Migrantenkinder als Zielscheibe

Eren Gültekin

Wieder wird der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Schulklassen zu einem Top Thema in den Medien und in der Politik. Zuletzt war es 2015 der Fall, als viele minderjährige Geflüchtete in Deutschland ankamen. Und wieder, wie vor 2 Jahren, ist es Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU), die die Debatte einleitet. Frau Wanka sprach sich dafür aus, den Migrantenanteil in den Klassen zu begrenzen. Mit dem Ziel, dass sich dabei eine erfolgreiche Integration herbeiführen würde. „Ich bin gegen eine starre Quote, denn die regionalen Unterschiede sind groß. Klar ist aber, dass der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund möglichst ausgewogen sein muss.“ Es sollte keine Klassen geben, in denen der hohe Migrantenanteil dazu führe, dass Schüler untereinander vorwiegend in ihrer Muttersprache sprechen. Das erschwere die Integration. Soweit ist die Begründung akzeptabel.

Kritik von Verbänden und Politikern

Der Verband Bildung und Erzieherin (VBE) beschrieb den Vorschlag der Bundesbildungsministerin als „abstrus und illusorisch“ und begründet dies damit, dass das bedeute, dass man bereits bestehende Klassen in Stadtteilen mit einem hohen Anteil von Familien mit Zuwanderungsgeschichte komplett auflösen müsse. Damit man bestimmte Quoten erreichen könne, müssten die Kinder mit Bussen auf andere Stadtteile verteilt werden. Auch der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Özcan Mutlu, kritisiert dieses Vorhaben. „Wer die Zahl der Migrantenkinder in Schulklassen mit Obergrenzen versehen will, verkennt die Realität in unserem Land.“ und verwies auf die dringende fehlende Investition in die Bildung. Ebenso widersprach auch die Ministerin für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz, Stefanie Hubig (SPD), dieser Forderung und ging einen Schritt weiter. Die Forderung, dass Eltern aus Migrationsfamilien mit ihren Kindern zu Hause Deutsch sprechen sollen, sei in den meisten Fällen kontraproduktiv, weil die Sprachunsicherheit der Eltern die Kinder verwirre.

„Türkenklasse“: Gedanken des Alltagsrassismus in der Schule

Immer wieder stehen Migrantenkinder als Zielscheibe für Defizite im Bildungsbereich und werden als eine Bildungsbremse für deutsche Schüler angesehen. Viele Eltern versuchen Schulen und Klassen mit einem hohen Migrantenanteil zu vermeiden, das gilt nicht nur für Deutsche. Eltern, die sich das leisten können, ziehen in bessere Stadtteile und Bezirke mit einem geringeren Migrantenanteil, um den Kindern eine bessere Chance auf eine gute Bildung und Ausbildung zu geben. Die Frage nach einer besseren Bildung ist eng gekoppelt mit der Frage der sozialen und ökonomischen Sicherheit der Familie. Quoten mögen eine Möglichkeit sein, um Defizite anzupacken, gänzlich aus der Welt schaffen werden sie sie niemals, solange soziale und ökonomische Unterschiede so groß sind. Daraus ein ethnisches Problem zu machen, geht am Kern der Sache vorbei und führt nur zu der falschen Schlussfolgerung des bereits stark verbreiteten Alltagsrassismus in Schulen. Statt sich abschrecken zu lassen und Kinder nicht auf Schulen mit hohem Migrantenanteil zu schicken zu wollen, sollte man fordern, dass die Politik mehr Geld in die Bildung investiert und Möglichkeiten des besseren Miteinander-Lernens umgesetzt werden. Das Problem sind die überfüllten Klassen, Lehrermangel, fehlende Sozialarbeiter und Ganztagsangebote und das Bildungssystem an sich, welches Kinder in frühem Alter selektiert und damit von Anfang an schon den Weg zu einem Studien- oder Ausbildungsplatz versperrt.