„Elbphilharmonie“-Teures Vergnügen für die Eliten

Dilan Baran

Am 11. Januar wurde die Hamburger Elbphilharmonie feierlich eröffnet und ist dabei „fast über Nacht von einer Lachnummer zur Glanznummer geworden“ schreibt die Welt N24.

15 Jahre vergingen, seit eine private Initiative den Bau eines Konzertsaals in der Hafencity vorschlug, 2007 schloss man die Verträge. Eigentlich sollte der Bau 2010 fertig sein. Doch aus drei Jahren Bauzeit wurden beinahe zehn.
Und jetzt wurde unter Applaus und dem Staunen von Kulturfreunden aus aller Welt die Eröffnung gefeiert.

Ole von Beust, Hamburgs Erster Bürgermeister bis 2010, hatte „einen der besten Konzertsäle der Welt“ versprochen – „und das ist die Elbphilharmonie tatsächlich geworden“, so heißt es in der Welt weiter. „Mehr als das: Sie wurde der erhoffte kulturelle Leuchtturm für die Hansestadt, ein großartiges Bauwerk und ein glänzendes Beispiel dafür, welchen Zauber moderne Architektur in ihren besten Momenten entfalten kann.“

Und dieser als Lokalpatriotismus ausgegebener Größenwahn verbreitet sich auch in anderen Redaktionen, im Rathaus, in den Kontoren und Villen zwischen Elbchaussee und Harvestehude. Hamburg soll nicht mehr die „schlafende Schöne“ sein, wie Helmut Schmidt seine Heimatstadt einst nannte, sondern pulsierende Weltmetropole. Die gescheiterte Olympiabewerbung war eine Schlappe für Scholz, seit 2011 Erster Bürgermeister der Hansestadt. Die Elbphilharmonie soll diese vergessen lassen, der G-20-Gipfel im Juli 2017 endgültig Hamburgs Namen in alle Welt tragen.

Dabei ist der Bau der Spielstätte zu einem Desaster geworden und das nicht nur wegen ihrer enormen Bauverzögerung. Waren die Baukosten am Anfang auf rund 186 Millionen Euro veranschlagt worden, soll der als Hamburger Wahrzeichen gedachte Neubau am Ende 866 Millionen Euro kosten. Davon muss die Stadt Hamburg laut Senat 789 Millionen Euro beisteuern – zehn Mal so viel, wie zu Beginn diskutiert wurde.

Angesichts des sonst wütenden Sparwahns und wachsendem Elends in der Hansestadt: Der Senat bekommt die Wohnungsnot nicht in den Griff, Obdachlosigkeit und Armut wachsen, die Infrastruktur verfällt und daher sind die Ausgaben für den Luxusbau nichts anderes als pervers zu bezeichnen.

Doch „Hamburg feiert – und alle Kosten sind vergessen“ betitelt Rainer Haubrich fröhlich seinen Artikel in der Welt.

Ich kann die Kosten nicht vergessen“, kommentiert ein Leser und ein anderer: „Ist doch klar das bei der Feier die Kosten keine Rolle mehr spielten! Zur Eröffnung waren nur unsere „Eliten“ geladen von Politik und Wirtschaft, für beide spielte der Preis nie eine Rolle! Man feiert sich selbst und der deutsche Steuerzahler der dieses Elb-Versailles bezahlen muss, darf draußen vor dem Zaun höchstens den Promis zuwinken!“

Die 595 unterschiedlich gekrümmten Scheiben der an eine Welle erinnernden Glasfassade haben laut Wikipedia etwa 72.000 Euro gekostet. Im Hotel des Gebäudes, das der Steuerzahler mit rund 210 Millionen Euro indirekt subventioniert, koste ein Zimmer pro Nacht 295 Euro und mehr. Und die 45 Wohnungen im Komplex gehören mit bis zu zwölf Millionen Euro Kaufpreis zu den teuersten in Hamburg. Trotzdem wird der Bürgermeister nicht müde, die „ElPhi“, wie sie nun liebevoll genannt wird, als „Haus für alle“ anzupreisen.

Ich würde ja gerne jetzt schon glauben, dass die Elbphilharmonie beides sein kann: Aushängeschild und Haus für alle“, kommentiert Norbert Hackbusch, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, in der aktuellen Stunde, „aber ehrlich gesagt, bin ich noch nicht überzeugt. Dafür müsste erst mal klar sein: Der Zugang zur Plaza bleibt uneingeschränkt frei, die Konzertkarten aller Sparten bleiben günstig und das Programm öffnet seine Genre – Grenzen – auch zur freien und interkulturellen Szene hin. Aber das kann ja noch werden. Daran zu arbeiten sehen wir als unsere Aufgabe.“

Keine Frage, der große Saal scheint bemerkenswert geworden zu sein und die Akustik beeindruckend, doch was die Stadt groß macht, ist gut für all ihre Bewohner, ist die grundfalsche Annahme, die Hamburgs Politik ebenso prägt, wie die fast aller anderen Kommunen des Landes.

Statt einer „Ikone“ ist die Elbphilharmonie daher eher ein Wahrzeichen für die Schattenseiten eines wahnsinnigen Wettbewerbs der Metropolen um Prachtentfaltung und unqualifiziertes Wachstum; für eine neoliberale Politik, bei der sich die Taschen weniger füllen und die meisten verlieren.