Wie sollte Schule heute sein und wie ist sie…

Suphi Sert

Die Theorie ist meistens viel weiter als die Praxis. Vor allem, wenn es um das deutsche Bildungssystem geht. Wir wissen seid jeher, dass sich soziale Ungleichheit im Bildungsbereich in Schule und Uni auswirkt. Wir wissen eigentlich auch, was nötig ist, um schwache und leistungsstarke Schüler in einer Klasse gleichzeitig zu fördern. Umgesetzt wird allerdings hiervon wenig, meisten werden irgendwelche Studienergebnisse in einer Fachsprache wiedergegeben, so dass es genau diejenigen, um die es geht, nicht beachten. So ist Inklusion ein immer größer werdendes Thema an deutschen Schulen, was eigentlich nur bedeutet: „Gemeinsame Beschulung von Regelschülern und Schülern, welche einen Förderschwerpunkt zugewiesen bekommen haben (Leistungsschwach, emotional und sozial auffällig oder sprachliche Probleme). Wir hören auch oft was zu dem Begriff: „Heterogenität“, seien es Studien zum „Umgang mit Heterogenität im Unterricht“ oder aber von Bildungspolitikern. Dieses Wort steht eigentlich nur für „Vielfalt“.

Eines unserer größten Probleme ist der Wechsel von der Grundschule auf weiterführende Schulen, wobei hier angeblich nach Leistungsfähigkeit aufgeteilt wird. Seid sehr langer Zeit ist allerdings sowohl der Forschung als auch der Politik bekannt, dass dies unwahr ist. Dieser Prozess und Übergang ist weder sozial, noch leistungsmäßig fair. Dies zeigen zahlreiche deutsche und internationale Studien. Nicht ohne Grund haben viele Länder dieses Prinzip aufgegeben. Das Leistungsspektrum innerhalb einer Schulart (bspw. im Gymnasium) ist viel zu groß, es ist nicht wirklich ersichtlich, wie hier nach Leistungsstärke nach der 4. Klasse getrennt wird. Eine eindeutige Aufteilung ist also nicht möglich. Zudem ist und bleibt seit jeher der soziale Einfluss beim Übergang sehr hoch. Somit sind Akademikerkinder zumeist eher auf Gymnasien als Kinder von Arbeitern oder Eltern mit Hauptschulabschluss. Kinder mit einem Migrationshintergrund sind anteilig weiterhin schwach auf Gymnasien vertreten.

Viele Studien haben nachweislich auch gezeigt, dass die Intelligenz von Kindern und Schülern durch anspruchsvollen Unterricht und mehr Möglichkeiten angeregt werden kann. Also ist die Intelligenz eines Kindes auch davon abhängig, ob das Kind nach der Grundschule auf eine Hauptschule oder auf ein Gymnasium geschickt wird. Denn eines ist klar, die Möglichkeiten auf einer Hauptschule einen anspruchsvollen Unterricht zu bekommen sind wesentlich geringer, wie auf dem Gymnasium. Bevor also überhaupt die Leistungsfähigkeit wirklich richtig feststellbar bei einem Kind ist, wird dieses schon nach wesentlich anderen Kriterien, wie soziale Herkunft, auf eine Schulart verteilt. So werden Schülern ihre Zukunft und Möglichkeiten verbaut. Die ärmeren haben also kaum noch Chancen auf eine gute Bildung. Nicht umsonst werden sie kaum Kinder aus einem reichen Elternhaus auf einer Förderschule mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung finden. Immer, wenn eine Schulform gewechselt wird, kommt es zu einer sozialen Ungleichheit.


Statischer Unterricht ist nicht möglich

Im heutigen Bildungssystem (gegliedertes Schulsystem) geht man immer noch davon aus, dass alle Kinder in einer Klasse die gleichen Voraussetzungen im Gepäck haben. Also ein statischer Unterricht möglich ist, dem ist aber nicht so und dies wird jeder wissen, der schon einmal in einer Klasse stand und unterrichtet hat oder unterrichtet wurde. Es muss immer differenziert werden im Unterricht, heißt die lernstarken Schüler dürfen nicht unterfordert werden und sich langweilen und die schwachen brauchen die Möglichkeit, sich langsam steigern zu können.

Hierfür wäre es eigentlich nötig, dass zwei Lehrer in einer Klasse unterrichten, aber leider wird dies nicht einmal in den sogenannten Inklusionsklassen auf den Regelschulen wirklich umgesetzt. Obwohl dies so sein sollte und die Kinder ein Anrecht hierauf hätten. In den Schulen fehlt pädagogisch geschultes Fachpersonal, auf die Lehrer jederzeit zurückgreifen können. Diese könnten im Unterricht bei Problemen behilflich sein oder aber bei Kleingruppenarbeiten, für Schüler die nicht richtig mitkommen und einen Rückstand haben. Momentan wird einfach gewartet, bis der Rückstand groß genug ist und der Schüler muss die Klasse wiederholen. Eine Geschwindigkeit, ein Thema und dies für 25 bis 30 Kinder in einer Klasse gleichzeitig kann einfach nicht realisiert werden und entspricht keiner Logik.