Verliert Erdogan das Vertrauen der Jugend?

Pinar Aki

Eine deutliche Mehrheit der türkischen Jugend ist mit den sozialen und politischen Entwicklungen im eigenen Land (sehr) unzufrieden. So lautet das Ergebnis einer Jugendstudie, die im Auftrag des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Türkei erstellt wurde. Die türkische Niederlassung der in Nürnberg ansässigen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) befragte dafür mehr als einen Monat lang ausführlich 2.600 Jugendliche und junge Erwachsene aus 26 türkischen Provinzen. Nur sieben Prozent der Befragten bekundeten demnach regelmäßiges Interesse für das politische Geschehen in der Türkei, die seit 2002 von Präsidenten Recep Tayyip Erdogan regiert wird. Dagegen gaben 64 Prozent an, sich kaum oder nie dafür zu interessieren. Ein sehr überraschendes Ergebnis, wenn bedacht wird, dass diese Umfrage in die Endphase vor dem Verfassungsreferendum Mitte April fiel. Die AKP verurteilte in dieser Zeit Gegner der Verfassungsänderung als „Terroristen und Volksverräter“. Mit solchen Ergebnissen hätte der machtgierige Sultan nach seinem knappen Wahlsieg im April bestimmt nicht gerechnet. Nachdem er nun auch die Verfassung ändern konnte, wie es ihm gefällt und seine Gegner entweder einbuchten lässt oder sie der Polizeigewalt übergibt, glaubte „Erdowahn“ vermutlich, er sei die Nummer 1 auf der Welt.

Bei der Umfrage zum „Vertrauen in staatliche Institutionen und Ämter“ landet der Staatspräsident selber nur auf Platz fünf. Das größte Vertrauen brachten die Befragten demnach mit 53 Prozent Wissenschaftlern entgegen. Auch die Armee mit 50 Prozent sowie Parlament und Universitäten schnitten besser ab, als der Staatspräsident, dem der Befragung zufolge nur 44 Prozent vertrauen. Weiterhin wurden die Jugendlichen befragt, wie es im ihr Vertrauen anderen Politikern und den Medien gegenüber steht: 17 Prozent der 2600 Befragten vertrauten ihnen, der Presse sogar nur 16 Prozent. Noch weniger vertrauen sie der EU mit 14 Prozent. Am schlechtesten steht es um die Nato mit nur 13 Prozent. Da kann sich Erdogan ja noch einigermaßen glücklich schätzen, dass er mit 44 Prozent seinen Platz im oberen Drittel der Rangliste einnimmt. Nach ihren Träumen und Plänen befragt, gaben laut FAZ mit 39 Prozent die meisten „reich werden“ an, 37 Prozent „heiraten“. Bei der Frage nach den Werten hätten 68 Prozent „Familie“ als Antwort gewählt, zehn Prozent „religiöse Werte“. Nur ein einziges Prozent nannte die „wahre Liebe“.