Aktionstag der IG-Metall in Ludwigsburg

Inan Öncü

Auch bei der zweiten Tarifverhandlungsrunde gibt es ein freches Angebot der Arbeitgeber.

2-Prozent für 15 Monate und eine Einmalzahlung von 200 Euro, aber nur wenn die volle Flexibilisierung gegeben wird.

Deswegen bekamen die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie einen ersten Vorgeschmack der Metallarbeiter bei eisiger Kälte. Zur zweiten Tarifverhandlung in Ludwigsburg demonstrierten 5000 Arbeiter. Zahlreich und lautstark, im Gegensatz zu den Jahren zuvor. Denn die geltende 35-Stunden Woche wird seitens der Arbeitgeber schon viel zu lange mit Füßen getreten. Die Arbeiter*innen fordern 6-Prozent und die individuelle Entscheidung zur Verkürzung der Arbeitszeit zu bis zu 28 Stunden, bei einer Laufzeit bis zu 24 Monate! Das würde bedeuten mehr Zeit für Familie und mehr Arbeitsplätze.

Die Arbeitszeitforderung ist heute sehr legitim, da heute schon sehr viele Arbeitsplätze durch Automatisierung und Rationalisierung weggefallen sind. Nun ist aber auch schon die Umstellung auf „INDUSTRIE 4.0“ da, welches genau die gleichen Absichten hat, die Produktivität eines Arbeiters zu erhöhen und somit mehr Kosten zu sparen.

Auch nach der zweiten Verhandlung gibt es zur Arbeitszeitforderung von der Südwestmetall eine Absage. Die Metallarbeiter sind empört und die Vorbereitungen für die Streikwellen laufen schon. Mit der nächsten Tarifverhandlung am 11. Januar 2018, werden auch die ersten Warnstreiks stattfinden.


„Arbeitszeitverkürzung, damit man seine Kinder auswachsen sieht!“

Julia Stein (Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der WMF) *

Wir als Arbeiter haben oft keine Wahl, wenn es um Entscheidungen des Betriebes geht, jedoch haben wir die Wahl, und zu organisieren und das Beste daraus zu machen.
Die Forderungen der IG-Metall sollen es uns Arbeitern leichter machen, doch deren Umsetzung liegt an UNS! Die Gewerkschaft kann sich nur dann für uns stark machen, wenn sie den Rückhalt der Belegschaft hat. Der Industrie geht es gut, sie wächst immer schneller und macht immer mehr Umsatz, das Leben wird teurer und deshalb fordern wir die 6%. Meiner Meinung nach ist das eine gute Basis, mit der sich auch noch verhandeln lässt. Im Allgemeinen finde ich, dass die Gewerkschaft mit ihren Forderungen nicht übertreibt.
Man sollte sich mal vorstellen, dass man ein pflegebedürftiges Familienmitglied hat. Richtig darum kümmern kann man sich nur nach Arbeitsschluss, welche aber meist wegen Aufträgen länger geht, als man sich selbst wünscht. Andererseits sollte man aber auch an sich selbst denken, denn durch Überforderung ist keinem geholfen. Ebenso, wenn man kleine Kinder daheim hat, wäre es doch schön, diese aufwachsen zu sehen. Dies kann man allerdings nur, wenn man nicht morgens schon bei der Arbeit ist, bevor die Kinder aufstehen und abends heim kommt, wenn die Kinder schon im Bett sind. Ebenso stellt die Wahl der Arbeitszeit eine gute Chance für diejenigen dar, welche sich noch weiterbilden möchten. Einen Meister in Vollzeit zu erlangen ist schon schwierig genug, doch was ist mit dem Geld? Den Meister in der Abendschule zu machen und nebenher noch arbeiten zu gehen, nagt an den Kräften eines jeden. Nun steht die Chance zur Verfügung die Arbeitszeit anzupassen. Kollegiales Verhalten ist hier der Stichpunkt! Sich für andere einzusetzen, die eventuell auf die „gedrosselte“ Arbeitszeit angewiesen sind. Ich werde meine Kollegen nicht im Stich lassen und dafür kämpfen, die Forderungen durchzusetzen. Denn früher galt schon der alte Spruch: „Einer für alle, alle für einen!“ und irgendwie ist da doch immer noch was dran!

*Name geändert