Nach „Die Rekruten“ jetzt die zweite Propaganda-Show

Dilan Baran

Die Web-Serie „Die Rekruten“ der Deutschen Bundeswehr war mit über 44 Millionen Aufrufen ein Überraschungshit. Die Bundeswehr zeigt deshalb seit dem 16. Oktober ein neues Format, das Soldaten im täglichen Einsatz begleitet. Das Verteidigungsministerium stellte für die Produktion dessen ein Millionen-Budget bereit.

Während in 90 a 5 Minuten Episoden von „die Rekruten“ ein Filmteam Soldaten bei ihrer Grundausbildung begleitete, berichten in „Bundeswehr exclusive ‚Mali’“ erstmals deutsche Soldaten direkt von einem Auslandseinsatz. Aus der Wüste Malis.

Mit dem Projekt will die Bundeswehr Rekruten gewinnen und den Zuschauern klar machen, warum Auslandseinsätze des deutschen Militärs auf dem gesamten Globus (mittlerweile insbesondere in Afrika) selbstverständlich sein müsse. Laut Bild, dem privaten Produktionspartner des Verteidigungsministeriums, sind das Islamistische Räuberbanden, die die Welt tyrannisieren.

Heldenhaft kämpfen „unsere“ Jungs und Mädels nämlich nur für das Gute – gegen Islamisten und für den Aufbau eines zivilisierten Staates – ist das Bild, was „Bundeswehr exclusive“ zeichnet und womit immer wieder Auslandseinsätze von der Bundesregierung legitimiert werden.

Von Geld und Macht ist dabei freilich ebenso wenig die Rede, wie von der eigenen Verantwortung für Staatszerstörung, Tote oder Umweltkatastrophen. Beispiel? Der 2011 von den NATO-Freunden (Frankreich, Großbritannien und USA) in Libyen geführte Feldzug gegen Staatsführer Muammar Al-Ghaddafi, in diesem Fall mit Hilfe islamistischer Räuberbanden. Seitdem ist der libysche Staat zerfallen und alle südlichen Nachbarn wie Mali kämpfen mit den bewaffneten Söldnern, die von dort aus über sie herfielen, um ihre Existenz.

Am 28. Februar 2013 beschloss der Bundestag erstmals die Entsendung von Soldaten nach Mali.

Seitdem ist man dort nicht willkommener Gast. Zuletzt am 26. Januar 2017 verlängerte das Parlament das Mandat für die „Stabilisierungsmission“ Minusma unter UN-Führung. Der Einsatz gilt als einer der gefährlichsten der Welt. Die Truppe ist immer wieder tödlichen Angriffen ausgesetzt.

„Eine klar umrissene Aufgabe hat die Truppe unter diesen Umständen nicht. Sie ist faktisch in ihrem Camp eingeschlossen. Einerseits pocht Berlin auf Bedingungen, um seine Stellung im von Frankreich dominierten Westafrika aufzuwerten; andererseits soll eine deutsche Beteiligung einen französisch-britischen Alleingang à la Libyen verhindern. Ein solcher Alleingang gilt in Berlin als Gefahr, weil Paris und London ihre Militärkooperation seit einigen Jahren stark ausbauen, was in der deutschen Hauptstadt – nicht zu Unrecht – als Versuch gesehen wird, der deutschen Vorherrschaft über die EU zumindest auf militärpolitischem Gebiet zu entkommen. So hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu Mali einerseits erklärt, Frankreich habe bei seinen Operationen in Mali Berlins „volle politische Unterstützung“, andererseits müsse aber, wenn die Bundeswehr sich an der Intervention beteiligen solle, „Klarheit darüber herrschen, wer das Land führt“.

Weniger heldenhaft, sondern erschreckend tragisch ist also, wenn man sich klarmacht für wen und was „unsere“ Jungs und Mädels dort in Wahrheit ihr Leben lassen. Und mit welcher ekelerregenden Abenteuerromantik in einer Soap dafür geworben wird. Nicht auszudenken, zudem wie viel Sinnvolles man mit den Milliarden sowohl für den Bundeswehreinsatz als auch für die Werbeproduktion stattdessen tun könnte.