Als Teil von Deutschland sehen, statt ausgrenzen

Mein Freund… . Deine Nachricht kam an. Für eine starke Türkei sage ich auch JA. Was sagt du dazu mein Freund … “. So oder so ähnlich lauten die Aussagen in den Videos, die in sozialen Netzwerken gerade im Umlauf sind. Und vorneweg sind es Promis aus Kultur und Sport, die sich für die Annahme des Referendums aussprechen und andere Promis auffordern, das gleiche zu tun. Hierbei geht es um eine wichtige Entscheidung, nicht nur für die Türkei, sondern für die ganze Welt. Denn: Nachdem das türkische Parlament sich de facto aufgelöst, sich selber und die Regierung entmachtet, die Judikative und die Exekutive vereint hat, soll voraussichtlich im April per Volksabstimmung über die offizielle Einführung des Präsidialsystems in der Türkei entschieden werden. Somit würde in der Türkei die Ein-Mann-Diktatur eingeführt werden. In einer angespannten Welt mit vielen Brandherden, vor allem, wo die Türkei auch gut mitmischt, würde das womöglich noch mehr Krieg, noch mehr Radikalisierung und viele weitere Konflikte mit sich bringen. Das ganze Land ist tief gespalten in JA- und NEIN-Sager und die Entscheidung wird knapp ausfallen. Und das Referendum wird auch nach Deutschland kommen, egal ob man will oder nicht.

Daher ist sie auch für uns interessant, vor allem wegen der Frage: Wieso reihen sich auch in Europa sozialisierte junge Fussballer wie Calhanoglu, Töre oder Arda, deren Werte und Lebensarten gar nicht mit dem übereinstimmen, was Erdogan und die AKP aus der Türkei machen wollen, in diese Kampagne ein?

Das mag womöglich einen Grund haben: Der Wunsch nach Anerkennung.

Die Türken in Deutschland wurden Jahrzehnte lang von einer schlechten Integrationspolitik ignoriert, oft sogar benachteiligt. Sie wurden teilweise ausgegrenzt und diskriminiert. Integration ist eigentlich ein Wort der letzten 10 Jahre. Bis dahin waren es immer nur die „Ausländer“. Ob Fakt oder lediglich Gefühl, das hat die Zugehörigkeit vieler Türken zu und in Deutschland gehemmt. Egal, wie viel Mühe man sich geben würde, man würde immer „der Türke“ bleiben! Auf der anderen Seite wurden die Türken in Deutschland durch die Türken in der Türkei eher als Deutschländer betrachtet. Für diese waren sie keine vollwertigen Türken sondern assimiliert, bis Erdogan auftauchte und sich zum Präsidenten der Deutschtürken erklärte. Er gab ihnen das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein und spannte sie vor seinen Karren. Daher wird uns in den nächsten Wochen sicherlich noch einiges erwarten. Doch diese Zeit bis zum Referendum kann sich in Deutschland auch positiv entwickeln, wenn man den „Türken“ zeigt, dass sie hier willkommen sind und hierhin gehören, statt sie durch Ausgrenzung in Erdogans Arme zu treiben.