Schulsponsoring durch die Hintertür

Tuğba Bakırcı

Ab 2020 soll es in NRW das Fach „Wirtschaftslehre“ geben. Die Koalition von CDU und FDP betrachtet das Fach als eine große Notwendigkeit. Aber auch Wirtschaftsvertreter und einige Bildungsforscher sehnen sich schon seit längeren nach diesem Fach. Denn das Thema wird ihrer Meinung nach nicht ausreichend an den Schulen thematisiert und meist bleibt es die Aufgabe von Lehrern, die das Fach nicht studiert haben. Auch werde das Thema „in Schulbüchern negativ dargestellt“. Michael Schuhen vom Zentrum für ökonomische Bildung der Uni Siegen meint, dass das Thema zwar in den jetzt vorhandenen Schulbüchern vorkomme aber nur eine bestimmte Perspektive darstelle. Beispielsweise sei in den Geschichtsbücher die Haltung gegenüber Unternehmern eher negativ. Denn FDP und Befürworter des Faches Wirtschaft kritisieren, dass in der Schule die Wirtschaft eher kritisch behandelt werde. Daher wollen sie die Wirtschaft aus Sicht der Konzerne vermitteln und nicht aus humanistischen Gründen.

Wirtschaftslobby und Studiengebühren
Nicht einmal ein Monat ist seit den Wahlen in NRW vergangen, schon müssen sich die Jugendlichen um ihre Bildung sorgen machen! Denn Studiengebühren werden ebenfalls geplant. Nichts von Sanierung der heruntergekommenen Schulen, kostenloses Mittagessen, mehr Lehrerkräfte und Schulsozialarbeiter. Klar und konkret sind diese Forderung, außer dem Fach „Wirtschaft“ ist eher wenig zu sehen. Also: Wessen Interessen werden hier dann eigentlich von CDU und FDP vertreten? Die großen Konzerne und Unternehmen müssen nicht bis 2020 warten; auch schon heute vereinbaren Konzerne mit Schulen Partnerschaften, Kooperationen oder bieten Bildungswettbewerbe an, an denen Schulen teilnehmen und Geld für ihre Schulen gewinnen können. Viele große Konzerne erstellen auch eigene Lehrbücher, allein Siemens verteilte innerhalb von vier Jahren mehr als 60.000 Lehrmaterialien an Schulen. Für diese ist es eine Form von Entlastung und für die Großkonzerne eine große PR-Aktion für sich selbst. Und für die Schüler hat es enorme Nachteile, die Organisation LobbyControl appelliert, dass die verdeckte Meinungsbeeinflussung bei den Jugendlichen zu Verzerrung bei der Urteilsbildung führen kann.

Das Rad neu erfinden
In den Schulen wird das Thema Wirtschaft zur Zeit in Fächern wie Sozialwissenschaften, Geschichte oder auch in Erdkunde gelehrt. Für das neue Fach soll zunächst ein Lehrbuch neu verfasst werden. Dafür arbeiten Lobbyisten bereits an einem Entwurf. Die Schulen sollten primär die Jugendlichen für das Thema sensibilisieren und ausreichend informieren, bevor man ihnen beschönigt und verzerrt (!) erklärt, wie ein Unternehmen erfolgreich wird, frei von Ethik und Moral.