Kein Fußbreit der AfD – 8000 Menschen setzen ein Zeichen für ein buntes Münster

Gamze Ardic

Am 10. Februar blickte Deutschland auf die Stadt Münster, in der 8000 Menschen ein ganz klares Zeichen für ein friedliches und buntes Deutschland gesetzt haben.

Der Protest galt der Alternativen für Deutschland, die ihren Neujahrsempfang im Festsaal des historischen Rathauses abhielt, in dem 300 angemeldete Gäste empfangen wurden.

Dieser Neujahrsempfang hätte wohl nicht so viel Aufmerksamkeit erregt, wären die Vorstandsvorsitzende der AfD Frauke Petry und der NRW AfD-Sprecher Markus Pretzell hierzu nicht eingeladen worden.

Empfangen wurden sie vom AfD Ratsherrn Martin Schiller unter Anderem mit den Worten „Ich freue mich, dass Sie Mut haben, hier heute Gesicht zu zeigen, die ganzen Diffamierungen und Beschimpfungen da draußen über sich ergehen lassen und trotzdem bei uns sind. Welche Partei in dieser Stadt erwünscht ist oder unerwünscht, das entscheidet immer noch der Wähler.“

Nachdem hier und da Anti-AfD-Aussagen des Fussballvereins SC Preußen Münster und AfD-Kritikern durch den Kakao gezogen wurden, folgten Reden von Frauke Petrys und ihrem Ehemann Pretzell.

Petry begrüßte ihre ,,Mutbürger“ und begann mit der Behauptung, dass die Urkatastrophe der deutschen Geschichte damit begann, als der Frieden des 30- jährigen Krieges in Münster geschlossen wurde. Weiterhin machte sie keinen Halt vor ihrer Sympathiebekundung mit Donald Trump und dessen Wahlspruch ,,We want our country back“, der ganz klar eine Kampfansage gegen Migranten ist und somit Fremdenfeindlichkeit impliziert, mit der sie voll und ganz übereinstimmt. Ihrer Meinung nach ist es ,,das Versprechen, dass Sicherheit und Recht und Freiheit nur in existierenden und gesicherten Grenzen umgesetzt werden“ können. Ferner betonte sie, dass die große Koalition weiterhin ,,unser Land“, das für sie kein Multikulturelles sein soll, mit ihrer Politik in den Ruin treibe. Das aber nicht alle dem zustimmen, zeigte sich vor allem draußen mit 8000 Menschen, die mit Buhrufen ihren Unmut kundtaten.

Da die AfD mit einem Sitz im Stadtrat vertreten ist, war eine Verweigerung der Vermietung des Saals an die AfD nicht möglich. Mehrfach waren zuvor geplante AfD-Veranstaltungen in Münster daran gescheitert, dass Gastwirte bereits erteilte Raumzusagen nach Protesten aus der Bevölkerung wieder zurückzogen.

So laut auch der Beifall im Saal war, die Buhrufe und laute Stimmung außerhalb des Ratshauses übertönten ihn. 8000 Menschen sind dem Aufruf von Kirchengemeinden, Gewerkschaften, linken Gruppen und des Integrationsrats gefolgt und versammelten sich vor dem Ratshaus, um ein klares Zeichen für ein buntes Münster zu setzen.

Zusätzlich zu den aktivistischen Protesten hatten Geschäftsleute am zentralen Prinzipalmarkt ihre Hausfassaden mit Europa-Flaggen behangen und am Abend ihre Beleuchtung ausgestellt. Auch sie wollten damit ein Zeichen für eine ,,friedliche und weltoffene“ Stadt setzen. Friedlich und lautstark, so verlief diese Gegenveranstaltung.

Es gilt: Weiterhin Einhalt gebieten!

Die Gegenveranstaltung stieß auf einige Kritik, da man der AfD damit vermeintlich mehr Aufwind statt Gegenwind verschaffen würde. Aber stillschweigend alles hinnehmen und nichts zu unternehmen kann und darf keine Option sein, zumal die Geschichte lehrt, wozu Stillschweigen führen kann. Besonders in einer Zeit, in der sich die Lebensumstände, für einen sehr großen Teil der Gesellschaft vehement verschlechtern, steigen die Zukunftsängste. Hartz 4, Arbeitslosigkeit, kaum vorhandene Ausbildungsplätze usw., all das schafft den Nährboden, auf dem der Rassismus gedeiht. Auch die AfD, die mit angeblichen Lösungen solcher Probleme, die sich in ,,das Boot ist voll“ und ,,Grenzen zu“ äußern, versucht, diesen Großteil der Gesellschaft zu instrumentalisieren. Sie schürt Ängste und bedient sich rassistischen Ressentiments. Daher gilt es weiterhin rechtspopulistische Strukturen Einhalt zu gebieten, um vor allem deutlich zu machen, dass Solidarität und nicht die AfD eine Alternative ist und die Grenzen nicht zwischen Nationalitäten sondern zwischen arm und reich verlaufen.