Skandalös abgeräumt

Sinan Cokdegerli

Während VW seit dem „Abgas–Skandal“ immer wieder negativ in den Schlagzeilen landet und im Gegensatz zu Deutschland in den USA auch vor Gericht steht, sorgte nun ein ehemaliger Manager der Firma für Schlagzeilen. Martin Winterkorn, Top–Manager von Volkswagen, soll am Tag soviel Ruhegehalt bekommen, wie viele Arbeiter in diesem Land in zwei Monaten nicht.

Seitdem sich der Konzern ab Ende des Jahres 2015 durch Abgasmanipulationen einen Namen gemacht hat, sind es vor allem die Arbeiter, die jeden Tag mit neuen Meldungen rund um ihren Arbeitsplatz aufwachen. Während diese sich tagtäglich mit Berichterstattungen herumschlagen, die den Verfall ihrer Jobs und damit bei vielen die einzige Einkommensquelle in der Stadt Wolfsburg und in vielen Zuliefererfirmen rund um die Stadt ankündigen, können sich ihre Vorgesetzten selbst in Krisenzeiten hohe Gehälter und Renten vereinnahmen.

Die Konzernmanager, wie den knapp 70-jährigen Martin Winterkorn und seine Kollegen, wie beispielsweise die neue Konzernspitze um Matthias Müller, belastet die gesellschaftliche Krise, in der sich das Unternehmen befindet, eher weniger. Mit Millionengehältern sorgen diese bereits mit wenigen Arbeitsjahren für ihr Leben aus. Selbst nach der Arbeit regnet es für sie Geld vom Himmel.

Der Arbeiter zahlt für die Schulden ihrer Ausbeuter

Der Abgasskandal hat den Konzern zwar getroffen, jedoch nicht so schwer, wie sich anfangs vermuten ließ. Während die Marke nach dem Bekanntwerden der Manipulationsmaschinerie weniger Gewinn und zum Teil auch Verluste erzielte, endeten die Meldungen nicht, dass Betriebsrat und Konzernspitze die Lage unter Kontrolle hätten. Es scheint auch viele der Käufer nicht wesentlich zu kümmern, so dass VW seine Verkaufszahlen bereits Anfang 2016 wieder steigern konnte.

Im Gegensatz zum Mutterland von Volkswagen wird in den USA jedoch gegen VW vorgegangen. Der amerikanische Staat sieht sich nun in der Lage, Milliarden Gewinne durch den „Dieselgate–Skandal“ zu erzielen und amerikanischen Autokonzernen einen Vorteil zu verschaffen. Dabei geht es der Regierung weniger darum, die Umwelt zu schonen -die USA haben mit Abstand den größten CO² – Ausstoß nach China und sind somit auf diesem Ranking der Umweltsünder weltweit auf Platz zwei. Außerdem gibt sich die USA sonst nicht viel um die Umwelt, wenn man schwere Katastrophen wie um Deepwater Horizon oder die Abholzung des Regenwaldes durch US – Amerikanische Konzerne betrachtet.

Doch beim Abgasskandal sind es die USA, die gegen den Schaden vorgehen, der durch manipulierte Abgaswerte entstand. Während VW in den USA nun 4,3 Milliarden Dollar zahlen soll und dessen dortige Top – Manager angeklagt sind, wird dem Konzern in Deutschland freie Bahn gelassen. Dabei sind auch die laschen Messrichtlinien daran Schuld, dass Firmen wie VW, Daimler und andere dort unter Idealbedingungen ihre Fahrzeuge testen können.

Um sich die Profite doch noch zu erhalten, wollen die Manager und der Vorstand in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat nun Zehntausende Stellen bei VW abbauen. Dazu kommen die Zuliefererfirmen, die wegen Auftragseinbußen die Tore auch schließen müssen.

Millionen für die Fürsten, Guillotine für die Arbeiter

Der Konzern will 30.000 Arbeitsplätze abbauen und sich damit Millionen an Ausgaben sparen, denn als nichts anderes werden die Arbeiter betrachtet. Kosten, die gesenkt werden müssen. Währenddessen verdienen sich die Manager bei VW eine goldene Nase. Bis vor einem Jahr war es Martin Winterkorn, der sich Taschen vollstopfte. Mit Geld, aus der Produktion von Millionen Autos, die alle von den Arbeitern hergestellt worden sind, welche nun ohne Umstände das Weite suchen sollen. Bis zu seinem Ausscheiden aus der Konzernspitze Ende 2015 verdiente der ehemalige Spitzenreiter in der deutschen Managerwelt rund durchschnittlich etwa 16 Millionen Euro, 2011 sogar mehr als 17 Millionen. Matthias Müller, Winterkorns Nachfolger, verdiente 2015 rund 4,1 Millionen Euro. Auf diesem und einem ähnlich hohen Niveau bewegen sich sämtliche Managergehälter bei VW. Hinzu kommen natürlich nach einem Ausscheiden aus der Arbeit, Rentenansprüche in Millionenhöhe. So soll Winterkorn ein Ruhegeldanspruch von 1,2 Millionen Euro haben. Das sind umgerechnet 3.100 Euro pro Tag. Als Leiharbeiter oder Werkverträgler kann man sich diese Beträge im Monat nicht einmal durch Schichtzuschlag und Überstunden erarbeiten. Von einer Rente von 3.100 Euro im Monat statt pro Tag, kann die überwiegende Mehrheit der Arbeiter und Angestellten in Deutschland nur träumen. Um nach 40 Jahren Arbeit auf gerade einmal 800 Euro Rente zu kommen, muss man durchgehend mehr als 2.300 Euro Brutto monatlich verdienen.

Die Kluft ist unüberwindbar?

Der Vermögensunterschied zwischen arm und reich in dieser Gesellschaft wird immer wieder in Form einer Schere dargestellt. Eine Organisation, die dieses Auseinanderdriften der Schere untersucht, ist Oxfam, dessen Bericht jedes Jahr aufs neue erst für Wirbel sorgt und dann in Vergessenheit gerät. 2016 berichtete die Oxfam–Studie, dass 62 Menschen soviel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, also rund 3,6 Milliarden Menschen. Dieses Jahr verkündete die Organisation, diese Zahl sei auf gerade einmal 8 Personen gesunken. Ob es 8, 62, wenige 100 Menschen sind, die soviel besitzen wie die ärmsten 50% der Menschheit oder ob es 1000 oder 100000 sind, macht keinen wirklich großen Unterschied. Fakt ist, dass das Vermögen weltweit ungerecht zugunsten derer verteilt ist, die sich an der Arbeit anderer bereichern, statt zugunsten derer, die tagtäglich in den Werken und Betrieben stundenlang zu Hungerlöhnen arbeiten. Täglich sterben ca. 25000 Menschen vor Hunger und allein 2017 sind bereits 37000 Menschen verdurstet. Daher ist es um so wichtiger, dass man diese Kluft so schnell wie möglich überwindet.