H&M: Ausbeutung egal ob Südostasien oder Deutschland!

Nachdem das Militär Anfang 2016 nach einer jahrzehntelangen repressiven Diktatur in Myanmar einen Teil der Macht an die Nationale Liga für Demokratie (NLD) übergab, gab es einen gewaltigen Zuwachs der Textilindustrie. Damit zusammenhängend und ganz in der Natur des Kapitalismus liegend, fingen die Textilarbeiterinnen an, sich zu organisieren. Die durch das Militär geöffnete Wirtschaftstür wird zurzeit von der neuen politischen Macht noch breiter aufgestoßen.

Das Projekt „Smart Myanmar“, das durch die Europäische Union gefördert und auch gleichzeitig mit der weltweit tätigen Entwicklungsorganisation der deutschen Industrieverbände „sequa gGmbH“ sowie der staatlichen „Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) gemeinsam geleitet wird, versucht durch Werbung eine nachhaltige Textilindustrie mit sicheren und sozialen Arbeitsplätzen, niedrigem Energie- und Wasserverbrauch und Abfallrecycling vorzutäuschen. Dass die Welt aber nicht so aussieht, wie in den Werbeprospekten vorgelogen, wissen die meisten aber schon längst.

14 Stunden, 2,50 Euro pro Tag = 60 Euro pro Monat !

Das Niedriglohnland in Südostasien ist eines der Länder mit den geringsten „Arbeitskosten“ auf der Welt. Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei etwa 2,50 Euro pro Tag. Für die Arbeiterinnen bedeutet das: zusätzliche Überstunden, da der Tageslohn sonst bei Weitem nicht zum Leben ausreicht. Somit hat ein Arbeiter im Durchschnitt täglich 14 Stunden zu schuften. Nach der Studie der niederländischen Organisation SOMO sind die Niedriglöhne der Grund für die stark wachsende Textilindustrie in Mynamar und auch Betreiben von Kinderarbeit. Auch dadurch, dass die Löhne in China, Taiwan, Kambodscha, Vietnam und Südkorea im Vergleich zu 60 Euro Monatsgehalt in Myanmar zu „teuer“ sind, schafft das Land die besten Voraussetzungen für die Firmen und wächst dadurch immer weiter als Textilstandort. Um genau zu sein sind es mehr zur Zeit als 400 Fabriken mit 400000 hauptsächlich Arbeiterinnen. Kleidung der weltbekanntesten Marken werden dort hergestellt: Unter anderem Gap.Inc (USA), H&M (Schweden), Adidas (Deutschland) sowie Aldi, Tchibo, Jack Wolfskin und viele weitere.

Die Wut der Arbeiterinnen schlägt in eine Welle des Protests um

Solche Zustände von extrem geringen Arbeitskosten und damit einhergehend Mindestlöhne, die den Menschen nicht zum Überleben ausreichen, sorgen für soziale Unruhen unter den Arbeitern. Proteste gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in mehreren Fabriken flammen täglich auf. Von den Gewerkschaften wird die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohn von etwa 2,50 Euro auf 3,86 Euro pro Tag gefordert. Den führenden Arbeitskampf führt die Belegschaft des chinesischen Unternehmens Hundred-Tex, das für H&M produziert. Wegen der massiven Entlassungen trotz steigender Auftragslage sowie den nicht gezahlten Gehältern brachten die Arbeiterinnen ihre Wut mit dem Zerschlagen von Maschinen, Fahrzeugen und Überwachungskameras zum Ausdruck. Auch ein chinesischer Fabrikmanager wurde von den Arbeiterinnen verprügelt. Seither herrscht in dieser Fabrik der Ausnahmezustand. Dieser Vorfall spitzte sich schließlich zu, als ausstehende Zahlungen für die Überstunden nicht getätigt wurden, die sich etwa um einen Wochenlohn eines jeden Arbeiters handelten. Als viele Arbeiterinnen wegen des „unerlaubten Fernbleibens vom Arbeitsplatz“ gekündigt wurden, hatten sie erst recht die Nase voll. Der Streik und die Aufstände sprangen auf andere, sich in der Umgebung befindende Fabriken. Dadurch entstand eine breite Protestwelle gegen die miserable Bezahlung und die schlechten Arbeitsbedingungen.

Solidarität mit den Textilarbeiterinnen

Mit den üblichen Phrasen „es ist von größter Wichtigkeit für uns, dass all unsere Produkte unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden“ und „Kinderarbeit ist absolut unakzeptabel“, versuchte sich der Konzern reinzuwaschen und fügte hinzu, dass sie gerne selbst für bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken sorgen würden aber alleine keine Löhne und Arbeitsbedingungen regeln könnten. Zusätzlich erklärte der Konzern, dass man die Lage beobachte und mit allen Beteiligten im Dialog stehe und fügte hinzu, dass man „jede Form von Gewalt“ verurteile. Zu diesem Ausnahmezustand kam es aber nur dadurch, weil eine ständige Profitmaximierung im Focus steht und dafür die menschliche Arbeitskraft bis auf die Knochen ausgebeutet wird.

Auch in Europa wird getrickst und gemogelt

Wer glaubt, dass die Bedingungen in Europa im Gegensatz zu denen in Südostasien besser sind, hat eine schöne Illusion im Kopf, denn auch wenn die Umstände nicht zu vergleichen sind, muss man sich dessen bewusst sein, dass die Konzerne auch hier keinen Halt machen, um ihre Gewinne zu maximieren. Z.B. sind hier in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen nur noch „auf Abruf“ beschäftigt, die meistan davon im Einzelhandel. Die Beschäftigten müssen sehr flexibel sein und immer kurzfristig zur Verfügung stehen. Darunter leidet neben der Psyche und der Familie natürlich auch das Einkommen, denn das Gehalt schwankt dementsprechend auch jeden Monat. Mal sind es 400 und im nächsten Monat vielleicht 1000 Euro. Gerade für Familien ist es sehr schwierig, damit umzugehen, da sie nicht langfristig planen können. In den vergangenen Jahren kam es dazu, dass sich die Zahl solcher Arbeitsverhältnisse fast verdoppelt hat. Die Zahl der Auf-Abruf-Beschäftigten bei den H&M-Mitarbeitern war 2011 noch bei 22 % und stieg im letzten Jahr etwa auf 42 %. Umgekehrt ist die Beschäftigung der Vollzeitbeschäftigten von 48% auf 26% gesunken. Den einzigen Nutzen von solch „flexiblen“ Arbeitsverhältnissen ziehen nur die Firmen, die in Myanmar für Hungerlöhne produzieren lassen und hier durch Senkung der „Lohnnebenkosten“ den Profit maximieren.