Fachkräftemangel – aber ausbilden möchte niemand!

Anfang November veröffentlichte die Arbeitsagentur in Nürnberg die Zahlen zum Ausbildungsmarkt 2016/17, demnach suchen noch immer über 80.000 Jugendliche einen Ausbildungsplatz. Zudem sind über 300.000 Jugendliche in Maßnahmen und überbrücken sich die Zeit zwischen Schule und Ausbildung.

Tugba Bakirci

Es gibt sie noch, die halbwegs guten und sicheren Ausbildungsplätze für junge Erwachsene, doch diese werden immer weniger. Gleiches gilt auch für Arbeitsplätze. Etwa zwei Millionen Menschen zwischen 20-34 Jahren haben keine Berufsausbildung und sind von Erwerbslosigkeit betroffen. In Nordrhein-Westfalen haben mehr als 20.000 Bewerber keine Lehrstelle, im Gegenzug dazu blieben nur 7400 Lehrstellen unbesetzt. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wird nicht nur in NRW größer, sondern auch im bundesweiten Vergleich. Insgesamt haben in Nordrhein-Westfalen 7324 Bewerber keine bekannte Alternative zur Ausbildung, darunter sind mehr als 80 Prozent unter 25 Jahren. 30 Prozent der Jugendlichen ohne Alternative haben einen Migrationshintergrund. Das Problem liegt nicht nur daran, dass immer weniger Betriebe ausbilden als früher. Die Auszubildenden bringen eine höhere Qualifikation, 40 Prozent der Bewerber in NRW haben Abitur oder die Hochschulreife. Dies erschwert Jugendlichen mit einem Mittleren Schulabschluss den Zugang zu einer Ausbildung.
Auszubildende müssen zum Teil mehr als 50 Bewerbungen schreiben und bleiben trotz dessen erfolglos. Die GEW appelliert an die Politik und fordert eine Ausbildungsgarantie für junge Erwachsene. Fachkräfte wachsen nicht an Bäumen, es muss jungen Menschen ermöglicht werden, einen Beruf zu erlernen. Die Betriebe müssen mehr Ausbildungsplätze mit Perspektiven anbieten. Auch eine Übernahme nach der Ausbildung ist längst keine Selbstverständlichkeit. Mehr als 50 Prozent der Auszubildenden wissen kurz vor Ende der Ausbildung noch nicht, ob sie übernommen werden und blicken ins Ungewisse.


Die Arbeitslosenquote ist gesunken – ein Grund zum Feiern?

Die Arbeitsagentur veröffentlichte ebenfalls die monatlichen Arbeitslosenzahlen und verkündete ganz stolz, dass die Arbeitslosenquote zum Vergleich des Vorjahres gesunken ist. 151.000 Menschen weniger als im letzten Jahr sind arbeitslos. Doch Kritiker warnen vor falschen Hoffnungen. Sowohl bei jungen Erwachsenen als auch bei Erwachsenen fallen immer mehr Menschen in die prekäre Beschäftigung. Allein 40 Prozent der 15- 24 jährigen arbeiten in Teilzeit. In Deutschland beziehen Millionen von Menschen Niedriglöhne, müssen ihr Hartz- 4 aufstocken oder gehen mehreren Jobs nach.
Die prekäre Beschäftigung hat mit den Jahren immer mehr zugenommen und die Politik öffnet den Weg der prekären Beschäftigung statt sich klar dagegen zu stellen.
Schon im Oktober 2017 stellte die Jamaika – Koalition in Schleswig-Holstein dem Bundesrat einen Antrag und forderte die Regierung dazu auf, die Arbeitszeiterfassung beim Mindestlohn für Teilzeitkräfte „handhabbarer und praxisnäher“ zu gestalten. Der DGB- Vorsitzende Reiner Hoffmann nahm dies bezüglich Stellung „Wer die Arbeitszeit nicht dokumentieren will, will nicht weniger Bürokratie, sondern mehr Ausbeutung“.
Es steht nicht nur in der Verantwortung der einzelnen Betriebe, sondern zuerst in der Verantwortung der neuen Regierung. Diese muss das Problem der Ausbildungslosigkeit und der Erwerbslosigkeit an erster Stelle auf ihre Agenda setzen.