Mordrate statt Körpermaße

In der vergangen Woche sorgte die Miss-Peru Wahl für internationales Aufsehen. Erstmalig fand ein Schönheitswettbewerb in dieser Form statt. So gut wie jeder weiß ungefähr wie eine Miss-Wahl abläuft. Die Kandidatinnen halten ihren Catwalk ab, ziehen verschiedene Designerkleider an und reden kaum. Außer wenn sie etwa ihre Körpermaße nennen und ganz selten etwas über ihre Intentionen sagen. Anders aber die südamerikanische Miss-Wahl, statt wie üblich die Körpermaße zu nennen, fielen seitens der Kandidatinnen Sätze wie etwa: „Meine Maße sind, dass mehr als 70 Prozent aller Frauen in Peru schon einmal auf der Straße belästigt wurden“. Andere Kandidatinnen sagten: „(…), dass in den letzten neun Jahren 2002 Frauen umgebracht wurden“ oder, dass in diesem Jahr bereits 300 Frauen in ihrem Land getötet wurden.
Die Miss-Peru Wahl hat also nicht grundlos für Aufsehen gesorgt, denn erstmalig wurde eine derartige Wahl, die eigentlich genau das zu hinterfragende Schönheitsideal der Gesellschaft widerspiegelt, als eine Protestaktion gegen sexuelle Gewalt an Frauen und Frauenmorde genutzt.
Die neue Miss Peru Romina Lozano, sagte nach der Wahl, dass sie ein Sprachrohr für die weiblichen Opfer sexueller Gewalt sein wolle und die Krone ihr dazu dienen soll Frauen zu helfen, die keine Stimme haben. „Nun bin ich ihre Stimme“, sagte die 20-Jährige der Zeitung „El Comercio“.
In Peru und etlichen anderen südamerikanischen Ländern wie etwa Argentinien gab es und gibt es große Protestbewegungen gegen die Macho-Kultur. Unter dem Motto „Wer eine anfasst, fasst alle an“ gingen im August 2016 rund 150 000 Menschen in Lima und anderen Städten gegen Übergriffe auf Frauen auf die Straße. In so gut wie jedem Land auf der Welt erfährt die Frau bis heute Gewalt in verschiedenster Form. Einer der weltweit höchsten Werte hat laut Aktivisten Peru bei gewaltsamen Übergriffen auf Frauen, gemessen an der Bevölkerungszahl.
Der Sinn und Zweck der Schönheitswettbewerbe und dessen Auswirkungen auf junge Frauen und Mädchen sei mal dahingestellt, diese Miss Wahl ist aufgrund der Tatsache, dass sie auf ein gesamtgesellschaftliches Problem aufmerksam gemacht hat, zu begrüßen.