Die Ausstellung: 150 Jahre „Das Kapital“

Sedat Kaya

Es wurde in fast alle Sprachen übersetzt und prägt wie kein anderes Werk die internationale Arbeiterbewegung bis heute: vor 150 Jahren, im Jahre 1867, wurde der erste Band des „Kapital“ von Karl Marx im Otto-Meisner-Verlag in Hamburg gedruckt. Anlässlich dieses Jubiläums findet im Museum der Arbeit in Hamburg vom 6. September 2017 bis zum 4. März 2018 eine Sonderausstellung statt. Die Ausstellung führt in fünf Kapiteln von der Entstehung des Buches bis hin zur Frage, ob es sich heute noch zu lesen lohnt.

Die Ausstellung zeigt in dem ersten Kapitel „Schreiben“ neben persönlichen Dokumenten wie die Geburtsurkunde, das Doktordiplom oder Portraits von Marx und seiner Familie, seinen regen Briefverkehr mit Friedrich Engels, mit dem er Zeit seines Lebens eng zusammengearbeitet hat. So auch während der Fertigstellung des „Kapital“, als Marx aus London am 2. April 1851 an Engels schreibt: „Ich bin so weit, dass ich in 5 Wochen mit der ganzen ökonomischen Scheiße fertig bin“. Doch seine Arbeit verzögert sich weiter, denn 15 Jahre später, am 7. August 1866, schreibt er erneut an Engels: „Leider bin beständig durch social troubles unterbrochen und verliere viele Zeit“. Knapp ein Jahr später und nach über 20 Jahren Arbeit an dem Werk, macht sich Karl Marx am 10. April 1867 endlich mit dem fertigen Manuskript des ersten Bandes zu seinem Verleger nach Hamburg auf. Im zweiten Kapitel der Ausstellung „publizieren“ wird ein Brief von Marx an Engels gezeigt, bei dieser über seine abenteuerliche Schiffsfahrt sowie von seiner Zusammenkunft mit dem Verleger Otto Meisner, der den Vorschlag gemacht hat Marx Werk in drei Bänden zu verlegen und das erste Band in einer ersten Auflage von 1.000 Exemplaren zu drucken. Auch liegen hier mehrere Originalexemplare vor.

Im dritten und vierten Kapitel „Lesen“ und „Begreifen“ werden zentrale Begriffe des Kapitals wie z.B. „Ware“, „Arbeit“, oder „Kapital“, anhand anschaulicher Installationen erklärt und in Beziehung zu unserem Leben gesetzt. Hier ist der Besucher in der Lage aktiv die Inhalte des Kapitals zu entdecken. So zum Beispiel bei einer Installation zum Begriff „Akkumulation“: Hier kann der Besucher den „Mehrwert“, kurz gesagt den Profit, den sich der Kapitalist aus der menschlichen Arbeitskraft in die Tasche steckt, in Form von Bauklötzen stapeln, also „akkumulieren“ bis der Stapel zu groß wird und zusammenbricht, also eine „Krise“ eintritt. In dieser Form gibt die Ausstellung ein anschauliches Bild von Marx Analyse der ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnisse.

Im letzten Kapitel „Diskutieren“ können die Besucher ihre eigenen Gedanken einbringen. So sind hier an einer Wand die Stichworte „Waren“, „Arbeit“, „Verteilung“ und „Alternativen“ zu lesen. Unter diese können die Besucher kleine Zettel mit eigenen Gedanken anbringen. Insbesondere die Zettel unter dem Stichwort „Alternative“, die zur Diskussion über alternative Gesellschaftsformen zur heutigen Gesellschaft anregen soll, zeigen sehr gut wie groß die Bandbreite an Besuchern und deren Eindrücke von der Ausstellung sind. Denn hier finden sich sowohl Zettel mit den Worten „lokale Produkte kaufen“ oder „bewusster leben“, sowie „Revolution“ oder „Sozialismus“.

Ob und wie die Probleme in unserer Gesellschaft heute zu lösen sind, dass lässt die Ausstellung aber bewusst offen. In jedem Fall lohnt sich ein Besuch, um möglicherweise doch mit Marx einen Schritt weiter zu kommen, die Probleme unserer Zeit zu lösen.