs Monate die Gelegenheit gibt, eine Klausur zu schreiben. Das hat zur Folge, dass sich das Studium in die Länge zieht und ungeliebte Fächer immer wieder vor sich hergeschoben werden.

Die Ergebnisse der Wahl haben deutlich das nicht ausschöpfte Potenzial der Hochschulpolitik der HAW aufgezeigt. Die Wahlbeteiligung konnte mit 9% mehr als verdoppelt werden und „Studium Zukunft“ konnte sich dicht hinter dem Fachschaftsratbündnis der Fakultät Life Science als zweitstärkste Liste durchsetzen und sicherte sich 4 Parlamentssitze.

Die Liste „Studium Zukunft“ konnte eine komplette Machtumverteilung der 36 Sitze des StuPas bewirken. Die größte Herausforderung ist jetzt, die Studierenden zu binden, zu organisieren und ihnen zu zeigen, dass das Ziel – auch wenn man viele Punkte nicht während der eigenen Studienzeit endgültig erkämpfen kann- eine gerechte Bildung für alle sein muss!