NSU-Monologe

Ekincan Genc

Wenn man etwas über den Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) liest oder hört, wird oftmals die Geschichte von dem Neonazi-Trio, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe erzählt. Ihre 10 Mordopfer sind oftmals nur Statisten. Dass diese 10 Menschen aber ein Leben, eine Familie, eine eigene Geschichte hatten und noch haben, spielt in vielen Berichterstattungen keine Rolle.

Das dokumentarische Theaterstück „NSU-Monologe“ vom Regisseur Michael Ruf und der Gruppe „Bühne für Menschenrechte“ aus Berlin macht mit ihrer Aufführung genau diesen Perspektivenwechsel. Das Thema „NSU-Morde“ wird von den Opferangehörigen erzählt.

Es wird auf der Bühne die Geschichte von 3 Menschen erzählt. Die Geschichte von Adile Simsek, Ehefrau von Enver Simsek, der vom NSU am 11. September 2000 in seinem Blumentransporter in Nürnberg erschossen wurde. Von Elif Kubasik, dessen Ehemann Mehmet Kubasik am 4. April vom NSU, in seinem Kiosk in Dortmund, ermordet wurde. Und die Geschichte von Ismail Yozgat, dem Vater von Halit Yozgat, der seinen erst 21-jährigen Sohn am 6. April 2006 erschossen vom NSU auf dem Fußboden seines Internetcafes in Kassel aufgefunden hat.

In Interviews erzählten die Familien von ihrem entschlossen Mut, in der vordersten Reihe eines Trauermarsches zu stehen, den sie selbst organisierten mit der Forderung „Kein 10.Opfer!“. Dem Kampf von Ismail Yozgat, die Straße in der Halit ermordet wurde, in Halit Str. umbenennen zu lassen. Den Kampf gegen die Behörden, Polizei und Verfassungsschutz, welche sie und die ermordeten Menschen, jahrelang kriminalisierten und verdächtigten an den Morden selber Schuld zu tragen. Diese Interviews schrieb der Regisseur und Autor Michael Ruf wortgetreu in ein Theaterstück um: Die „NSU-Monologe“.

Als Zuschauer bekommt man einen Einblick in das persönliche Leben der Personen. Wie sich Elif und Mehmet im Dorf lieben lernten. Wie sich Adile und Enver mit dem Verkauf von Blumen aus Holland ein Leben in Deutschland aufbauten. Wie Ismail seinen Sohn Halit aufwachsen sieht und versucht, seine Träume zu verwirklichen. Und schließlich diese geliebten Menschen plötzlich aus dem Leben gerissen werden. Die jahrelange Ungewissheit, warum ihnen dieses wiederfahren ist, wer die Verantwortlichen sind und warum nur gegen sie selbst ermittelt wird, statt in die gegen die Neonazi Szene, wie sie jahrelang forderten. Aber sie erzählen auch von Ihrem Mut, für die lückenlose Aufklärung zu kämpfen.

Der Ruf nach Aufklärung bleibt weiterhin. Dieser Ruf bekommt durch Theaterstück eine stärkere Stimme. Das Theater macht uns deutlich, wie notwendig ein Kampf gegen Rassismus und Faschismus auch heute noch ist. Aber auch wie notwendig die Solidarität mit den Opfern des NSU ist.

Dieser Perspektivenwechsel, den dieses Theaterstück macht, zeigt uns, was die eigentlichen Probleme dieser Mordserie sind und welche Fragen gestellt und gelöst werden müssen. Das Problem bestand und besteht nicht nur aus einem Neonazi Trio, welches gemordet hat und es wird auch mit der Verurteilung von Beate Zschäpe gelöst werden. Es wurde hundertprozentige Aufklärung versprochen, unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber genau das ist mit dem Gerichtsprozess nicht geschehen. Deshalb muss unsere Forderung nach dieser Aufklärung umso stärker sein. Der NSU war und ist ein Versuch, diese Gesellschaft zu spalten. Unsere Aufgabe muss es sein, diesem Spaltungsversuch, eine solidarische Gesellschaft entgegen zu stellen. Theateraufführungen wie diese können eine starke Hilfe dafür sein.

Die „NSU-Monologe“ treten bundeweit auf. In welchen Städten sie demnächst sind, findet man auf ihrer Homepage: www.buehne-fuer-menschenrechte.de.